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Mitarbeiterbeteiligung

Teamgeist statt Hierarchie

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Der schnelle Wandel braucht agile und kreative Unternehmen – und auch die richtigen Mitarbeiter, ist DoubleSlash-Inhaber Konrad Krafft überzeugt. Damit sein Laden in solchen Zeiten erfolgreich funktioniert, hat er eine Mitarbeiterbeteiligungs-Gesellschaft gegründet.

Die Digitalisierungswelle rollt. Wer erfolgreich auf ihr surfen will, muss seine Unternehmenskultur auf den Prüfstand stellen. Und als Führungskraft bereit sein, sein Rollenverständnis neu zu definieren, meint Konrad Krafft, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Friedrichshafener Softwarehauses doubleSlash.

Mit der Gründung einer Mitarbeiterbeteligungs-Gesellschaft will doubleSlash das Unternehmen dauerhaft agil und zukunftsfähig machen.
Mit der Gründung einer Mitarbeiterbeteligungs-Gesellschaft will doubleSlash das Unternehmen dauerhaft agil und zukunftsfähig machen.
Foto: Jacob Lund - shutterstock.com

Für Konrad Krafft ist die Sache klar: "Eine finanzielle Beteiligung ist auch immer eine emotionale Beteiligung. Das allein ist schon wertvoll für eine gute Unternehmenskultur." Aber es geht dem Geschäftsführer von doubleSlash noch um weit mehr. "Die Mitarbeiterbeteiligungs-Gesellschaft ist ein Generationenmodell. Der langfristige Erfolg des Unternehmens sollte nicht von einzelnen Personen abhängen."

Adress Managementplattform

Kurz vor der Jahrtausendwende 1999 wagten sich Konrad Krafft und fünf andere Gründer mit einer digitalen "Adress Managementplattform" an den Markt. Heute zählt das mittelständische Unternehmen vom Bodensee mehr als 120 Mitarbeiter, erzielt 13 Millionen Euro Umsatz (2017) und hat zwei weitere Standorte in München und Stuttgart. Seit 2016 ist die ZF Friedrichshafen Partner der Softwareschmiede und Firmen wie BMW, die Deutsche Post und Porsche zählen zu den Kunden von doubleSlash.

Inhaber Krafft pflegt seit der Gründung den Unternehmergeist im besten Sinne, unterstützt die Kultur des ständigen Ausprobierens und der Beweglichkeit aller Beteiligten. Das zeigt sich nicht zuletzt in einem systematischen Innovationsprozess, den doubleSlash schon vor Jahren etabliert hat und der die Mitarbeiter stark einbindet. Daraus sind bereits einige innovative Projekte wie die Vernetzungsplattform BikeCrowd entstanden, die das Unternehmen nun auch vermarktet.

Erfindergeist im Unternehmen halten

Diesen Erfindergeist möchte Krafft unbedingt im Unternehmen halten. Die Mitarbeiterbeteiligung spielt für ihn dabei eine wesentliche Rolle. Ihm ist wichtig, dass möglichst viele Inhaber nicht nur monetär am Erfolg beteiligt sind, sondern im Unternehmen arbeiten und ihren Lebensunterhalt in der Firma verdienen. Denn "damit haben sie ein vitales Interesse daran, dass sich jede Entscheidung positiv auf das Unternehmen und dessen Markt- und Zukunftschancen auswirkt. Kurz: dass die Entscheidungen in jeder Hinsicht möglichst gut sind."

Durchaus erwünscht und einkalkuliert ist ein weiterer Effekt, der nach Überzeugung von Krafft sein Unternehmen befähigt, seine Kunden bei ihrer digitalen Transformation besser zu unterstützen. "Als IT-Firma setzen wir uns ständig mit den neuesten Methoden aus der Softwareentwicklung auseinander. Da ist es geradezu elementar, dass wir eine Unternehmenskultur pflegen, die sich nicht an Hierarchien, sondern am Teamgeist orientiert", so Krafft. Denn nur dann brächten alle Mitarbeiter ihre Kreativität zu Entfaltung und seien agil und innovativ.

Krafft und sein Geschäftsführerkollege Andreas Strobel wollen mit der Mitarbeiterbeteiligungs-AG (dSMB AG) die klassische Trennung von Unternehmern auf der einen Seite und den Mitarbeitern auf der anderen Seite aufheben. Vielmehr schwebt ihnen doubleSlash als gemeinsames Projekt aller Mitarbeiter vor. Das sei "ein Bekenntnis zu Offenheit und Transparenz", so Krafft. "Wir sind überzeugt, dass sich damit die Gesellschafter-Entscheidungen verbessern lassen und wir als Arbeitgeber an Attraktivität gewinnen."

