Technikforum TV- und Videokarten

03.11.1999

München: In den letzten Jahren wurden TV- und Videokarten gewaltig verbessert. Heutige Karten geben die Bilder flimmerfrei und ohne zu ruckeln auf dem Monitor wieder. Während diese Karten noch vor einigen Jahren wie Blei in den Regalen lagen, erleben sie jetzt geradezu einen Boom.Mit einer TV/Videokarte kann man sich das Fernsehprogramm auf dem heimischen PC ansehen oder Filme und Bilder vom Videorekorder oder von einer Videokamera in den PC überspielen. Die Bilddaten werden von der Karte in eine für den Computer lesbare Form umgewandelt, sie werden (1) digitalisiert. Anschließend kann man die Bilddaten auf der Festplatte speichern und sie mit einem entsprechenden Programm verändern und bearbeiten. Hauptsächlich nutzen Videoamateure diese Technik um beispielsweise den Urlaubsfilm elektronisch zu schneiden oder um eigene Vorspänne und Übergänge zwischen die einzelnen Szenen einzufügen.

Allerdings mußte man dafür früher tief in die Tasche greifen. Nicht nur die entsprechenden Karten waren sehr teuer, auch die PC-Ausstattung mußte vom Feinsten sein. Neben einem sehr schnellen Prozessor brauchte man eine große und schnelle Festplatte. Schließlich muß ja ein Teil des Films auf der Festplatte gespeichert werden, was für rund sieben Minuten Video etwa ein Gigabyte Speicherplatz benötigt. Außerdem waren mindestens 16 MB Hauptspeicher notwendig. In heutigen Computern sind 32 bis 64 Megabyte Standard und selbst in Einstiegs-Computern arbeiten heute schon Prozessoren mit über 300 Megahertz Taktfrequenz. Schnelle Festplatten mit großer Kapazität gehören heute ebenfalls zum Standard. Damit ist der Weg frei für den Einsatz einer Videokarte.

Video- und andere Karten

Landläufig tummeln sich unter diesem Oberbegriff drei verschiedene Gruppen. Alle haben zwar etwas mit Videos zu tun, aber nicht alle sind Videokarten.

Manche bezeichnen zum Beispiel einen (2) Hardware-MPEG-Dekoder auch als Videokarte. Doch an solche Karten läßt sich weder eine Videokamera anschließen, noch kann man damit fernsehen.

Diese Karten enthalten einen Prozessor, der auf das Entpacken von MPEG-Videos spezialisiert ist. MPEG-Karten liegen zum Beispiel manchmal DVD-Laufwerken bei. Damit lassen sich dann MPEG-kodierte Videos auf dem PC in bester Qualität abspielen. Außerdem wird durch den Hardware-MPEG-Dekoder der Hauptprozessor im Rechner entlastet. Selbst auf nicht so rechenstarken Maschinen lassen sich jetzt MPEG-Videos in einwandfreier Qualität ruckel- und flimmerfrei wiedergeben. Der MPEG-Dekoder arbeitet so quasi als Koprozessor im Rechner.

1. TV- oder SAT-Karten

Bei diesen Geräten handelt es sich im Prinzip um normale Videokarten, die um einen Fernseh- oder Satellitenempfänger erweitert wurden. Man braucht nur das Antennenkabel an die Karte aufzustecken und hat nach Aufspielen der zugehörigen Software einen kompletten Fernseher auf dem Monitor. Die Bedienung des Fernsehers geschieht jetzt per Software über die Tastatur und mit der Maus oder über eine mitgelieferte Fernbedienung.

2. Videokarten

Diese Karten sorgen für die Umsetzung eines Fernseh- oder Videosignals in die Computernorm. Ein spezieller Prozessor auf der Karte nimmt die Wandlung dieser Signale vor. Das Videosignal wird der Karte extern von einer Videokamera oder einem Videorekorder über ein Kabel zugeführt. Mit einer solchen Karte kann man beispielsweise Bilder direkt ins Internet übertragen (3) Videoconferencing).

3. Videoschnitt-Karten

Eine solche Karte besitzt einen hochwertigen Digitalisierbaustein der für optimale Umsetzung des Videobildes in digitale Daten sorgt. Zusätzlich ist auf solchen Karten noch ein Videoausgang vorhanden, mit dem man den fertig geschnittenen Film wieder auf einen Videorekorder zurückspielen kann.

