Anwender setzen sich durch

Verlängerter SAP-Support lässt auch Dienstleister aufatmen

Peter Marwan lotet kontinuierlich aus, welche Chancen neue Technologien in den Bereichen IT-Security, Cloud, Netzwerk und Rechenzentren dem ITK-Channel bieten. Themen rund um Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen bei der Nutzung der neuen Angebote durch Reseller oder Kunden greift er ebenfalls gerne auf. Da durch die Entwicklung der vergangenen Jahre lukrative Nischen für europäische Anbieter entstanden sind, die im IT-Channel noch wenig bekannt sind, gilt ihnen ein besonderes Augenmerk.
SAP wird die Business Suite bis Ende 2027 mit Support versorgen. Das hilft Anwendern, die mit dem Umstieg auf S/4HANA noch nicht so weit sind. Es verschafft aber auch den SAP-Partnern und -Beratern etwas Luft.

SAP wird für S/4HANA bis Ende 2040 Wartung anbieten und die Wartung für Kernanwendungen der Business Suite 7 bis Ende 2030 aufrechterhalten. Zu den Kernanwendungen der Business Suite 7 gehören ERP 6.0, Customer Relationship Management 7.0, Supply Chain Management 7.0 und Supplier Relationship Management 7.0 sowie die Business Suite powered by SAP HANA. Das Unternehmen geht damit auf die durch die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) formulierten Wünsche der Anwender ein. Bisher hatte SAP den eigenen Kunden die Wartung der Business Suite 7 nur bis Ende 2025 garantiert.

"Da unsere Kunden außerdem Wahlmöglichkeiten verlangen, wird SAP zusätzliche Flexibilität gewährleisten, damit die Chancen von SAP S/4HANA voll ausgeschöpft und das individuelle Tempo und die Komplexität der Kundenprojekte berücksichtigt werden können", sagt Christian Klein, Co-CEO von SAP, gegenüber der COMPUTERWOCHE.
"Da unsere Kunden außerdem Wahlmöglichkeiten verlangen, wird SAP zusätzliche Flexibilität gewährleisten, damit die Chancen von SAP S/4HANA voll ausgeschöpft und das individuelle Tempo und die Komplexität der Kundenprojekte berücksichtigt werden können", sagt Christian Klein, Co-CEO von SAP, gegenüber der COMPUTERWOCHE.
Foto: SAP SE

"SAP hat die Anforderungen der Kunden hinsichtlich einer nachhaltigen, umfänglichen Maintenance-Strategie umgesetzt und eine starke Basis für die Zukunft geschaffen", begrüßt Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support, die neue Entwicklung bei SAP.

Die gewonnene Zeit für die Vorbereitung auf S/4HANA nutzen

Die gewonnene Zeit muss laut Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support umgehend genutzt werden: "Die Wartungszusagen für S/4HANA bis mindestens 2040 sowie für die Business Suite 7 bis Ende 2030 sind kein Freibrief, weiter zu warten. Im Gegenteil, sie müssen der Startschuss sein, dass die Unternehmen ihre letzte Zurückhaltung ablegen und mit der digitalen Transformation beginnen."

"Die Wartungszusagen für S/4HANA bis mindestens 2040 sowie für die Business Suite 7 bis Ende 2030 sind kein Freibrief, weiter zu warten", mahnt Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support.
"Die Wartungszusagen für S/4HANA bis mindestens 2040 sowie für die Business Suite 7 bis Ende 2030 sind kein Freibrief, weiter zu warten", mahnt Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support.
Foto: DSAG

Obwohl die Termine für das Auslaufen der Wartung seit langem bekannt sind, zögerten viele Unternehmen, die Migration einzuleiten. Manche scheuten vor dem mit dem Schritt auf SAP HANA erforderlichen Wechsel der Datenbank zurück, andere konnten für sich keinen Business-Mehrwert in einem Wechsel auf ein anderes ERP-System zu ausmachen.

Mehr zum Thema: Der SAP-Channel in Zahlen

Im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE, versichert Christian Klein, Co-CEO von SAP, dass ein Unternehmen keinen Kunden zurücklassen wolle. "Da unsere Kunden außerdem Wahlmöglichkeiten verlangen, wird SAP zusätzliche Flexibilität gewährleisten, damit die Chancen von SAP S/4HANA voll ausgeschöpft und das individuelle Tempo und die Komplexität der Kundenprojekte berücksichtigt werden können", so der Manager gegenüber der ChannelPartner-Schwesterpublikation.

Support-Verlängerung vermeidet auch Projektstau

Bei einem Support-Ende 2025 hätte in den nächsten Jahren ein Projektstau gedroht. Viele Unternehmen schließen derzeit Pilotierung und Planung rund um S/4HANA ab und denken darüber nach, wie sie die Migration angehen. Da allmählich die Zeit drängt war absehbar, dass Beratungs- und Dienstleistungs-Ressourcen knapp werden. Mit der Support-Verlängerung ist SAP-Chef Klein zuversichtlich, was die Beratungskapazitäten im SAP-Markt betrifft. Er gehe davon aus, dass die zugegebenermaßen knappen Ressourcen in der nächsten Zeit beispielsweise bei den Beratungsunternehmen und den SAP-Partnern deutlich aufgestockt würden, so Klein gegenüber COMPUTERWOCHE.

Marken-Quiz: Warum heißt SAP eigentlich SAP?

Auch Manfred Großmann, Director S/4HANA & Cloud Solutions CoE bei Syntax, hält es für "eine gute Entscheidung von SAP, den Kunden mehr Zeit für den Übergang hin zu S/4HANA zu geben." Das 1972 im kanadischen Montreal gegründete Unternehmen ist seit der Eingliederung der ehemaligen Freudenberg IT (FIT) im März 2019 auch in Deutschland aktiv.

Manfred Großmann, Director S/4HANA & Cloud Solutions CoE bei Syntax, bestätigt, dass die Beraterkapazitäten gefehlt hätten, um den Bedarf aller Unternehmen bei einer SAP-Migration bis 2025 zu decken.
Manfred Großmann, Director S/4HANA & Cloud Solutions CoE bei Syntax, bestätigt, dass die Beraterkapazitäten gefehlt hätten, um den Bedarf aller Unternehmen bei einer SAP-Migration bis 2025 zu decken.
Foto: Syntax

"Wir haben in vielen Gesprächen mit Kunden während der letzten Monate erlebt, dass der bisherige Zeitdruck viele Unternehmen überfordert hat. S/4HANA ist zumeist nicht einfach eine technische Migration, sondern eine Transformation, die Einfluss auf Geschäftsprozesse und Business-Modelle entlang der gesamten Wertschöpfungskette hat", so Großmann weiter. Das berge "riesiges Potential" für Unternehmen, sie brauchten aber auch ausreichend Zeit, um diese Transformation "geordnet vorzubereiten und zukunftssicher zu bewerkstelligen".

Auch Großmann bestätigt, dass es derzeit nicht ausreichend Beraterkapazitäten gibt, um den Bedarf bis 2025 zu decken. Das wirkt sich nicht nur auf die Preise aus, sondern berge auch die Gefahr, "dass Lösungen mit zu heißer Nadel gestrickt oder mit Personal umgesetzt werden, das nicht die erforderliche Expertise mitbringt".