UMTS-Abschaltung

Spätestens Ende 2021 surfen viele langsamer

Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Spätestens Ende 2021 schaltet die Telekom 3G/UMTS ab. Das hat nicht nur für viele Handybesitzer fatale Folgen, auch Autofahrer können betroffen sein.

Die drohende UMTS-Abschaltung rückt näher. Die Deutsche Telekom will ihr UMTS-Netz spätestens Ende 2021 abschalten. Wer dann noch nicht auf LTE oder 5G umgestiegen ist, surft nur noch mit dem lahmen GPRS/Edge/2G-Tempo mobil weiter.

Nicht nur ältere Smartphones bremsen den Nutzer aus.
Nicht nur ältere Smartphones bremsen den Nutzer aus.
Foto: Viktor Hladchenko - shutterstock.com

Derzeit nutzt die Deutsche Telekom noch 10 MHz für ihr 3G/UMTS-Mobilfunknetz. Doch 5 MHz will die Telekom jetzt für den Ausbau ihres LTE- und vor allem ihres 5G-Mobilfunknetzes verwenden: Telekom - 5G-Ausbau auf dem Land u.a. mit alten UMTS-Frequenzen. Somit bleiben noch 5 MHz für das doch schon sehr betagte UMTS-Netz übrig. Bei der Flächenabdeckung und dem Versorgungsgrad der Bevölkerung sollen sich laut Telekom aber keine Veränderungen ergeben.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Wegfall von 5 MHz die Qualität des UMTS-Netzes verschlechtert. Die Deutsche Telekom sagte uns dazu auf Nachfrage: „Unsere ausführlichen Tests haben gezeigt, dass trotz der Reduzierung des für 3G eingesetzten Spektrums, eine Geschwindigkeitsveränderung im täglichen Gebrauch kaum spürbar wird. Durch die zunehmende Verlagerung des Datenverkehrs aus dem 3G-Netz zu 4G (und 5G) bleibt die im 3G-Netz erlebbare Geschwindigkeit in der gleichen Größenordnung wie bisher.“

Und wie lange wird die Telekom überhaupt noch ein 3G-Mobilfunknetz anbieten? Dazu schreibt uns die Telekom: „In unseren AGB haben wir die Verfügbarkeit von 3G, vorbehaltlich einer Verlängerung, bis Ende 2020 garantiert. Einen genauen Abschalttermin können wir heute noch nicht nennen, bis spätestens Ende 2021 wollen wir jedoch das bisher für 3G verwendete Frequenzspektrum dann komplett für die leistungsfähigeren Technologien verwenden und 3G endgültig abschalten.“

Vodafone hat bisher keinen konkreten Abschalttermin für sein 3G-Netz in Deutschland genannt. Der Group-Technikchef Johan Wibergh gab 2017 bei einer Veranstaltung in London nur vage die Prognose ab, dass Vodafone „ungefähr 2020 oder 2021 mit der Abschaltung von 3G beginnen werde“.

Telefònica/O2 nennt „bis 2022“ als Zeitraum, in dem es noch 3G anbieten wolle.

Von der 3G/UMTS-Abschaltung sind nicht nur Nutzer betroffen, die auf ihrem Handy nur 3G und noch nicht LTE nutzen können. Das sind übrigens gar nicht einmal so wenige: 3G-Abschaltung - 53 Prozent der Mobilfunk-Nutzer surfen bald im Schneckentempo. Ende 2018 waren in Deutschland laut Bundesnetzagentur nur 47 Prozent aller ausgegebenen SIM-Karten für Mobilfunknutzer LTE-fähig (50,5 Millionen SIM-Karten). Der Rest, also 53 Prozent oder 57 Millionen, waren damals tatsächlich noch mit 3G-SIM-Karten im Internet unterwegs (5G spielt damals noch keine Rolle).

Auch der eCall im Auto läuft über 2G und 3G. Fällt 3G weg, bleibt nur noch 2G. Doch 2G wollen einige europäische Staaten ebenfalls abschalten. Die deutsche Automobilindustrie fordert deshalb, das 2G/3G-Netz verbindlich bis 2035 aufrechtzuerhalten. Der VDA schreibt: „Die geplante Abschaltung hätte zur Folge, dass eine lebensrettende Technologie, die erst 2018 verpflichtend eingeführt worden ist, in bestimmten europäischen Ländern sogar in Neufahrzeugen schon ab 2020 nicht mehr flächendeckend funktionieren würde. Dies ist aus der Sicht der Automobilindustrie – und damit auch mit Blick auf viele Autofahrer - jedoch nicht akzeptabel. Ein Update der bestehenden eCall-Systeme ist in technischer Hinsicht nicht möglich; selbst für die Entwicklung von neuen eCall-Systemen auf Basis von 4G oder 5G fehlen derzeit verbindliche technische Standards.“ (PC-Welt)

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