Weiche Faktoren

Was beim Verkauf einer Firma wichtig ist

27.09.2011

2. Branche und Unternehmensreifephase

Grundsätzlich gelten die oben zur allgemeinen Konjunktur gemachten Aussagen ebenso für Einzelbranchen, wobei es neben Überlagerungseffekten auch zu deutlichen Verschiebungen der einzelnen Phasen kommen kann. Manche Branchen boomen sogar, wenn die Weltkonjunktur in der Krise steckt. Es muss also bei der Beurteilung des Einzelfalls auch auf den Verlauf der Branchenkonjunktur geachtet werden. Zu beachten ist hierbei auch, dass sich auf Käuferseite nicht unbedingt das aus dem Zyklus ableitbare Interesse entwickeln muss. D.h. es gibt auf Investorenseite eigene zyklische Entwicklungen bzw. Moden. Beispielsweise waren reife Handelsfirmen oder Produktionsunternehmen um das Jahr 2000 herum bei Finanzinvestoren sehr schwer zu platzieren und wurden mitunter als "Old Economy" abgetan. Investiert wurde bekanntermaßen in IT-, Biotech- und Internetunternehmen usw., häufig auch als Minderheitsbeteiligungen.

Derzeit sind Mehrheitsbeteiligungen in reife Industriebranchen bei vielen Investoren wieder ganz oben auf der Prioritätenliste, ohne dass die Branchensituation der betreffenden Firmen nun erkennbar anders geworden ist.

Vor diesem Hintergrund muss also in eine Verkaufsplanung auch einfließen, dass sich die Türen für bestimmte Themen für lange Zeit verschließen können, auch wenn die Welt- und auch die Branchenkonjunktur eigentlich vorteilhaft erscheinen. Dies erhöht grundsätzlich den Wert von kurz- bis mittelfristig "machbaren" Transaktionen.

3. Strategische Situation und Positionierung eines Unternehmens

Vereinfacht dargestellt entwickelt sich die Zahl der Wettbewerbsunternehmen in den meisten Märkten im Zeitablauf wie ein umgedrehtes U. In jungen Märkten steigt die Anzahl der Unternehmen, mit zunehmender Marktsättigung kulminiert deren Zahl und schließlich geht die Anzahl der Wettbewerber in reifen Märkten nach und nach zurück.

In aufstrebenden Märkten ist die Lage für die Einzelunternehmen meist recht vorteilhaft. Fast jedes Unternehmen kann wachsen und Geld verdienen. Dieser Umstand verführt oft zu einer zu optimistischen Einschätzung der eigenen Lage. Eigentlich trennt sich in dieser Phase schon die Spreu vom Weizen und es entscheidet sich, wer später zu den Jägern und wer zu den Gejagten gehören wird. Ausschlaggebend ist es in dieser Phase, realistisch abzuschätzen, welcher Gruppe das eigene Unternehmen zuzurechnen sein wird. Kann man sich jetzt so aufstellen, zu den Marktführern aufzuschließen, kann man getrost an der bisherigen Strategie festhalten. Wenn der Wendepunkt erreicht ist, wird es höchstwahrscheinlich auch einen stärkeren Druck auf die Margen geben und auf einmal erwirtschaften nur noch wenige Anbieter in dieser Branche Gewinne.

Ein Unternehmen kann man am besten zu einem angemessenen Preis veräußern, wenn es mit steigender Tendenz Gewinne erzielt. Somit sollten nach nüchterner Analyse der eigenen Marktchancen Unternehmen in Phasen des Marktwachstums verkauft werden, wenn ein Erreichen der Marktführerschaft aus eigener Kraft unwahrscheinlich erscheint. Dies muss keinen vollständigen Ausstieg bedeuten, denn oft ist bekanntermaßen ein kleines Stück vom großen Kuchen mehr als ein großes Stück vom kleinen.

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