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Proservia zur Zukunft der IT-Services

„Über neue Kooperationen und engere Zusammenarbeit nachdenken“

Lenz Nölkel ist Communication Manager und Editor In Chief bei der evernine Group.
Außerhalb der Ballungsräume ist das Services-Geschäft schwierig. Aber mit Kooperationen unter Dienstleistern sind diese Probleme zu bewältigen, urteilt Tobias Rudolph, Managing Director bei der Proservia Field Services. So könnten Risiken minimiert und der Fachkräftemangel bekämpft werden.

Services-Dienstleister stehen im Zeitalter der Digitalisierung und Industrie 4.0 vor großen Herausforderungen. Tobias Rudolph, Managing Director bei der Proservia Field Services GmbH, setzt deshalb auf Kooperationen mit anderen Dienstleistern. So könnten alle Seiten durch Bündelung der Kompetenzen Kundenbedarfe besser abdecken und es könnte mehr Geschäft entstehen.

channelpartner.de: Herr Rudolph, Sie sind Geschäftsführer der Proservia Field Services (kurz Proservia FS), der kundennah und lokal agierenden IT Services Tochter Proservia Deutschland der ManpowerGroup. Wie relevant sind Field Services in der heutigen Zeit. Und wie fügen sie sich ins Gesamtkonzept des Managed IT-Service Providers Proservia ein?

Tobias Rudolph, Managing Director bei der Proservia Field Services GmbH: "Industrie 4.0, Digitalisierung und weitere sich ständig schneller entwickelnden Technologien in allen Branchen erfordern neue Wege in den Bereichen IT-Services."
Tobias Rudolph, Managing Director bei der Proservia Field Services GmbH: "Industrie 4.0, Digitalisierung und weitere sich ständig schneller entwickelnden Technologien in allen Branchen erfordern neue Wege in den Bereichen IT-Services."
Foto: Proservia

Tobias Rudolph, Managing Director bei Proservia Field Services: Um diese Frage zu beantworten, muss das Gesamtumfeld beleuchtet werden. Zunächst einmal würde ich gerne das Größenverhältnis unserer Firmen Proservia und der Proservia Field Services etwas ins rechte Licht rücken. Es stimmt schon, mit über 7.000 Mitarbeitern in Europa und mit den Konzerngeschwistern wie Experis an unserer Seite haben wir sicherlich eine sehr beachtliche Größe im internationalen Markt.

Durch unsere relativ junge Geschichte in Deutschland (Carve-out 2016 aus der ehemaligen HPE Enterprise Services, heute DXC Technology) sind wir hingegen auf dem lokalen Markt noch etwas zu wenig bekannt. Jedoch sollte man wissen, dass wir bereits bei nahezu allen großen DAX-Unternehmen aus vielen relevanten Branchen für unsere Kunden im Einsatz sind.

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Aber zurück zu Ihrer Frage. Unter Field Services verstehen wir grob gesagt alle relevanten IT-Aufgaben, welche einen Einsatz vor Ort beim Kunden erforderlich machen. In der Regel geht es hier im Anwender-nahen Service-Geschäft um Themen wie End User-, Break & Fix- oder Lifecycle-Services. Oder anders ausgedrückt, Vor-Ort-Service wird für Incidents und Service-Anfragen von Hard- und Software, die bei unseren Kunden sowohl im Büro als auch Rechenzentrumsumfeld eingesetzt wird.

Darüber hinaus bieten wir auch Beratung im Umfeld der Field Services an und übernehmen spezifische (lokale) Aufgaben. beispielsweise Software-Betreuung.

channelpartner.de: Welchen Stellenwert hat die Proservia Field Services innerhalb der Proservia Deutschland?

Tobias Rudolph, Proservia Field Services: Wir sind eingebettet in unsere Muttergesellschaft und damit in der Lage, gemeinsame Ressourcen zu nutzen und so unsere Kräfte auf die jeweilige Kernkompetenz zu richten. Wir nutzen zum Beispiel gemeinsam die gleichen Vertriebs- und Account-Teams und vermeiden damit sowohl mögliche Interessenkonflikte als auch Reibungsverluste beim Austausch von Informationen. Ebenso arbeiten wir in der gleichen Infrastruktur und vermeiden somit unnötige Kosten. Diese kommerziellen Vorteile geben wir gerne an unsere Kunden weiter.

