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Milliardendeal auf Telekommarkt

United Internet schluckt Drillisch

14.05.2017
Jetzt also doch: Der Internet- und Telekomkonzern United Internet (1&1, GMX, Web.de) greift sich das Mobilfunkunternehmen Drillisch.
Ralph Dommermuth, Gründer und Chef von United Internet
Ralph Dommermuth, Gründer und Chef von United Internet
Foto: United Interet

United Internet (1&1, GMX, Web.de) will mit dem Milliarden-Deal eine starke vierte Kraft im deutschen Markt neben den Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland schmieden. Nach Ankündigung des Deals am Freitag kletterten die Aktienkurse der beiden Unternehmen an der Börse kräftig: Bis zum Freitagmittag waren die Konzerne gute 1,4 Milliarden Euro mehr wert als noch am Vorabend.

Ralph Dommermuth, Gründer und Chef von United Internet, bringt das Geschäft mit Telekom-Privatkunden über die 1&1 Telecommunication mittels zwei Kapitalerhöhungen in die Drillisch AG ein. 1&1 werde dabei mit 5,85 Milliarden Euro bewertet. So kommt das TecDax-Schwergewicht schon einmal an eine Mehrheit von knapp 73 Prozent an dem bisherigen Rivalen, gut 20 Prozent hält United Internet bereits. Für die Drillisch-Aktionäre soll es zudem ein Übernahme-Angebot geben, bei dem United Internet 50 Euro je Aktie in Aussicht stellt. Das Gebot für die übrigen Aktien liegt damit bei rund 2,2 Milliarden Euro. Allerdings müssen die Kartellwächter dem Deal zustimmen. Der Abschluss der Transaktion wird bis Ende des Jahres erwartet.

Börsenwert von United Internet schnellt auf fast 10 Milliarden

An der Börse sorgte das Vorhaben für prächtige Laune. "Endlich wagt United Internet bei Drillisch den großen Schritt", kommentierte ein Händler. Darüber war seit Jahren auch in der Branche spekuliert worden. Drillisch-Aktien stiegen auf ein Rekordhoch, zuletzt lagen sie knapp elf Prozent im Plus bei fast 54 Euro. Papiere von United Internet gewannen mehr als 13 Prozent, der Börsenwert stieg damit auf gut 9,9 Milliarden Euro. Dommermuth selbst hält 40 Prozent der Anteile.

Auch die Konkurrenz konnte profitieren: Die Papiere der Deutchen Telekom lagen mit einem Plus von mehr als drei Prozent an der Dax-Spitze und die Anteilsscheine von Telefonica Deutschland stiegen um mehr als 7 Prozent. Ein Händler sagte, die Münchener könnten die wahren Nutznießer des Deals werden, weil sich United Internet und Drillisch im unteren Preissegment bisher einen starken Wettbewerb mit Druck auf die Preise geliefert haben. Davon war Telefonica mit seinen günstigeren Marken wie Blau ebenfalls betroffen. Barclays-Analyst Maurice Patrick rechnet nun mit weniger Wettbewerb im Billigsegment auf dem deutschen Markt.

Drillisch mit exklusivem Zugang zu Telefonica-Netz

"1&1 verfügt über eine starke Marke, einen riesigen Kundenstamm und enorme Vertriebskraft. Drillisch ist ein schnell wachsender Mobilfunkanbieter mit einem attraktiven Produktportfolio", sagte Dommermuth, der auch an der Spitze des zusammengeschlossenen Telekomanbieters stehen will. Der Mitgründer und größte Aktionär von United Internet hatte Übernahmeabsichten in den vergangenen Jahren immer wieder kleinzureden versucht.

Doch Drillisch ist vor allem deswegen attraktiv, weil das Unternehmen mit Telefonica Deutschland ein Geschäft zur Netzmiete eingegangen ist. Drillisch kann demnach schrittweise bis zu 20 Prozent der Netzkapazitäten des Münchener O2-Betreibers nutzen - und hat eine Option auf weitere 10 Prozent. Die Netzmiete war eine Voraussetzung der Aufseher für die milliardenschwere E-Plus-Übernahme durch Telefonica 2014.

Die Münchener hätten dem geplanten Zusammenschluss zugestimmt, sagte Drillisch-Chef Vlasios Choulidis in einer Telefonkonferenz. "Unser Vertrag mit Telefonica zahlt sich immer mehr aus. Er garantiert uns für die nächsten Jahre vollen Zugriff auf die Netztechnologien der neuesten Generation, und das zu sehr guten Konditionen", sagte er. Telefonica Deutschland wolle mit den beiden langjährigen Partnern weiter gut zusammenarbeiten, sagte ein Sprecher.

12 Millionen Vertragskunden - Einsparungen geplant

Gemeinsam haben United Internet und Drillisch mehr als 12 Millionen Kundenverträge und machten vergangenes Jahr einen Umsatz von über 3,2 Milliarden Euro. Drillisch ist mit seinen Marken Smartmobil sowie Yourfone bekannt und soll an der Börse notiert bleiben, eine Komplettübernahme hat Dommermuth nach eigenen Worten nicht im Sinn. Er strebe auch keinen Gewinnabführungsvertrag an, sondern wolle künftig über die Drillisch-Dividende mitverdienen.

Mit dem Zusammenschluss von United Internet und Drillisch will Dommermuth auch Kosten im Einkauf bei den Netzbetreibern senken. Die Einsparungen durch die Übernahme sollen 2020 bei rund jährlich 150 Millionen liegen und bis 2025 dann auf rund 250 Millionen Euro ansteigen. Jobs sollen nicht wegfallen - die Unternehmen suchten eher neue Mitarbeiter, sagte Choulidis. Mit der geplanten Übernahme wird die Konkurrenz für Hauptkonkurrent Freenet größer, das ebenfalls ohne eigenes Netz Vorleistungen von Netzbetreibern einkauft und daraus dann eigenen Tarife strickt. Freenet zählte zuletzt 9,6 Millionen eigene Mobilfunkkunden.

Beteiligungsgeflecht von United Internet

United Internet ist eines der wenigen übriggebliebenen deutschen Unternehmen aus der Zeit des Internetbooms an den Börsen rund um die Jahrtausendwende. Dommermuth gilt als begnadeter Verkäufer, aber auch als strategischer Kopf. In jüngster Zeit fädelte er einige für sein Unternehmen wegweisende Deals ein. Zum einen ist United Internet europäischer Marktführer im sogenannten Webhosting, dem Speichern von Webseiten und Daten auf Servern im Internet.

Erst jüngst kaufte Dommermuth der Telekom deren Anbieter Strato ab. Daneben ist United Internet mit 8 Prozent am Start-up-Brutkasten Rocket Internet beteiligt und ist mit einem Viertel Großaktionär am Kabelnetzbetreiber Tele Columbus. United Internet steckt auch hinter dem Glasfasernetzanbieter Versatel. Die Sparte mit Internetanwendungen für Geschäftskunden will Dommermuth auf mittlere Sicht an die Börse bringen. Dazu hat er sich den Finanzinvestor Warburg Pincus an Bord geholt, bei dem Ex-Telekom-Chef Rene Obermann die Fäden zieht. (dpa/rs)