Neue Umsatzpotenziale für Provider durch IoT

TK-Dienstleister müssen sich Anteil am Digital-Markt sichern

22.02.2018
Von Martin Klapdor
TK-Dienstleister und Service Provider stehen vor der Herausforderung, sich ihren Anteil am IoT-Markt zu sichern und nicht als reine Lieferanten von Konnektivität abgestempelt zu werden.

Knapp 17 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2022 erwarten der Verband der Internetwirtschaft eco und Marktforscher Arthur D. Little laut einer aktuellen Studie für den deutschen Industrial-IoT-Markt (IIoT). Das entspricht einer Verdoppelung des Marktes innerhalb von fünf Jahren. Und bis 2020 sollen zwischen 20 bis 40 Milliarden IoT-Geräte miteinander verbunden sein.

Service Provider werden mit zunehmender Vernetzung ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln müssen, um IoT-Daten für sich nutzbar und vor allem "smart" zu machen.
Service Provider werden mit zunehmender Vernetzung ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln müssen, um IoT-Daten für sich nutzbar und vor allem "smart" zu machen.
Foto: sdecoret - shutterstock.com

Sowohl im IIoT als auch im IoT werden dabei vernetzte Endgeräte, Sensoren und Maschinen zu einer beispiellosen Menge an Daten führen. Service Provider werden daher mit zunehmender Vernetzung ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln müssen, um diese Daten für sich nutzbar und vor allem "smart" zu machen. Auf dem Ende Februar stattfindenden, alljährlichen Branchentreffen in Barcelona, dem Mobile World Congress, wird das Thema Vernetzung und 5G wieder zentrales Diskussionsthema sein. Denn das Netz der fünften Generation wird als wesentliche Voraussetzung dafür gesehen, dass IoT und IIoT überhaupt im breiten Markt adaptiert werden können.

Intelligenter Daten-Provider statt Konnektivitäts-Lieferant

Provider können sich vor allem über die Bereitstellung "intelligenter" Daten neue Einnahmequellen erschließen, die im Rahmen von IoT-Transaktionen anfallen, wie etwa bei Smart Metering oder Geolokalisierung. Mit "intelligenten" Daten sind Meta-Daten gemeint, die aus dem Netz-Traffic in Echtzeit generiert werden und zusätzlich Informationen zur aktuellen User Experience enthalten.

Provider können etwa Informationen von vernetzten Geräten wie Sicherheitskameras, Straßenbeleuchtung und Verkehrsampeln aufbereiten und Smart-City-Konzepten bereitstellen, damit diese den Straßenverkehr optimieren oder Autonomes Parken unterstützen können. So stellt etwa die Telekom ein IoT-Service-Portal bereit, über das Kunden lokale IoT- und M2M-Geräte global integrieren und steuern können. Dadurch wird es ihnen möglich, den Betrieb zu überwachen und Verbrauchsdaten in Echtzeit auszulesen.

Neue Einnahmequellen über Service Level Agreements

Doch vor allem im Rahmen von Service Level Agreements können Provider neue Vergütungsmodelle erschließen. Denn IoT-Geräte und -Dienste variieren stark in ihrem Bedarf an Bandbreite und Verfügbarkeit. Etwa, wenn es um telemedizinische IoT-Dienste oder vernetzte Autos geht, für die extrem niedrige Latenzzeiten kritisch sind. Andere IoT-Geräte wiederum benötigen nur eine geringe Bandbreite wie Smart Meter. Dienste wie Entertainment-Lösungen im vernetzen Fahrzeug benötigen hingegen eine hohe Bandbreite, haben aber nur geringe Anforderungen an die Ausfallsicherheit. Darüber hinaus erzeugen IoT-Systeme einen sehr unregelmäßigen Traffic, der sich durch kurze, heftige Lastenspitzen auszeichnet.

Durch die zunehmende Vernetzung werden Anwendungen und Teilsysteme zudem stärker voneinander abhängig und mögliche Fehlfunktionen ziehen weitere Kreise. Dadurch werden Ausfälle und Störungen nicht nur potenziell teurer, sie lassen sich von Unternehmen auch schwieriger lokalisieren. Über entsprechende Service-Level-Agreement-Modelle können sich Provider gerade bei ausfallkritischen IoT-Anwendungen wie Robotik, Telemedizin, Kraftwerkssensoren und autonomes Fahren positionieren.

Sicherheit, Komplexität und steigende Datenmengen sind größte Herausforderung

Gerade Hersteller sind oft darauf bedacht, IoT-Geräte zügig und kostengünstig auf den Markt zu bringen, ohne auf die Komponenten Verfügbarkeit und Sicherheit zu achten wie die "erfolgreichen" Botnetze Mira und IoT Reaper gezeigt haben. Laut einer Umfrage von Spiceworks im Jahr 2016 haben gerade mal ein Viertel der Unternehmen in der EMEA-Region Maßnahmen ergriffen, die Bedrohung durch IoT-Geräte abzuwehren.

Eine proaktive Überwachung des Netz-Traffics kann unterstützen, auffällige Traffic-Muster und damit mögliche Sicherheitsrisiken und Angriffe zu identifizieren. Doch Unternehmen können das Spannungsdreieck aus stetig steigenden Datenmengen, einer immer höheren Komplexität der Vernetzung und möglichen Sicherheitsrisiken meist nicht mehr alleine bewältigen. Service Provider sind jedoch dazu prädestiniert, Netz-Traffic auf derartige Anomalien und Risiken zu überwachen und Unternehmen dies als entsprechenden Service anzubieten. (mb)

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