In zweieinhalb Jahren zum IT-Sicherheitsexperten

Telekom qualifiziert Security-Profis

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin in München.
An Studiengängen und Zertifizierungen rund um IT-Security mangelt es nicht. Manche großen Unternehmen qualifizieren ihre Mitarbeiter gezielt weiter, wie das Beispiel der Deutschen Telekom zeigt.

Da der Deutschen Telekom IT-Sicherheitsprofis fehlten, entschied sich der größte deutsche Carrier, Mitarbeiter selbst weiterzuqualifizieren. Die Teilnehmer des entsprechenden Programms müssen berufs­begleitend 1093 Unterrichtsstunden absolvieren, davon 184 im Rahmen von Präsenzveranstaltungen an den Wochenenden. Den Großteil des Lernpensums eignen sie sich aber online über Studienbriefe und Tutorien an. Am Ende steht das IHK-Zertifikat "Cyber Security Professional". Die Teilnehmer bräuchten viel Elan und die Bereitschaft "querzudenken und zu experimentieren", sagt Lisa Lübke, Programm-Managerin Cyber Security Professional bei der Telekom.

Neue Karriereperspektiven durch Security-Zertifikat

Der Ansturm auf den Pilotkurs vor fünf Jahren sei gewaltig gewesen, so Lübke: "Wir hatten 300 Bewerbungen für zehn Plätze." Inzwischen beginnt jeden Herbst ein neuer Kurs, in diesem Jahr mit 18 Teilnehmern. Seit 2018 nehmen auch drei bis fünf Teilnehmer aus anderen Firmen oder Behörden teil. Die Inhalte haben sich im Lauf der Jahre ständig verändert. Cloud-Security ist heute ein wichtiges Thema, auch Fragen aus dem Arbeitsalltag diskutieren die Teilnehmer mit ihren Dozenten. Kurse zur Persönlichkeitsentwicklung und Führungsthemen wie "Argumentieren unter Stress" zählen ebenfalls zum Curriculum. "Mit dem Zertifikat ergeben sich neue Karriereperspektiven", so Lübke. Manche Absolventen entschieden sich nach der Qualifizierung für ein Bachelor- oder Master-Studium, Credit-Points aus der Zertifizierung würden im Studium angerechnet.

Einen Vorteil sieht Lübke in der Praxisnähe: Teilnehmer setzen sich demnach schon während ihrer Qualifizierung auch mit praktischen Sicherheitsfragen in einem Unternehmenszweig auseinander. Auf diese Weise könnten die Jungen von den Berufserfahrenen lernen, aber auch die Newbies mit ihrem theoretischen Wissen könnten neue Impulse setzen. "Die konkrete Anwendung des Gelernten ist sehr wichtig", sagt Lübke. Jedem Teilnehmer steht ein Fachcoach zur Seite; auch der Austausch mit den Kollegen im Lernteam helfe, sich weiterzuentwickeln.

Teilnehmer setzen sich demnach schon während ihrer Weiterbildung auch mit praktischen Sicherheitsfragen in einem Unternehmenszweig auseinander.
Teilnehmer setzen sich demnach schon während ihrer Weiterbildung auch mit praktischen Sicherheitsfragen in einem Unternehmenszweig auseinander.
Foto: Rawpixel.com - shutterstock.com

Manchmal wird ein Security-Experte abgeworben, doch die meisten bleiben im Konzern. Mit 1,7 Prozent ist die Abbrecherquote niedrig. 14 Prozent der Absolventen sind Frauen, das Durchschnittsalter liegt bei 25 Jahren. Gerade plant Lübke das Programm für 2020, die Teilnehmerzahlen will sie nicht beliebig erhöhen. "Es ist ein kostenintensives Programm. In den kleinen Lerngruppen funktioniert der Austausch unter den Teilnehmern sehr gut, alle lernen voneinander."

Open C³S: Weiterbildung in Cyber-Sicherheit

Die Telekom kooperiert in Sachen IT-Security-Weiterbildung mit Open Competence Center for Cyber Security (Open C³S). Dort haben sich Hochschulen zusammengeschlossen, die sich intensiv in Lehre und Forschung mit IT-Sicherheit beschäftigen. Der hochschultypen- und länderübergreifende Verbund geht auf eine Förderung des Bundesforschungsministeriums im Rahmen des Bund-Länder-Wettbewerbs "Aufstieg durch Bildung - Offene Hochschulen" (2011-2017) zurück. Unter dem Dach von Open C³S sind mehrere Weiterbildungsprogramme zur Cybersicherheit zusammengefasst.

Einige Beispiele

Universität Erlangen-Nürnberg:

In neun Semestern können Interessenten ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium für Informatik/IT-Sicherheit absolvieren. Verpflichtende Präsenzveranstaltungen gibt es in dem Fernstudium nicht, aber intensive Betreuung durch Tutorien und Dozenten. Die Studiengebühren betragen 22.410 Euro zuzüglich eines Semesterbeitrags von je 118 Euro. Bewerben können sich Interessierte bis zum 30. September, Studienbeginn ist zum Wintersemester möglich.

Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Ein Zertifikatsprogramm für eine wissenschaftliche Weiterbildung im Bereich Cyber-Sicherheit umfasst Themen wie IT-Sicherheit, Kryptografie, Forensik und Recht. Im interdisziplinären Master-Studiengang "IT-Governance, Risk and Compliance Management" stehen komplexe Management-Aufgaben an der Schnittstelle von Recht, Betriebswirtschaftslehre und IT im Zentrum. Im berufsbegleitenden "Masterstudiengang Digitale Forensik" sollen Absolventen in der Lage sein, cyberkriminelle Sicherheitsvorfälle kriminaltechnisch aufzubereiten und forensische Untersuchungen vorzunehmen.