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Sorge in der Branche

Wie schlimm ist die Krise bei EP?



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Electronic Partner (EP) bezeichnet seine angekündigte Umstrukturierung optimistisch als "Zukunftsprogramm", doch die Branche registriert beunruhigende Zeichen: Mitarbeiter werden entlassen, Logistikstandorte verringert und auch online will EP einmal mehr neu starten.
Setzt Akzente: Der neue EP-Chef Friedrich Sobol
Setzt Akzente: Der neue EP-Chef Friedrich Sobol

Die Stimmung in der Branche ist aufgeregt: „Auch EP ist jetzt massiv von der schlechten Branchenentwicklung betroffen“, erklärt der Chef eines großen IT-Händlers im vertraulichen Gespräch. „Der neue EP-Chef Friedrich Sobol räumt offensichtlich komplett auf“, schreibt ein weiterer Insider mit Blick auf Entlassungen bei der Verbundgruppe. Auch wenn EP in den vergangenen Jahren meist nur mit recht moderaten Geschäftszahlen aufwarten konnte, umgab die Düsseldorfer Verbundgruppe im Unterschied zu den Wettbewerbern Euronics und Expert doch stets das Flair der weiten Welt. Umso mehr sorgt die Mitte September angekündigte Umstrukturierung von EP in der Branche für Aufsehen.

Die Verbundgruppe selbst bezeichnet die Neuorganisation von Einkauf, Vertrieb und Lagerhaltung optimistisch als „Zukunftsprogramm“: eine neue Spartengliederung soll die Effizienz in der Düsseldorfer Zentrale erhöhen sowie eine Verringerung der Lagerstandorte von drei auf zwei bei gleichzeitigem Abbau von Doppeltlagerhaltungen Kosten senken. Dass EP die Reformen allerdings nicht nur aus eigenem Antrieb ins Rollen brachte, bestätigte bereits das dazugehörige Statement des seit Anfang Juli amtierenden neuen Vorstandschefs Sobol: „Eine stetige Preis- und Margenerosion, massive Sortimentsverschiebungen und ein permanenter Verdrängungswettbewerb sorgen für ein herausforderndes Marktumfeld. In dieser Situation ist es unabdingbar, Strukturen und Prozesse zu optimieren, um die Basis für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen.“

Nur kurz nach Bekanntwerden des EP-„Zukunftsprogramms“ meldete die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post, in der Zentrale der Verbundgruppe würden den Umstrukturierungen 130 Stellen zum Opfer fallen. EP hat diese Zahl bisher nicht bestätigt, ein offizielles Dementi erfolgte allerdings auch nicht. Auch Verbundgruppen-Chef Sobol kommentierte den Umfang der Entlassungen in einem vergangene Woche erschienenen Interview mit dem Fachblatt Der Handel nicht, lieferte aber dafür eine bemerkenswert düstere Brancheneinschätzung: „Die fetten Jahre für unsere Branche sind vorbei, und sie kommen so schnell nicht wieder“, heißt es darin, sowie: „2013 wird kein gutes Jahr“.

„Online funktioniert nur als Pure Player“

Dass mit dem Wechsel des bisherigen Österreich-Chefs von EP nach Düsseldorf offensichtlich der Auftrag einer Neuausrichtung verbunden ist, zeigt auch ein erneuter Meinungswechsel beim Thema Online. Nach der Schließung des EP-Netshops und einer mehrere Jahre dauernden E-Commerce-Abstinenz hatte der bis Juni amtierende EP-Chef Jörg Ehmer einen vorsichtigen Online-Neustart gewagt: Die Service-Kompetenz der Händler sollte über das Portal Plusanschluss.de vermarktet werden, den Verbundgruppenmitgliedern ein modulares Onlineshopsystem zur Verfügung gestellt werden, zudem beteiligte sich EP an den Online-Händlern Notebooksbilliger.de und Sparhandy.de.

Mit dem Antritt von Friedrich Sobol hat sich hier nun wieder vieles geändert: Die Einstellung von Plusanschluss.de ist bereits angekündigt und auch beim Thema Online-Verkauf scheint Sobol eine dezidiert andere Meinung zu verfolgen als sein Vorgänger: „Online funktioniert nur als Pure Player“, sagte der EP-Chef jüngst dem österreichischen Branchenmagazin Elektro & Wirtschaft. Sobol hatte damit zwar nicht zuletzt die Beteiligung an Notebooksbilliger und Sparhandy im Sinn, doch dass es nicht zu dem geplanten modularen Onlineshopsystem kommen werde, bestätigte der EP-Chef auch gegenüber Der Handel.

Der nächste Wurf muss sitzen

Natürlich gibt es keinen Automatismus, wonach eine Verbundgruppe auch unter eigenem Namen im Internet verkaufen muss – zumal die dezentrale Kooperationsstruktur dabei eher hinderlich ist. Dennoch mutet EP mit dem wiederholten Richtungswechsel innerhalb weniger Jahre den Händlern – und den Kunden – einiges zu. In der EP-Zentrale wird man sich daher gut überlegt haben, warum man Friedrich Sobol nach Düsseldorf geholt hat und großes Vertrauen in die Rezepte des Österreichers setzen. Ähnliches gilt auch für die organisatorische Umstrukturierung: EP ist kein zweites ProMarkt und steht schon aufgrund seiner vielfältigen Mitgliederstruktur wirtschaftlich vergleichsweise gesund da. Doch jede umfassende Neuaufstellung schafft zunächst einmal Unruhe und verstärkt daher den Erfolgsdruck. (mh)