Vobis AG bestätigt Verluste in zweistelliger Millionenhöhe

03.06.1998

WÜRSELEN: Die Vobis-Gruppe meldet für 1997 einen Umsatz von 4,6 Milliarden Mark und erwartet einen Profit von 37 Millionen Mark. Damit liegt der Gewinn zum einen um rund 20 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zum anderen muß Vobis-Chef Dr. Gert Hügler einräumen, daß er in seinem Stammgeschäft mit einem Verlust in Höhe von 17,5 Millionen Mark abschließt.Ein Unternehmenskenner vermutete bereits vor Wochen: "Vobis muß im letzten Geschäftsjahr lang und schmutzig rote Zahlen geschrieben haben." Da gab es noch keine offiziellen Geschäftsergebnisse. Daß er goldrichtig lag mit seiner Vermutung, beweist jetzt die Bilanz von Maxdata (siehe auch ComputerPartner Nr. 2/98, Seite 8).

Die Rechnung ist einfach: 1996 fuhr die Vobis-Gruppe einen Umsatz von 3,3 Milliarden Mark ein, der Gewinn lag nach Angaben von Vobis-Vorstandsvorsitzendem Dr. Gert Hügler bei insgesamt 46 Millionen Mark. 22 Millionen davon kamen von Maxdata, die 1996 ein gutes Geschäftsjahr hinlegten. Nach Adam Riese konnte Vobis für sein Stammgeschäft damals also einen Gewinn von etwa 24 Millionen Mark verbuchen.

1997 ist der Umsatz - nicht zuletzt durch den Zukauf von Peacock - auf 4,6 Milliarden Mark gestiegen. Der Distributor soll den "Break even" geschafft haben, also klafft eine entscheidende Lücke zwischen den 56 Millionen Mark Gewinn, die Maxdata für 1997 meldet, und den 37 Millionen Mark Gruppengewinn, die Vobis an die Presse weitergab. Wo also sind die fehlenden 19 Millionen abgeblieben?

Zumindest 17,5 Millionen Mark lassen sich mit Hilfe von Vobis-Vorstandschef Hügler zuordnen. So hoch ist nämlich der Verlust im Stammgeschäft des Unternehmens, der Vobis Microcomputer AG. Allerdings, so wehrt Unternehmenssprecherin Janet Spacey-Rennings ab, seien die Verluste nicht allein auf das schlechte Retailgeschäft der Würselener zurückzuführen: Anlaufkosten von Beteiligungs-gesellschaften, Ausgaben für Umstrukturierungen sowie Rückstellungen für das In- und Auslandsgeschäft hätten am Gewinn genagt.

Nichtsdestotrotz muß das Unternehmen zugeben, daß ein Großteil des Fehlbetrags aus dem schlappen Inlandsgeschäft der Vobis AG resultiert. Laut Vobis hat der Eintritt neuer Mitbewerber im deutschen Consumer-Markt und die "eskalierenden Preiskämpfe" dem Unternehmen schwer zu schaffen gemacht. Die schlechte Einzelhandelskonjunktur tat dann ein übriges. Dazu Hügler: "Wir haben mit Verlusten gerechnet - und werden demnächst entsprechende Gegenmaßnahmen ankündigen." (du)

Die Firmenzentrale der Vobis Microcomputer AG in Würselen: Die Unternehmensbilanz läßt auf bröckelnden Putz schließen.