Sony: Nach flauem ersten Geschäftshalbjahr Ziele nach unten korrigiert

04.10.2001
Auch der Technologiekonzern Sony Corp. hat im laufenden Geschäftsjahr seine angepeilten Ziele nach unten korrigiert. Die deutsche Niederlassung in Köln musste Abstriche im ersten Halbjahr machen und hofft jetzt aufs zweite, trotz SAP-Einführung am 1. Oktober.

Den Geschäftsverlauf 2001 noch schön zu reden, ist dieses Jahr nicht üblich. Ungeschoren kommt diesmal auch Elektronikriese Sony Corp. nicht davon. Der japanische Mutterkonzern hat bereits am vergangenen Freitag Umsatz und Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr (Ende 31. März 02.) nach unten korrigiert (siehe Kasten).

Ähnliches hört man bei der Sony Deutschland GmbH: "Im ersten Halbjahr werden wir unsere Ziele nicht erreichen. Für unser zweites Geschäftshalbjahr gehen wir aber von einer besseren Nachfragesituation aus, auch aufgrund positiver Impulse die die IFA gesetzt hat", erklärt Leopold Bonengl, Vorsitzender der Geschäftsführung in Köln, gegenüber ComputerPartner. Allerdings räumt der Manager branchenkonform ein, dass Juli "für den deutschen Markt ein Ka-tastrophenmonat" gewesen sei. Dennoch falle das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr aber nicht flach, wie mancher schon befürchtete: "Sicher, werden wir wieder ein Jahresendgeschäft haben. Niemand geht allerdings von großen Wachstumsschüben aus. Wir rechnen mit einer Stabilisierung, wenn die politische Lage bleibt, wie sie derzeit ist."

Zur Profitabilität der Sony GmbH will Bonengl derzeit noch keine Aussagen machen, außer dass er "wieder schwarze Zahlen anstrebt". Schließlich stellte die Kölner Mannschaft am 1. Oktober auf SAP um, was auch wieder ins Geld geht. Erfreulich dürfte für Bonengl dagegen sein, dass er nur nach kurzer Suche den Job des IT-General-Managers wieder besetzen konnte: Ebenfalls am 1. Oktober trat Joran Taubert, bisher als Business-Manager für den Video- und DVD-Bereich bei Sony zuständig, die Nachfolge von Luc Graré an.

Notebook-Geschäft stabil

Dass Sony beim Notebook-Absatz in Deutschland laut Marktforschungsinstitut Dataquest Einbußen hinnehmen musste, dementiert Bonengl. Wie Toshiba orientiert sich auch Sony lieber an der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung): "Dataquest misst ausschließlich, was die Hersteller in den Kanal verkaufen, nicht aber, was der Handel absetzt. Laut GfK konnte Sony seinen Notebook-Marktanteil sogar um 0,4 Prozent steigern. Im Zeitraum von Februar bis Juli liegen wir im deutschen Markt bei 6,5 Prozent Marktanteil", führt der Sony-Deutschland-Chef aus. Fügt aber hinzu: "Aufgrund der allgemeinen Marktentwicklung werden wir unseren anvisierten Absatz bei Notebooks und Monitoren im laufenden Geschäftsjahr nicht erreichen."

Im August - als Toshiba mit einem Laptop-Kampfpreis von 3.599 Mark im Media-Markt-Flyer Kontrahent Gericom das Fürchten lehren wollte - schlug auch Sony zu: 3.499 Mark für den Vaio "PCG-FX 302K". Bonengl sieht das aber nicht als Reaktion auf die zwei genannten Wettbewerber im Notebook-Umfeld: "Wir besetzen - und zwar mit mobilen Prozessoren - bestimmte Preispunkte, die vom IT-Fachhandel und den Consumer-Electronic-Stores gefordert werden und hatten damit auch Erfolg", hält der Manager dagegen. Den Monitorabsatz will man in Köln über verschiedene Strategien ankurbeln: Erstens werden die neuen PC-Modelle (ab Herbst 2001) ohne Display angeboten. Im Gegenzug wird das Monitordesign für neue CRTs und LCDs den Sony-Rechnern angepasst. Zweitens werden die Kölner im nächsten Jahr eine LCD-Einstiegsserie auf den Markt bringen: "Stand heute, wäre ein Preis von 1.099 Mark. Wir müssen aber abwarten, wie sich das allgemeine Preisgefüge und der Euro entwickelt", sagt Thorsten Prsybyl, zuständiger Produkt-Manager Displays. Drittens arbeitet der Hersteller - mal wieder - an besseren Lieferzeiten: ein bekanntes Problem bei Sony. Durch Preisanpassungen bei den 15-Zoll-LCDs war die Verfügbarkeit äußerst knapp. Ab Mitte Oktober will der Hersteller die Lage wieder im Griff haben.

ComputerPartner-Meinung:

Trotz hoher Brand-Awareness - quer durch das angebotene Produktportfolio - gerade an der Endkundenfront, hat auch Sony mit der schwachen Nachfrage in allen Märkten zu kämpfen. Und derzeit ist noch kein Ende der Durststrecke in Sicht. (ch)