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Freiberufler unter Druck

Wenn die Personalvermittlerin zweimal klingelt

12.08.2014
Von Oliver Knittel
Von seriöser Personalvermittlung sind manche Agenturen weit entfernt. So versprach eine Vermittlerin dem Kunden, binnen einer Stunde drei qualifizierte Kandidaten zu präsentieren und übte entsprechenden Druck auf den Freiberufler aus.

Es ist Freitag 17:20 Uhr. Ich habe meinen PC bereits ausgemacht und freue mich auf ein entspanntes Wochenende. Plötzlich höre ich ein Handyklingeln. Hm, wo ist mein Handy? Bis ich es endlich in Händen halte, ist es bereits verstummt. Nach weiteren 10 Minuten klingelt es ein zweites Mal. Ich überlege: Vielleicht ist es ja Sandra Bullock, die sich mit mir treffen will? Meine Neugier siegt und ich nehme das Gespräch an.

Der Anruf der Personalvermittlerin erreichte Freiberufler Oliver Knittel am Freitag um 17.30 Uhr. Sie räumte ihm nur wenige Minuten ein, um sich für den Projektauftrag zu entscheiden.
Der Anruf der Personalvermittlerin erreichte Freiberufler Oliver Knittel am Freitag um 17.30 Uhr. Sie räumte ihm nur wenige Minuten ein, um sich für den Projektauftrag zu entscheiden.
Foto: fox17 - Fotolia.com

Zwei Minuten Bedenkzeit für den Freiberufler

Es ist leider nicht Sandra Bullock, sondern eine etwa 20 Jahre jüngere Ausgabe von Sandra mit einer sehr energischen Stimme. Sie stellt sich kurz als Recruiterin eines großen Personalvermittlers vor. Sie kommt gleich zur Sache und fragt mich im schneidigen Kasernenton: "Haben Sie schon meine E-Mail gelesen?"

Ich wollte Klein-Sandra noch darauf hinweisen, dass ich trotz meines fortgeschrittenen Alters noch ganz gut höre. Ich lasse es dann aber und halte stattdessen den Telefonhörer etwas weiter weg.

"Nein, habe ich nicht."

"Ich habe Ihnen vor 20 Minuten eine E-Mail geschickt. Ich suche für eine Versicherung einen Projektleiter."

"Ich habe meinen PC schon ausgemacht." sage ich schon fast entschuldigend.

"Dann lesen Sie sich die Ausschreibung durch. Ich habe dem Kunden zugesagt, dass ich ihm bis 18:00 Uhr drei Kandidaten präsentiere."

Sie hat dem Endkunden eine Zusage gegeben, ohne vorher mit mir zu reden. Und ich soll mich jetzt in zwei Minuten mit ihr einigen? Höflich, wie ich bin, bitte ich sie dennoch, mir kurz die Projektbeschreibung zu erläutern.

Sie führt aus: "Eine Versicherung in Nordrhein-Westfalen sucht einen Projektleiter. Die Laufzeit beträgt drei Monate. Es gibt aber eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Verlängerung."

Oliver Knittel (o.knittel@insure-it.de) schreibt für das IT-Freelancer Magazin die Kolumne "Freiberufler-Spitzen". Für die COMPUTERWOCHE nimmt er in einer Sommerserie das Verhältnis Freiberufler - Projektvermittler unter die Lupe.
Oliver Knittel (o.knittel@insure-it.de) schreibt für das IT-Freelancer Magazin die Kolumne "Freiberufler-Spitzen". Für die COMPUTERWOCHE nimmt er in einer Sommerserie das Verhältnis Freiberufler - Projektvermittler unter die Lupe.
Foto: Privat

"Nun ja, Sie sagen Nordrhein-Westfalen. Ich finde es schon einen Unterschied, ob ich nach Bonn oder Münster fahren muss. Können Sie da etwas konkreter werden?"

"Der Projektstandort spielt keine Rolle. Mir läuft die Zeit davon. Sie wissen, was Sie wissen müssen. Mehr kann und will ich nicht sagen. Wie hoch ist Ihr Stundensatz?"

Langsam glaube ich, ich bin im falschen Film und fange an sauer zu werden. Dann atme ich zwei Mal tief durch und lasse mein Chi fließen. Ruhig und bestimmt gebe ich als Antwort: "Ich schaue mir Ihre Ausschreibung in Ruhe an. Wenn ich Interesse daran habe, werde ich mich am Montag bei Ihnen melden."

Etwas patzig antwortet Klein-Sandra: "Dann sind Sie raus und ich werde einen anderen Kandidaten präsentieren."

Personalvermittlung im Eiltempo: Wer fragt da nach Qualität?

In dem guten Gefühl das Richtige getan zu haben, verabschiede ich mich höflich und lege auf. Kopfschüttelnd frage ich mich, was das Ganze sollte. Aus über 20 Jahren Erfahrung in Versicherungsprojekten weiß ich, dass in einer Versicherung am Freitag ab 16:00 Uhr eh nichts passiert. Dass sich um diese Uhrzeit der IT-Einkauf ein Profil anschaut und etwas entscheidet, ist in etwa so wahrscheinlich wie ein Meteoriten-Einschlag vor dem Kölner Dom.

Was ist schief gelaufen? Der Personalvermittler verspricht dem Einkauf, die vakante Stelle sehr schnell, auf Neudeutsch ASAP zu besetzen. Bei dem Bemühen um Schnelligkeit bleibt dann die Qualität auf der Strecke. Es gibt kein persönliches Kennenlernen, kein Assessment-Center und keine Überprüfung der Angaben im Profil. Es gibt nur Hopp oder Top.

So schnappe ich mir meine Zeitung und träume wieder. Vielleicht ruft beim nächsten Mal doch die richtige Sandra an? Oder vielleicht eine Personalvermittlerin mit etwas mehr Zeit?

Der Text erschien im IT-Freelancer-Magazin.

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Anna67

Eigenartig finde ich, dass nur negativ über Personalvermittlerinnen geschrieben wird jedoch Personalvermittler überhaupt nicht benannt werden.

Als Tipp: Anstatt über die Damen in solch einer herablassenden Art herzuziehen, könnte der Mann ja auch seinen Mann stehen und den Frauen ein vernünftiges Feedback geben. Darüber hinaus kann ich mir kaum vorstellen, dass den Kommentatoren sowie Herr Knittel der Verfasser des Artikels überhaupt keine Fehler bei Karrierebeginn widerfahren sind.

Etwas Demut die Herren und vielleicht hilft es ihnen sich zunächst einmal selbst im Spiegel zu betrachten und ihre eigenen Fehler anzuerkennen den mit Mitte 50 sollte man schon etwas reifer agieren.

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