Interview

Wie Unternehmen ihre Datenhoheit zurückgewinnen

19.02.2021
Anzeige  Cloud First bleibt der Trend. Aber um die Daten zu integrieren, setzten viele Unternehmen auf Bestandteile einer bestehenden CRM oder ERP Software – und der Vendor-Lock-In droht. Ihre Unabhängigkeit gewinnen Unternehmen mit der richtigen Integrationsplattform zurück.

Viele Unternehmen wollen sich nicht von einem Cloud-Provider abhängig machen, legen aber die Integration der Daten in die Hände eines CRM- oder ERP-Anbieters. Im Interview erläutern Michael Pietsch, Regional Director DACH and CEE bei Boomi, und Stephen Reindl, Chief Architect bei Cegeka, wie Unternehmen dem Vendor-Lock-in entgehen mit einer Integrationsplattform, die unabhängig von Applikationen ist.

Nur mit einer durchgängigen Integration aller Systeme erhalten Unternehmen den vollen Durchblick auf ihre Daten.
Nur mit einer durchgängigen Integration aller Systeme erhalten Unternehmen den vollen Durchblick auf ihre Daten.
Foto: metamorworks - shutterstock.com

Herr Pietsch, 2020 war für viele Unternehmen ein schwieriges Jahr. Wie lief es für Boomi?

Pietsch: Es lief außerordentlich gut, Boomi hat weltweit die Ziele übererfüllt und auch in DACH haben wir trotz der aktuellen schwierigen Situation unsere Ziele weit übertroffen und unsere Umsätze fast verdreifacht. Somit war das für unsere Region das erfolgreichste Jahr in der Geschichte von Boomi.

Wo liegen die Hauptgründe für dieses enorme Umsatzwachstum?

Pietsch: Der zusätzliche Kostendruck in der Pandemie und die vermehrte Homeoffice-Nutzung haben den Run auf Cloud-basierte IT-Services noch einmal deutlich beschleunigt. Viele Cloud-Projekte, die eigentlich längerfristig geplant waren, wurden vorgezogen. Das gilt sowohl für den Einsatz von Plattformen wie AWS, Azure oder Google, als auch für Cloud-born Applikationen, so etwa wie Snowflake, Workday oder ServiceNow.

Warum erhöht dieser Cloud-Trend die Nachfrage nach Boomi?

Pietsch: Um Cloud-Ressourcen und -Applikationen sinnvoll zu nutzen, brauchen Unternehmen eine Lösung wie Modern Middleware von Boomi. So können sie Daten austauschen und neue Applikationen mit Informationen aus bestehenden Systemen oder neuen Datenquellen anreichern. Es ist sinnvoll, neue leistungsfähigere Cloud-Anwendungen einzusetzen, aber diese müssen in die bestehende Applikationslandschaft integriert werden. Hier sind Integrationsplattformen wie Boomi gefragt, die die Daten aus den On-Premises-Systemen zu den Cloud-Applikationen bringen, und ebenso zurück.

Der Bedarf an iPaaS (Integration Platform as a Service) hat zu vielen Ausschreibungen in diesem Bereich geführt.

"Unsere Plattform ist völlig unabhängig von angeschlossenen Applikationen. Besonders die Einfachheit der Bedienung und die daraus resultierende Geschwindigkeit habe ich bei unseren Mitbewerbern noch nicht gesehen", sagt Michael Pietsch, Regional Director DACH and CEE bei Boomi.
"Unsere Plattform ist völlig unabhängig von angeschlossenen Applikationen. Besonders die Einfachheit der Bedienung und die daraus resultierende Geschwindigkeit habe ich bei unseren Mitbewerbern noch nicht gesehen", sagt Michael Pietsch, Regional Director DACH and CEE bei Boomi.
Foto: Dell - boomi

Wie reagieren Sie auf die verstärkte Nachfrage?

Pietsch: Wir sind in der DACH-Region in den vergangenen zwei Jahren massiv gewachsen. Als ich 2019 den Bereich übernommen habe, waren wir nur wenige Mitarbeiter, heute sind wir schon über 20. Wir haben alle Strukturen komplett neu aufgebaut, die Bereiche Enterprise und Commercial eingeführt sowie Marketing- und Partnerverantwortliche eingestellt. All das hat uns geholfen, eine größere Marktpräsenz auszubauen und natürlich auch geholfen, eine größere Awareness aufzubauen. Wir profitieren als Teil des Dell-Technologies-Konzerns natürlich auch vom starken Wachstum unserer Muttergesellschaft.

2020 war - hoffentlich - ein absolutes Ausnahmejahr. Wie Sie selbst sagen, wurden viele Projekte vorgezogen. Glauben Sie, dass Sie das Momentum aus 2020 in das Jahr 2021 retten können?

