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Was Partner beim Cloud-Geschäft beachten müssen

20.06.2012

CP: Für Partner bedeutet das, dass er beim Endkunden enorme Consulting-Leistungen erbringen muss, um ihm verständlich zu machen, welche Möglichkeiten und Vorteile ihm die Cloud konkret für sein Geschäftsmodell bietet. Das ist ein großer Invest. Wenn beispielsweise ein Hersteller wie IBM, HP oder Dell einen Großkonzern berät, dann gibt es dafür Verträge, die auch die Bezahlung dieser Beratung sicherstellen. Wenn ein Systemhaus diese Beratungsleistung für unseren kleineren Unternehmenskunden leistet, müsste er ihm ebenfalls zwei Mann-Tage Beratung in Rechnung stellen oder einen Beratervertrag abschließen. Haben Sie hier Erfahrungswerte, wie das künftig funktionieren wird?

Martin Häring, Vice President Marketing & Alliances EMEA bei Akamai Technologies
Martin Häring, Vice President Marketing & Alliances EMEA bei Akamai Technologies
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Häring: Cloud-Modelle bieten standardisierte, wiederkehrende IT-Dienste im Pay-per-Use-Modell. Hier sind also standardisierte und weniger invdiduelle Lösungen gefragt. Partner müssen sich also für bestimmte Cloud-Services spezialisieren, aber diese Services sind dann hoffentlich stark replizierbar. Das heißt: Der Partner baut diese Skills auf, kann sie dann aber mehrfach anwenden.

CP: Dieses Modell funktioniert bei standardisierbaren Anwendungen, aber die Chance der meisten mittelständischen Systemhäuser besteht gerade darin, dem Kunden zum Beispiel eine individuelle ERP-Lösung anzubieten, die speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist, und nicht darin, ihm eine standardisierte, und damit austauschbare, ERP-Lösung zu verkaufen. Denn damit wird der Partner selbst austauschbar. Das ist ein Risiko. Denn könnte auch ein Hersteller, beim Wechsel der Vertriebsstrategie, den Kunden, den der Partner über Jahre hinweg aufgebaut hat, morgen mit einem Superangebot direkt angehen.

Wirtz: Einen gewissen Beratungsaufwand haben Partner aber doch heute schon im Vorfeld vieler Projekte. Es gibt durchaus Partner, die inzwischen diese Beratung bis zu einem gewissen Grad in Rechnung stellen, die der Kunde auch bezahlt, weil er erkannt hat, dass er im Gegenzug auch eine wirklich passende Lösung erhält.
Zweitens kann der Kunde, wenn die Lösung läuft, auch das Management dieser Lösung dem Partner übertragen. Über diese Managed Services lässt sich die Kundenbindung weiter vertiefen. Aber unbestritten ist es eine Herausforderung, diese Beratung bezahlt zu bekommen. Markt muss sich gleichwohl in diese Richtung entwickeln. Denn dieses Know-how ist etwas wert.
In der Vergangenheit gab es gerade in der IT aus schlechter Gewohnheit heraus vieles gratis. Umgekehrt werden wir künftig im IT-Markt auch verstärkt Anbieter sehen, die aus dem Beratungsbereich kommen und die diesbezüglich zu einem Wandel beitragen werden. Ich habe dafür auch noch kein Patentrezept, aber wir werden unsere Vertriebspartner auf diesem Weg unterstützen, denn es gibt dazu keine Alternative.

Häring: Man muss hier unterscheiden zwischen Public und Private Cloud: Die Cloud-Anbieter, die heute erfolgreich sind, haben alle sehr hoch replizierbare Plattformen - Beispiel Salesforce. Kunden nutzen diese Angebote, gerade weil sie keinen erhöhten Beratungs- und Integrationsaufwand haben. Sie wollen für einen festen Betrag jährlich Salesforce-Dienste nutzen. Das heißt, der Partner muss wissen, wie er diese Dienste verkauft, aber der Kunde will keine aufwändigen Beratungsleistungen. Andernfalls greift der Kunde wieder auf seine bisherige, eigene, proprietäre Infrastruktur im eigenen Hause zurück. Im Public-Cloud-Bereich müssen Lösungen und der Services hoch replizierbar sein.

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