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SAP-Quartalszahlen

Starkes Cloud-Wachstum geht zu Lasten der Marge

18.10.2018
Europas größter Softwarehersteller SAP hat wegen des starken Wachstums bei Cloudsoftware im dritten Quartal deutlicher weniger profitabel abgeschnitten als erwartet.
Bei SAP geht das Wachstum im Cloud-Geschäft zu Lasten der Marge.
Bei SAP geht das Wachstum im Cloud-Geschäft zu Lasten der Marge.
Foto: Piotr Swat - shutterstock.com

Bei Europas größtem Softwarehersteller SAP geht das kräftige Wachstum mit Cloudsoftware wieder stärker zulasten der Rendite. Doch das Management um Konzernchef Bill McDermott sieht den eigenen Kurs bestätigt - trotz der am Markt als durchwachsen gewerteten Zahlen des dritten Quartals. SAP hat sich nun für das Gesamtjahr mehr Wachstum vorgenommen. Doch das hohe Tempo hat nicht nur gute Seiten.

Denn das noch nicht so rentable Geschäft mit der Software zur Miete aus dem Internet macht durch sein schnelles Wachstum immer mehr Anteil am Gesamtgeschäft aus und verwässert damit die operative Marge, also den Anteil des operativen Gewinns vom Umsatz. Im dritten Quartal sank die um Sonderposten bereinigte Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern um 0,4 Prozentpunkte auf 28,9 Prozent, wie das Dax-Schwergewicht am Donnerstag in Walldorf mitteilte. Analysten hatten im Schnitt eigentlich einen deutlichen Anstieg auf 30,1 Prozent einkalkuliert.

Die Analysten hätten offensichtlich nicht mit einem so starken Wachstum der Cloudsoftware gerechnet, sagte Finanzchef Luka Mucic. Am Aktienmarkt geriet die SAP-Aktie am Vormittag trotz erneut angehobener Jahresprognosen unter Druck. Das Papier fiel unter die Marke von 100 Euro und lag zuletzt knapp drei Prozent im Minus.

Analystin Stacy Pollard von JPMorgan wertete die Margen als Enttäuschung aus Sicht der Investoren. Barclays-Experte Gerardus Vos schrieb, das Management dürfte Mühe haben, den Investoren den starken Umschwung der Marktnachfrage zu erklären. Wenn Wechselkurseffekte, der Callidus-Zukauf und neue Bilanzierungsregeln ausgeklammert würden, sei die Marge nach seinen Berechnungen gar um 0,6 Prozentpunkte gesunken.

Immerhin gab es unter anderem von Baader Bank-Analyst Knut Woller Lob für die angehobenen Umsatzaussichten. Ebenso von Richard Nguyen von der französischen Großbank Societe Generale: SAP gewinne Marktanteile im Zukunftsgeschäft Cloud und gleichzeitig komme das Software-Paket S4 Hana bei den Firmenkunden gut an. Und das seien "die beiden Säulen der Aktien-Story SAP auf lange Sicht", sagte der Experte. Auch er räumte aber ein, dass mit Blick auf die Margen im Gesamtjahr durchaus Risiken bestünden.

Salesforce im Visier

Analysten sind bei der Marge so empfindlich, weil McDermott und Mucic den Investoren für dieses Jahr erstmals seit 2013 wieder einen Anstieg versprochen haben - auf währungsbereinigter Basis. In den ersten beiden Quartalen hatte das geklappt, und auch im dritten Quartal rechnete Mucic ohne den Einfluss von Wechselkursen einen knappen Anstieg vor.

Ihre Prognosen für 2018 hoben die Walldorfer vor allem wegen des starken Umsatzwachstums an - zum mittlerweile dritten Mal in diesem Jahr. McDermott sprach von deutlichen Marktanteilsgewinnen gegenüber der Konkurrenz im Cloudbereich. SAP hat mit dem neuen Programmpaket C4 Hana vor allem den US-Rivalen Salesforce ins Visier genommen, der auf Vertriebsabteilungen von Unternehmen spezialisiert ist. "Unsere Wachstumstreiber zeigen ihre ganze Stärke", sagte der US-Amerikaner. Das Softwarebündel S4 Hana zur Unternehmenssteuerung gewann ebenfalls erneut Hunderte Kunden.

Auch dank der milliardenschweren Callidus-Übernahme im Frühjahr kletterten die Umsätze mit den im Abo vertriebenen Softwarelösungen im dritten Quartal um fast 40 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Hingegen schwächelte der Verkauf neuer Lizenzen für Softwarepakete, die beim Kunden fest installiert werden. Vor allem in Nordamerika und in Teilen Europas schwenkten die Kunden schneller auf die Cloudangebote um. Die Lizenzen für fest installierte Software bringen hohe Einmalumsätze, bei Cloudsoftware dagegen verteilen sich die Umsätze über die Vertragslaufzeit und fließen nur nach und nach ins Unternehmen.

Starker Euro kostet Wachstum

Der Gesamterlös kletterte im abgelaufenen Jahresviertel um 8 Prozent auf 6,02 Milliarden Euro. Der starke Euro kostete dabei zwei Prozentpunkte Wachstum, weil nach der Umrechnung weniger von im Ausland erzielten Erlösen übrigbleibt. Auf Jahressicht geht SAP nun von einem währungsbereinigten Umsatzplus von 7,5 bis 8,5 Prozent aus. Bisher standen 6 bis 7,5 Prozent im Plan. Nach neun Monaten hat SAP bereits 10 Prozent vorzuweisen. Auch die Cloudsparte soll etwas stärker abschneiden als bisher geplant.

Das bereinigte operative Ergebnis legte im dritten Quartal um 6 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro zu. SAP klammert hier Kosten für die aktienbasierte Vergütung des Managements und der Belegschaft aus, aber auch Aufwendungen für Übernahmen und den Konzernumbau. Dank der besseren Umsatzaussichten geht der Konzern auch beim operativen Ergebnis am Jahresende von rund 25 Millionen Euro mehr aus als bisher.

Unter dem Strich bekam der Konzern erneut zu spüren, dass wegen des steigenden Aktienkurses mehr Geld für die aktienbasierte Vergütung fällig wurde, der Konzerngewinn ging um 2 Prozent auf 974 Millionen Euro zurück. (dpa/mz)