Bewusstmachung, Analyse, Üben und Disziplin

Warum Wertschätzung so wichtig ist

28.06.2013
Bewusstes Selbstmanagement ist eine unabdingbare Voraussetzung für ein empathisches Verhalten gegenüber dem eigenen Umfeld, sagt Marcel Klotz.
Empathie und Wertschätzung in der Firma sind nicht mit Gold aufzuwiegen.
Empathie und Wertschätzung in der Firma sind nicht mit Gold aufzuwiegen.
Foto: Heraeus Holding GmbH

Was sich einfach liest, ist heute eine schwierige Aufgabe geworden. Wir alle leben und denken in Schubladen. Trotz aller "political correctness" haben die meisten Menschen viele Vorurteile. Noch immer fällt es schwer, den Anderen wirklich unvoreingenommen zu akzeptieren und ihm Respekt entgegenzubringen. Echter Respekt ist nicht nur Toleranz und "impliziert nicht notwendigerweise Achtung, aber eine respektvolle Haltung schließt bedenkenloses egoistisches Verhalten aus" (Quelle: Wikipedia). Dazu gehört die Achtung vor der anderen Person, die Anerkennung, die Autorität sowie ein grundsätzlich vorsichtiges Verhalten, durchaus im Sinne von: er/sie könnte mal mein Chef sein. Oder: Möchte ich so selbst behandelt werden?

Respekt bedeutet aber auch das Schätzen von Tieren, Natur und Gegenständen. Es ist mir etwas Wert! Wie weit sind wir davon entfernt, Dinge wertzuschätzen? Leben wir nicht stattdessen in einer tierverachtenden Lebensmittelindustrie, in einer umweltzerstörenden Wirtschaftsordnung und in einer Welt, in der wir ständig Gegenstände wegwerfen, um sie durch die neusten Gadgets zu ersetzen?

Es ist also der Umgang mit unserer Umgebung, die respektvoll und wertschätzend erfolgen sollte. Nicht nur mit uns selbst. Schätze ich mich selbst oder vernachlässige ich mich? Damit ist ein bewusstes Selbstmanagement unbedingte Voraussetzung für ein empathisches Verhalten gegenüber meiner Umwelt, vor allem gegenüber anderen Menschen. Bin ich in der Lage, an einer roten Ampel stehen zu bleiben, obwohl die Kreuzung völlig leer ist und kein Mensch weit und breit zu sehen ist, kann ich selbst den bei rot gehenden Mitbürger angemessen darauf hinweisen, dass er sich falsch verhält. Wertschätzung und Respekt bedeutet damit auch Vorbild zu sein für andere. Für Mitmenschen, für nachfolgende Generationen, ja für die Gesellschaft insgesamt. Die Amerikaner nennen das "be a good citizen" - sei ein guter Mitbürger.

Bei Vorbildern ist es unwichtig, ob es sich dabei um einen großen toten Dichter, um Mahatma Gandhi oder um Onkel Fritz aus Braunschweig handelt, wenn es nur ein Mensch ist, der im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern. (Erich Kästner)

Das gilt für alle Lebenslagen, privat wie geschäftlich. Und das ist schwer. Wer sich daran hält, kommt sich leider oft genug als Depp vor. Als ein Normalfahrer gegen tausend Geisterfahrer - oder ist es umgekehrt? Was ist normal geworden? Ein "Ichling" zu sein, wie es in einem Beitrag der Sendung "Der Tag" auf HR2 hieß? Wer also die oft als "alte Tugenden" bezeichneten Werte menschlichen und kulturellen Verhaltens hochhalten will, stößt oft genug auf Widerstand oder Erstaunen und gilt als old-fashioned. Hipp dagegen, wer laut genug seine Interessen durchboxt. Nein, tatsächlich ist das nicht so. Das findet keiner hipp, aber dennoch machen (fast) alle mit. Merkwürdig.