Viertes Mobilfunknetz

Telekom, Vodafone & O2 bekommen Konkurrenz

Hans-Christian Dirscherl ist Redakteur der PC-Welt.
In Deutschland entsteht ein viertes Mobilfunknetz als Konkurrenz zu den bestehenden Netzen von Telekom, Vodafone und O2. Verbraucherschützer und Bundesnetzagentur erwarten Vorteile für Kunden. Neuigkeiten gibt es auch für den Glasfaserausbau.

Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 bekommen Konkurrenz durch ein viertes Mobilfunknetz von 1&1 Drillisch. Der Herausforderer stützt sich dabei ganz entscheidend auf das bereits vorhandene Mobilfunknetz eines der drei Platzhirsche.

Telekom, Vodafone & O2 bekommen Konkurrenz: Viertes Mobilfunknetz
Telekom, Vodafone & O2 bekommen Konkurrenz: Viertes Mobilfunknetz
Foto: Telefónica/O2

1&1 Drillisch (das zu United Internet gehört) hatte im Jahr 2019 bei der Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen zwar einige Frequenzbänder für das neue 5G-Mobilfunknetz ersteigert (konkret: Nutzungsrechte bei 2 GHz und 3,6 GHz). Doch damit allein kann 1&1 Drillisch seinen Kunden kein bundesweit sinnvoll nutzbares Mobilfunknetz anbieten. Denn 1&1 besaß zum Zeitpunkt der Ersteigerung der 5G-Lizenzen keine eigene Mobilfunkinfrastruktur, sondern nutzte die Infrastruktur von Telefónica für sein Mobilfunkangebot (National Roaming).

Um bundesweit ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen zu können, hat 1&1 Drillisch jetzt seine Zusammenarbeit mit Telefónica/O2 ausgebaut. Beide Unternehmen unterzeichneten ein National Roaming Agreement (NRA). 1&1 Drillisch kann damit überall dort, wo 1&1 Drillisch kein eigenes Mobilfunknetz betreibt, das Mobilfunknetz von Telefónica/O2 wie ein eigenes Mobilfunknetz verwenden, wie die Bundesnetzagentur erklärt. Der Vertrag gilt rückwirkend ab Juli 2020 für zunächst fünf Jahre und kann zweimal verlängert werden. Die vertraglichen Details des NRA sollen bis Mitte Mai 2021 finalisiert werden.

"Nach Abschluss einer definierten Übergangszeit zur Migration der Bestandskunden auf das eigene Netz ist 1&1 Drillisch für 5G auf das eigene 5G Netz angewiesen. Bis zum Abschluss der Bestandskundenmigration von 1&1 Drillisch laufen die National Roaming- und MBA MVNO-Dienste parallel. Für beide Dienste gelten die im NRA festgelegten kommerziellen Bedingungen", erklärt Telefónica/O2. Telefónica fügt hinzu: "National-Roaming-Dienste umfassen die verfügbare 2G/3G/4G-Netzabdeckung, während MBA MVNO-Dienste unverändert die verfügbare 2G/3G/4G/5G-Netzabdeckung von Telefónica Deutschland beinhalten."

Ganz freiwillig ist die Zusammenarbeit nicht, sowohl die Bundesnetzagentur als auch die EU-Kommission hatten Druckauf die etablierten Mobilfunkbetreiber ausgeübt, damit diese mit 1&1 Drillisch über National Roaming verhandeln.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBZ) rechnet laut einem Bericht der Tagesschau mit mehr Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Das könnte wiederum zu sinkenden Mobilfunkpreisen beziehungsweise besseren Mobilfunkangeboten führen. Diese Hoffnung äußert auch die Bundesnetzagentur und erklärt, dies sei eine "gute Nachricht für die Mobilfunkkunden". Und weiter: "Jetzt ist es an 1&1 Drillisch, den Netzaufbau zu beginnen und die erworbenen Frequenzen effizient einzusetzen." Die Bundesnetzagentur stellt klar: "Mit dem Vorliegen einer Roaming-Vereinbarung ist die wesentliche Forderung der 1&1 Drillisch erfüllt. Die Bundesnetzagentur erwartet, dass 1&1 Drillisch schnellstmöglich mit dem Netzaufbau beginnt und die Frequenzen einer effizienten Nutzung zuführt."

Glasfasernetzausbau

So wie 1&1 Drillisch beim Mobilfunknetz vor allem mit Telefónica/O2 zusammenarbeitet, so kooperiert wiederum 1&1 Versatel (das ebenfalls zu United Internet gehört) mit der Deutschen Telekom bei Festnetzzugängen. Diese Kooperation bei der Nutzung von direkten Glasfasernetzanschlüssen (FTTH) und VDSL wurde nun um zehn Jahre verlängert, wie die Bundesnetzagentur mitteilt. Dadurch sollen Deutsche Telekom und vor allem 1&1 Versatel Planungssicherheit für den Ausbau des Glasfasernetzes bekommen. Die Vorteile dieser Zusammenarbeit beschreibt die Bundesnetzagentur folgendermaßen: „Die Zusammenarbeit ermöglicht der Telekom, ihre Netze auszulasten und den Glasfaserausbau voranzutreiben. 1&1 Versatel profitiert, indem sie ihren Kunden ein schnelles Netz anbieten kann.“ (PC-Welt)