Unser breites Portfolio ermöglicht es uns, dem Kunden Services aus einer Hand anzubieten, die er auf den ersten Blick eventuell gar nicht in Betracht gezogen hätte. Hier kann man dann im Verbund mit der ManpowerGroup, als einem der weltgrößten Anbieter von Lösungen rund um Personalbeschaffung und -transformation, noch in ganz anderen Kategorien denken, die nicht unbedingt IT-spezifisch sein müssen. Dies macht uns insbesondere für den sehr starken produzierenden deutschen Mittelstand als Partner interessant.

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channelpartner.de: Wo sehen Sie die Herausforderungen für IT-Dienstleister auf dem aktuellen Markt in Deutschland?

Tobias Rudolph: Das ist natürlich eine sehr vielschichtige Problemstellung, deren komplette Beantwortung diesen Rahmen sprengt. Ich möchte mich bei meiner Antwort eher auf den Teil konzentrieren, der die On-Site- Leistungen bei den Kunden betrifft.

Der technologische Wandel in Zeiten der Digitalisierung sorgt dafür, dass wir umfassend qualifizierte Mitarbeiter bei den Kunden zum Einsatz bringen müssen. Die IT-Systeme laufen in der Regel stabiler als früher und die Möglichkeiten einer Remote-Hilfe sind deutlich besser oder sogar Standard geworden.

Dies hat im Umkehrschluss zur Folge, dass sich viele On-Site Anbieter mit einer Auslastungsproblematik konfrontiert sehen, gerade außerhalb der wirtschaftlichen Ballungsräume. Gleichzeitig sind sie in einem extrem kostenintensiven und preisaggressiven Umfeld unterwegs. Zudem ist es angesichts der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt sehr schwer, überhaupt Fachkräfte zu finden.

Was also tun? Ich persönlich bin davon überzeugt, dass eine Lösung im Sinne der Kunden nur gefunden werden kann, wenn die Dienstleister über neue Kooperationen und engere Zusammenarbeit nachdenken.

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channelpartner.de: Wo liegt aus Ihrer Sicht der Vorteil einer solchen Kooperation unter IT-Dienstleistern und wie könnte diese aussehen in Zeiten der Digitalisierung?

Rudolph: Ich denke, die möglichen Vorteile liegen eigentlich auf der Hand. Warum nicht in einer "schwachen" Region Aufgaben zusammenlegen, Kräfte und Kunden bündeln?

Man kennt viele Kollegen in der Branche, teilweise ja auch aus gemeinsamen Zeiten bei anderen Unternehmen, in denen gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet wurde. Ebenso bekannt sind die jeweiligen Gehälter in Unternehmen und Regionen und nicht zuletzt aus vielen Wettbewerbssituationen auch die Preise.

Vertraglich kann man auch Lösungen finden, um die Risiken rund um Auslastung, Service Level Agreements (SLA) und ähnliches einzugrenzen, wenn das gegenseitige Vertrauen noch nicht so ausgeprägt ist, oder auch wirtschaftliche Randbedingungen in den Verträgen dies notwendig machen.

Warum sollte man sich nicht bei den Kunden A und B gegenseitig unterstützen und beim Kunden C dennoch als potentieller Wettbewerb in die Ausschreibung gehen? Ich sehe hier keinen Widerspruch. Es setzt natürlich eine entsprechende Verbindlichkeit und Offenheit der Partner im Umgang miteinander voraus.

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channelpartner.de: Was sind Ihre Ziele in nächster Zeit?

Rudolph: Wir alle sind ja nicht zum reinen Vergnügen hier. Für unsere Kunden und natürlich auch für uns geht immer ums Geschäft. Natürlich möchte auch ich Wachstum erreichen und Profite erzielen, idealerweise ohne in allzu große Risiken eintreten zu müssen. Und gerade da sehe ich auch das Potential für ein kooperativeres Zusammenarbeitsmodell, besonders unter den heutigen Bedingungen des Fachkräftemangels in der IT.

channelpartner.de: Was wollen Sie damit Entscheidern bei IT-Dienstleistern mit auf den Weg geben?

Rudolph: Es würde mich freuen, wenn ich mit diesem kleinen Denkanstoß den einen oder anderen dazu gebracht hätte, über neue Wege im Bereich der Zusammenarbeit mit einem "vermeintlichen" Wettbewerber wenigstens nachzudenken. Industrie 4.0, Digitalisierung und weitere sich ständig schneller entwickelnden Technologien in allen Branchen erfordern neue Wege in den Bereichen IT-Services.