TV-Karten

TV- und SAT-Karten haben neben einer Videokarte noch einen Tuner integriert. Damit stellen sie im Prinzip ein komplettes Fernsehempfangsteil dar. Man braucht nur den Antenneneingang mit der Hausantenne oder dem Kabelanschluß zu verbinden und die entsprechende Software zu starten. Außerdem muß die Fernsehkarte noch über ein, im Lieferumfang enthaltenes Kabel mit der Soundkarte verbunden werden. Der Ton zum Fernsehprogramm kommt jetzt aus den Computer-Lautsprechern per Soundkarte. Beim ersten Start sucht sich die Fernsehkarte nun die einzelnen Sender selbstständig und speichert deren Frequenz. Dieser Vorgang dauert allerdings bis zu fünf Minuten. Danach ist die Karte einsatzbereit. Das empfangene Fernsehbild erscheint nun in einem Fenster auf dem Computerbildschirm. Es läßt sich beliebig positionieren und ist auch in der Größe veränderlich. Nun kann man bequem weiterarbeiten und verpaßt gleichzeitig auch keine Nachrichten, das aktuelle Fußballspiel oder den spannenden Film. Wer sich ganz dem Fernsehgenuß hingeben möchte kann das Bild auch auf volle Bildschirmgröße ausdehnen.

In Zusammenarbeit mit dem PC kann die TV-Karte aber noch viel mehr als ein Fernsehgerät. Videotext gehört inzwischen fast schon zum Standard der Karten. Weiterhin erlauben einige Karten eine Multisendervorschau. Dann scannt die Karte alle Kanäle durch und zeigt von allen aktuellen Programmen jeweils ein Bild im Briefmarkenformat. Manche Karten können hier bis zu 64 Programme gleichzeitig anzeigen. Zur Anwahl des gewünschten Programms genügt nun ein Klick auf das Vorschaubild.

Weiterhin erlauben TV-Karten auch die Aufzeichnung von laufenden Fernsehsendungen im AVI-Format. Dabei werden die Filme direkt auf der Festplatte gespeichert. Standbilder sind natürlich ebenfalls kein Problem.

Premiere gucken, ohne zu zahlen

Der Pay-TV-Sender Premiere verschlüsselt sein Programm. Um in den Genuß der Spielfilme zu kommen muß man eine monatliche Gebühr von rund 40 Mark zahlen. Mit Hilfe einer TV-Karte und einem speziellen Programm aus dem Internet, kann man den PC als Dechiffrierer einsetzen. Da der Schlüssel des Premiere-Dekoders nicht geknackt wurde, versucht der PC jetzt nach einem Zufallsverfahren die verwürfelten Zeilen wieder zusammen zusetzen. Das klappt mehr oder weniger gut, je nach Rechenleistung des PCs. Laut Aussage von Arnold Kulbatzki, Unternehmenssprecher bei Premiere, ist das strengstens verboten.

Kostenloser Internetzugang

Über Kabel- oder per Satellit werden ausgewählte Internetseiten zwischen den Bildern mitübertragen. Zur Zeit sind diese Datenpakete nur auf den beiden Sendern ZDF und DSF vorhanden. Andere Sender wollen folgen, aber es kann noch etwas dauern, bis es soweit ist.

Die Datenübertragung läuft fast doppelt so schnell, wie bei einem ISDN-Anschluß. Allerdings können nur diese ausgewählten Seiten im Internet angewählt werden. Dafür ist dieser Service aber auch kostenlos. Die Angebote beschäftigen sich natürlich viel mit dem entsprechenden Sender und bieten Zusatzinformationen zu den einzelnen Programmen bzw. Sportverantstaltungen.

Das Verfahren Daten und Filme gleichzeitig zu übertragen heißt (4) Intercast. Um diese Seiten auf dem Rechner ansehen zu können, braucht man ein spezielles Intercast-Programm, das aber den meisten TV-Karten beiliegt. Nach Start des Programms und Anwahl des entsprechenden Senders kann man dann in Ruhe und völlig Kostenfrei im Internet "surfen".

