Zusammenschluss von Dixons und Carphone Warehouse

Was steckt hinter der Mega-Fusion der Retailer?



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Offiziell geht es um eine Union für den Elektronikhandel der Zukunft, Analysten sprechen dagegen von einem Abwehrbündnis gegen Amazon: Nach der Fusion werden die britischen Retailer Dixons und Carphone Warehouse ein Umsatzvolumen von 15 Milliarden Euro vereinen.

Die Dimensionen des geplanten Zusammenschlusses sind gewaltig: Im jeweils letzten Geschäftsjahr kamen der Elektronik-Retailer Dixons auf gut 10,1 Milliarden Euro sowie die Mobilfunkkette Carphone Warehouse auf 4,5 Milliarden Euro Umsatz. Als gemeinsame Retail-Marke Dixons Carphone werden die beiden ein Umsatzvolumen von nahezu 15 Milliarden Euro vereinen und im Heimatland Großbritannien eine marktbeherrschende Rolle ausüben.

Die EU prüft derzeit deshalb den vor wenigen Tagen angekündigten Zusammenschluss und verlangt unter anderem Auskunft zur künftigen Preispolitik des Mega-Retailers. Doch welche weiteren Ziele verfolgen Dixons und Carphone Warehouse neben der Marktbeherrschung mit ihrer Fusion?

Die Fusion macht aus Dixons und Carphone Warehouse einen Giganten mit 15 Milliarden Euro Umsatz und 3.000 Läden.
Die Fusion macht aus Dixons und Carphone Warehouse einen Giganten mit 15 Milliarden Euro Umsatz und 3.000 Läden.

Eine Zielsetzung dürfte von vornherein ausgeschlossen werden: Der Angriff auf Media-Saturn. Die Marktmacht von Europas größtem Elektronik-Retailer (Jahresumsatz 2013: 21 Mrd. Euro) hat dafür gesorgt, dass die Einflusssphären von Dixons und Media-Saturn fein säuberlich getrennt sind. Während Media Markt und Saturn vom Sprung über den Kanal absahen, hat der britische Retailer alle zwischenzeitlich gehegten Pläne zur Expansion auf den Kontinent längst begraben. Auch Carphone Warehouse spielt über seine Tochter The Phone House auf dem europäischen Kontinent eine wesentlich geringere Rolle als auf dem Heimatmarkt. Interessant ist im Licht der aktuellen Fusionspläne, dass Carphone Warehouse in den Niederlanden eine Verkaufspartnerschaft mit Media-Saturn betreibt, über deren weiteren Fortbestand noch nichts bekannt ist.

"Ein neuer Retailer für ein neues digitales Zeitalter"

Glaubt man den öffentlichen Verlautbarungen von Dixons und Carphone Warehouse, geht es bei dem Zusammenschluss der beiden Schwergewichte um nichts weniger als die Zukunft des Elektronikhandels: Im Zeitalter von Mobile und Always-On beschleunige sich die Konvergenz von klassischen Elektronikgeräten und Mobilfunk noch einmal und erhöhe sich die Nachfrage nach einem Handelsangebot aus einer Hand. Angesichts von Trends wie dem Internet of Things, Wearable Devices oder Home Monitoring sei Dixons Carphone perfekt dazu geeignet, neu entstehende Kundenbedürfnisse zu erfüllen.

In einem Kommentar für den Guardian stimmte Marty Ellis, Retail-Chef von eBay UK, dieser Sichtweise zu: "Wearable Devices und das mobile Internet werden zu virtuellen Assistenten werden, die den Kühlschrank auffüllen oder für Ersatz für getragene T-Shirts sorgen, ohne dass wir uns bewusst darum bemühen müssen. Dixons Carphone sieht ganz klar die Chancen, die in dieser Verbindung von alltäglichen Haushaltsgegenständen und vernetzter Technologie liegen und die auch ein großes Potenzial für die Evolution des Handels darstellen."

Wenig Begeisterung bei Anlegern und Analysten

An den Börsen zündeten die bunt gemalten Zukunftsszenarien von Dixons und Carphone Warehouse allerdings nicht. Nach Bekanntgabe der Fusionspläne gaben die Aktien beider Unternehmen um jeweils mehr als 10 Prozent nach und haben ihren Ausgangswert bislang nicht wieder erreicht. Den Anlegern dürfte die Rhetorik vom "neuen digitalen Zeitalter" zu schwammig sein und die Vorteile der Fusion zu wenig konkret zu machen.

Wie Analysten erklären, gibt es allerdings durchaus handfeste Argumente für den Zusammenschluss: So könne der Retail-Gigant mit insgesamt 3.000 Geschäften durch Synergien bereits in zwei bis drei Jahren Kosteneinsparungen von mehr als 100 Millionen Euro erzielen. Zudem lasse sich die kombinierte Einkaufsmacht einsetzen, um im Wettbewerb mit Online-Marktführer Amazon zu punkten. "Auch wenn sich beide Retailer darum bemühen, zu betonen, dass man so der ‚vernetzten Welt‘ einen Schritt näherkomme, handelt es sich hier in Wirklichkeit vor allem um eine ganz einfache und auch ziemlich langweilige Sparübung", erklärte Verdict-Analyst Matthew Rubin - "allerdings in einer futuristischen und möglichst interessanten Verpackung".

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