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Digitalpakt Schule

Tablet und WLAN als Heilsbringer?

31.05.2019
Hilft der neue Digitalpakt Schülerinnen und Schüler fit für die Zukunft zu machen? Der Rektor einer digitalen Musterschule hat eine eindeutige Antwort.
Dank des Digitalpakts soll mehr moderne Technik Einzug in die Klassenzimmer halten.
Dank des Digitalpakts soll mehr moderne Technik Einzug in die Klassenzimmer halten.
Foto: Rawpixel.com - shutterstock.com

Zehn Schüler stehen zu Beginn ihrer Mittagspause mit leuchtenden Augen vor der Tür des "Wunderlandes". Das hat in der Pause eigentlich immer geöffnet. An diesem Tag muss der Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe, Micha Pallesche (44), seine Schützlinge aber abweisen - zwei Delegationen aus Bayern und Berlin sind für eine Besichtigung gekommen.

Rund 700 Besucher haben sich die Gemeinschaftsschule im vergangenen Jahr nach Angaben des Rektors angesehen - aus gutem Grund: Hier ist seit Jahren Technik im Einsatz, die viele andere deutsche Schulen mit dem Mitte Mai in Kraft getretenen Digitalpakt erst bekommen sollen.

Schüler sollen spielerisch Programmieren lernen

Eine zentrale Rolle spielt dabei ein Raum des Wunderlandes - der "Makerspace". Das Zimmer - im letzten Jahrtausend hätte man vielleicht noch Werkraum an die Tür geschrieben - ist unter anderem mit Roboterbausätzen, einem Filmstudio und einem 3D-Drucker ausgestattet. Kleine Computer, genannt "Calliope mini", sollen den Schülern spielerisch das Programmieren beibringen. Auf der handflächengroßen Platine sitzen unter anderem mehrere Leuchtdioden, Taster, ein Lautsprecher und ein elektronischer Kompass. Einmal programmiert kann daraus so ziemlich alles werden - zum Beispiel ein einfaches Klavier, ein Schere-Stein-Papier-Gegner oder ein Schalter für Funksteckdosen.

In den Klassenräumen der Ernst-Reuter-Schule hängen keine Tafeln mehr an der Wand, sondern sogenannte Activboards - eine Art digitale Tafel mit Touchscreen. Und die Schüler arbeiten regelmäßig mit Tablets - 150 Stück gibt es für die rund 320 Schüler. Auf die Frage, wie die Schüler die außergewöhnliche Ausstattung ihrer Schule finden, antworten viele erstmal mit einem Schulterzucken. Die 17-jährige Sara sagt: "Für uns ist es normal, aber die anderen kommen hierher und sagen "wow"." Grundsätzlich finden die Jugendlichen die Technik gut - sie nehmen sie schlicht nicht mehr als etwas Besonderes wahr.

Klassischer Frontalunterricht wird Anforderungen der Zukunft nicht mehr gerecht

Schulleiter Pallesche, der parallel an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg im Bereich Mediendidaktik promoviert, sieht die Ausstattung als Mittel zum Zweck - entscheidend sei aber etwas anderes: Menschen müssten in Zukunft mehr in Teams arbeiten, um die allgemein komplexer werdenden Aufgaben der Zukunft noch lösen zu können. Diesen gestiegenen Anforderungen wird man laut Pallesche mit klassischem Frontalunterricht nicht mehr gerecht - das könne kein Lehrer mehr leisten.