Telekom-CEO im Visier

Staatsanwaltschaft durchsucht Wohnung von René Obermann

13.09.2010
Die Staatsanwaltschaft Bonn hat laut einem Bericht des Magazins "WirtschaftsWoche" Ende August die Wohnung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, René Obermann, durchsucht und dabei "umfangreiches" Material beschlagnahmt.

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat laut einem Bericht des Magazins "WirtschaftsWoche" Ende August die Wohnung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, René Obermann, durchsucht und dabei "umfangreiches" Material beschlagnahmt. Hintergrund seien Geschäfte der Telekom-Tochter Magyar Telekom und einiger anderer Tochtergesellschaften in Osteuropa, die angeblich Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt haben sollen, schreibt das Magazin am Montag, 13.09.2010, ohne Angaben von Quellen.

Bereits Anfang September 2010 war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Bonn Ermittlungen bei der Deutschen Telekom aufgenommen hatte und damit auf ein Rechtshilfegesuch aus den USA reagierte. Aktuell gehe es um einen Anfangsverdacht auf Bestechung oder Beihilfe zur Bestechung bei acht Personen, so ein Sprecher der Behörde damals. Auch die Telekom bestätigte seinerzeit Durchsuchungen von Geschäftsräumen und erklärte, es gehe um frühere Geschäfte bei Magyar Telekom, die schon vor Jahren ins Visier von Ermittlungsbehörden geraten seien.

Im Jahresabschluss 2005 hätten Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers (PWC) verdächtige Zahlungen entdeckt und den Ungarn das Testat versagt. Daraufhin sei 2006 eine Kanzlei mit der Überprüfung der Vorgänge beauftragt worden, sagte ein Sprecher der Deutschen Telekom AG damals weiter. Weil die Magyar Telekom auch in den USA notiert ist, hätten sich die US-Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium eingeschaltet.

Nach früheren Informationen der "Süddeutschen Zeitung" geht es bei den Untersuchungen im Wesentlichen um Beraterverträge für Töchter der Magyar Telekom in Mazedonien und Montenegro.

Die "WirtschaftsWoche" berichtet nun, dass am 31. August 2010 nicht nur Büros in der Bonner Zentrale der Deutschen Telekom, sondern auch die Privatwohnungen von mehreren Führungskräften durchsucht worden seien, darunter auch die von Vorstandschef Obermann. Bis zur Ernennung zum Telekom-CEO im November 2006 war Obermann Vorstandsvorsitzender von T-Mobile International.

Ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft sagte am Montag, dass es auch Durchsuchungen von Privatwohnungen gegeben habe. Details wollte er aber nicht nennen. Ein Telekom-Sprecher bestätigte lediglich erneut, dass es Durchsuchungen bei der Telekom im Rahmen eines Rechtshilfeabkommens gegeben habe, allerdings wollte auch er sich nicht zu Details äußern. (haf)

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