Modell zur Nachfolgeregelung

Im Übrigen gehe es auch darum, das Unternehmen dauerhaft agil und zukunftsfähig zu machen, unabhängig von Personen und äußeren Einflüssen. "Unsere Mitarbeiterbeteiligungs-AG ist auch als Modell zur Nachfolgeregelung gedacht. Wir leben von unseren jungen Leuten. Ich fände es gut, wenn wir auch in zehn Jahren noch sagen könnten, dass wir ein Durchschnittsalter von 30 Jahren haben", hoffen Strobel und Krafft. Für sie gebe es kaum eine schlimmere Vorstellung als "alte Herren", die an ihrem Sessel klebten und alles entscheiden wollten: "Das ist schädlich für eine Firma, da gehen die Innovationen verloren. Unser Idealbild ist die Erfahrung von Älteren gepaart mit der zupackenden Energie und dem Mut junger Mitarbeiter."

Konrad Krafft, Geschäftsführer doubleSlash: „Als IT-Firma ist es geradezu elementar, dass wir eine Unternehmenskultur pflegen, die sich nicht an Hierarchien, sondern am Teamgeist orientiert.“
Konrad Krafft, Geschäftsführer doubleSlash: „Als IT-Firma ist es geradezu elementar, dass wir eine Unternehmenskultur pflegen, die sich nicht an Hierarchien, sondern am Teamgeist orientiert.“
Foto: doubleSlash Net-Business GmbH

Die Mitarbeiterbeteiligungs-AG verfügt über ein Viertel der Anteile an doubleSlash in Form von 50.000 Aktien, deren Erwerb jedem Mitarbeiter offensteht. Allerdings ist der individuelle Aktienbesitz in der Geschäftsordnung gedeckelt, um sicherzustellen, dass möglichst viele Mitarbeiter Aktien kaufen können.

Mehr als jeder zweite Mitarbeiter ist dabei

Dass das Modell ankommt, zeigen die Zahlen: Schon wenige Monate nach Gründung der AG haben mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter Aktien erworben. Den Vorstand der dSMB AG bilden Michael Rotter und Christian Schmid gemeinsam. Beide arbeiten schon lange bei doubleSlash. "Wir haben bereits zwei Kaufrunden hinter uns, und das Interesse ist erfreulich groß.

Das hat sich auch bei unserer ersten Aktionärs-Hauptversammlung gezeigt. Rund 90 Prozent der Aktionäre waren dabei, und die Atmosphäre war ausgesprochen konstruktiv", freut sich Rotter. Er finde die aktive Mitwirkung an den Entscheidungen mindestens genauso spannend wie die Chance, am Erfolg des Unternehmens finanziell zu partizipieren: "Das ist für mich gelebtes `Great Place to Work´, und ich habe den Eindruck, das sehen auch unsere Kolleginnen und Kollegen so."

Christian Schmid, als Controller bei doubleSlash mit den Zahlen des Unternehmens vertraut, sieht die Beteiligung der Mitarbeiter als zusätzliche Motivation und Identifikation mit dem Arbeitgeber: "Eine solche Gelegenheit bietet sich nicht alle Tage. Ich sehe das auch als Chance für meine eigene Entwicklung. Und als willkommene Gelegenheit, dem Arbeitgeber etwas zurückzugeben. Ganz abgesehen davon, dass ein solcher interner Demokratisierungsprozess einen positiven Effekt auf die Mitarbeiterbindung hat."

Elementare Fragen zum Unternehmen

Die Entscheidungsabläufe in der Beteiligungsgesellschaft laufen wie in einer ganz normalen Aktiengesellschaft, erklärt Krafft: "Der Vorstand und die Aktionäre stellen Anträge. Und die werden besprochen und entschieden." Dabei gehe es natürlich oft um elementare Fragen etwa zur Unternehmensstrategie, zur Produktentwicklung oder zu Investitionen.

Die offenen Diskussionen darüber seien gewollt und gewünscht. "Denn damit stellt die dSMB AG ein zusätzliches Sprachrohr dar, eine deutliche Stimme im Unternehmen, die vorbei an der normalen Hierarchie der Geschäftsführung gehört wird."