Hypervisoren im Vergleich

Virtualisierung – ist KVM das bessere Xen?

17.11.2010
Von Andrej Radonic

Fazit

KVM ist durch seine Ansiedlung im Kernel schlank und schnell und erbt direkt alle Fähigkeiten des Linux -Betriebssystems. Auch wenn KVM im direkten Feature-Vergleich mit Xen und anderen Open-Source-Hypervisoren für die Virtualisierung wie VMware ESXi momentan nicht in allen Punkten gleichziehen kann, so scheint dies bei der Geschwindigkeit der Entwicklung nur eine Frage der Zeit. Vorausgesetzt, man findet seinen eigenen Mix aus Host-Linux, KVM-Version und Management-Tools, kann man den Hypervisor bereits heute erfolgreich betreiben.

Weder Xen noch VMware weisen dabei so gewichtige Vorteile auf, dass diese nicht in kurzer Zeit von KVM wieder aufgewogen werden könnten. Die Tatsache, dass es nur auf neueren Chips mit eingebautem Virtualisierungs-Support läuft, dürfte heutzutage zu vernachlässigen sein. Schon eher dürfte - vor allem aus Sicht des Produktivbetriebs - der teilweise noch experimentelle Charakter und das Fehlen eines verlässlichen Release-Modells problematisch sein.

Viele heutige Virtualisierungsumgebungen laufen auf Xen und haben derzeit vermutlich keinen zwingenden Grund, auf KVM zu migrieren (es sei denn es handelt sich um zahlende RHEL-Anwender). Solche, die neu in Server-Virtualisierung einsteigen, sollten auch KVM als Alternative evaluieren. Potenzielle Umsteiger werden dabei derzeit eher noch abwarten, bis "runde" Gesamtlösungen aus abgespecktem Host-System mit KVM sowie integriertem Management erscheinen, welche explizit Enterprise-Bedürfnisse adressieren.

Wie es mit Xen weitergeht, wird unter anderem von den im Xen-Team verbliebenen großen Softwareherstellern wie Citrix und Oracle abhängen. Xen wird schwerlich in nächster Zukunft in der Bedeutungslosigkeit untergehen, jedoch sollten Unternehmen bei strategischen Virtualisierungs-Entscheidungen die weitere Entwicklung genau beobachten. (cw/wh)

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