Videokarten

Fernseh- oder Videobilder besitzen eine ganz andere Norm als ein Computerbild. Der augenfälligste Unterschied besteht darin, daß ein Computerbild statisch ist und auf dem Fernseher im Prinzip nur bewegte Bilder dargestellt werden. Bei bewegten Bildern kann die (5) Bildwiederholfrequenz niedriger liegen, ohne daß das Bild flimmert. Deshalb reicht es aus, wenn ein Fernseher 50 Bilder pro Sekunde erzeugt. Auch Videokameras arbeiten mit dieser Bildwiederholrate. Da ein Computerbild aber mit mindestens 70 Bildern pro Sekunde dargestellt wird, muß das Videobild dem Computer angepaßt werden. Das übernimmt die Videokarte. Dabei gelangt das Bild über einen Videoeingang auf die Karte. Dort befindet sich ein spezieller Videobaustein, der das ankommende Signal digitalisiert und schließlich dem Computer zur Verfügung stellt. Dabei gibt es zwei Wege das Bild auf dem Monitor anzuzeigen. Das gewandelte und digitalisierte Signal wird direkt zur Grafikkarte über ein spezielles Kabel geschickt. Dabei muß man die Grafikkarte über einen sogenannten Feature-Connector mit der Videokarte verbinden. Dann arbeiten beiden Karten ohne Hilfe des eingebauten Prozessors zusammen. Früher war diese Art der Anbindung üblich, da der Bus für die Einstecckarten nicht schnell genug Daten transportieren konnte. Heute braucht man diesen Umweg nicht mehr zu wählen. Denn fast alle am Markt erhältlichen Videokarten arbeiten mit dem "BT848" oder dem "BT878" Video-Capture Chip des Herstellers Brooktree. Die über die Eingangsbuchsen der Karten gelieferten Videodaten, werden von diesen Chips über den PCI-Bus direkt in den Speicher der Grafikkarte eingeblendet. Der BT848/878 verwendet dabei das (6) PCI-Busmastering-Verfahren, um die Daten ohne Belastung des Prozessors über den PCI-Bus zu transportieren. Die Funktion des direkten Einblendens der Videodaten in den Grafikkartenspeicher nennt man Video-Overlay. Allerdings braucht der Käufer jetzt auch eine Grafikkarte, die das Busmastering unterstützt. Sonst kann die Videokarte nicht arbeiten.

Im allgemeinen kann gesagt werden, daß alle aktuellen Grafikkarten die Video-Overlay Funktion unterstützen. Nur bei älteren Modellen kann es zu Problemen kommen, wenn diese Funktion nicht vorhanden ist. Wenn es zu Darstellungsproblemen kommt, auch mit neueren Grafikkarten, sollte man dem Kunden empfehlen sich den aktuellsten Grafikkartentreiber zu besorgen. Dieser schafft oft Abhilfe. Wenn der neue Grafikkartentreiber noch keine Verbesserung bringt, sollte der Kunde DirectX erneut installieren. Danach müßten die Probleme in der Regel behoben sein.

Videoschnittkarten

Hierbei handelt es sich im Prinzip um eine verbesserte Videokarte. Einfache Videokarten haben meist nur einen FBAS-Videoeingang auch Composite-Eingang (für VHS und Video 8) genannt. Das Videosignal wird hier über ein einzelnes Kabel geleitet. Bessere Karten besitzen zusätzlich noch einen S-VHS-Eingang (Y/C). Hier sind die einzelnen Informationen getrennt. Deshalb liefern diese Karten eine bessere Bildqualität. Zusätzlich zum Videoeingang besitzen solche Karten auch einen oder zwei Toneingänge. Dann lassen sich in den fertig geschnitten Film auch Sound oder Sprache synchron dazu mischen. Ein Videoausgang zum Zurückspielen des geschnittenen Videos ist bei diesen Karten obligatorisch. Außerdem liegen diesen Produkten auch immer Softwarepakete zum Schneiden von Videos bei. Aber Vorsicht: Neben der Videokarte braucht der Käufer noch einen sehr schnellen PC und eine adäquate Hardwareausstattung. Dazu gehört zum Beispiel ein recht große Festplatte. Denn ein Gigabyte Speicherkapazität reichen nur für rund sieben Minuten Film. Außerdem sollte die Festplatte AV-tauglich sein. Solche Festplatten sind für die Speicherung von Videodaten besonders eingerichtet. Während eine normale Festplatte bei einem Fehler sofort aussteigt, ignorieren AV-Platten kleine Fehler. Schlimmstenfalls ist dann ein Bild futsch, aber der Datenstrom wird nicht unterbrochen. Und ein fehlendes Bild erzeugt später höchstens ein leichtes Flimmern, was kaum auffällt. (jh)

Der Digitalbaustein auf der Karte (Rechteck) sorgt für eine Umsetzung des Videosignals in die Computernorm.

Deutlich erkennbar ist der Antennenanschluß auf der Fernsehkarte (Kreis).

Mit einer zusätzlichen Videokamera lassen sich Bilder ins Internet

Übertragen (Videoconferencing).

Video- und TV-Karte mit Antenneneingang und Ein- und Ausgängen für VHS-Signale.

Mit einer Videoschnittkarte und der entsprechenden Software lassen sich Videos professionell bearbeiten.

Eine reine Videokarte erlaubt den Anschluß einer Videokamera an den Personal Computer.

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