Pietsch: Wir merken schon jetzt an den Ausschreibungen für die ersten beiden Quartale 2021, dass die Nachfrage nicht nachlässt. Die Unternehmen wollen von den Anbietern von ERP, CRM und anderer klassischer Unternehmens-Software unabhängig werden und ihre Datenhoheit zurückholen. Daher werden immer mehr Integrationstools von üblichen Anwendungsherstellern durch moderne Plattformen ersetzt. Zudem betreiben viele Unternehmen mittlerweile eine Cloud-First-Strategie.

Sie sprechen von einer "modernen Middleware". Was verstehen Sie genau darunter?

Pietsch: Modern Middleware verfolgt einen ganz anderen Ansatz als zum Beispiel traditionelle Punkt-zu-Punkt-Integrationen. Unsere Boomi-Plattform ist komplett Cloud-native, die gesamte Orchestrierung und Steuerung erfolgt aus der Cloud, ohne das On-Premises gehaltene Daten das Rechenzentrum verlassen. Unternehmen können die Plattform auch komplett ohne eigene Hardware nutzen und müssen sich nie über Versionen oder Upgrades Gedanken machen. Sämtliche Funktionen lassen sich aus einer Konsole heraus steuern - von der Datenintegration über den Master Data Hub, EDI und API-Management bis hin zum Workflow Management.

Wollen Sie also ESB als Integrationsschicht ersetzen?

Pietsch: Es geht nicht um "entweder oder". Unsere Plattform und unsere Konnektoren ergänzen andere Integrationsverfahren wie z.B. ESB vielmehr. Es nehmen ja nicht nur die Datenmengen rasant zu, sondern auch die Systeme, die Daten erzeugen. Denken Sie nur an das IoT-Wachstum. ESB muss also nicht ersetzt werden, die Technik hat sich aber weiterentwickelt und Systeme bieten eigene Schnittstellen. Eine Plattform wie Boomi ermöglicht, die damit verbundene Komplexität in den Griff zu bekommen, Kosten zu senken oder sogar neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Applikationsanbieter und auch Cloud-Provider bieten ihre eigenen Integrationsplattformen an. Warum sollten Unternehmen auf Boomi setzen?

Pietsch: Die Antwort ist einfach: Weil wir absolut Cloud- und applikationsunabhängig sind. Unsere Kunden verschaffen sich mit unserer Plattform eine langfristige Unabhängigkeit bezüglich eingesetzter Applikationen und Cloud Lösungen. Fast alle Unternehmen reden von Multi-Cloud, Hybrid-Cloud und Multi-Vendor. Mit Modern Middleware wie Boomi behält man die Hoheit über die Daten und kann Cloud und Applikationen beliebig wechseln.

Viele Unternehmen fahren derzeit eine API-first-Strategie. Wie passt das mit Ihrem Plattformansatz zusammen?

Pietsch: Unsere Plattform ist ein Werkzeug, das Integrationen leicht und schnell implementiert und ausführt. Das ist kein Widerspruch zu API-first, und man kann mit Boomi ohne weiteres eine API umsetzen. Wir stellen nur fest, dass Kunden oft erst mit einfach umsetzbaren Integrationen starten. Mit diesem Plattform-Ansatz lassen sich also schnell erste Erfolge realisieren. Bei allen unseren Kunden ergeben sich Folgeaufträge, wenn sie die Effizienz der Boomi Plattform erkennen. Später kann innerhalb und außerhalb von Boomi über API-Schnittstellen kommuniziert werden, was dann wieder API-first bedeuten kann. Für API-first sind von Anfang an hohe Investitionen und ein großer Aufwand bei der IT notwendig. Der damit verbundene Aufwand verhindert oft die Umsetzung und bringt Projekte zum Stoppen.

Boomi unterstützt Unternehmen auch bei der Einrichtung eines Integration Center of Excellence (ICoE), das alle Integrationsaufgaben bündelt. Welche Bedeutung hat ein ICoE?

Pietsch: Moderne Unternehmen brauchen eine zentrale Abteilung, die für Datenmanagement verantwortlich ist - also ein ICoE! Genau in diese Richtung gehen die Ausschreibungen, an denen wir mit unseren Kunden arbeiten. Unternehmen wollen für das Management der Unternehmensdaten statt "Best of Breed" eine zentrale Schaltstelle, die alle Integrationen, Master Data Management und API-Management organisiert. Wir helfen unseren Kunden, so eine Abteilung aufzubauen, und alle Prozesse und Daten mit unserer Plattform zu steuern. Ein ICoE mit Boomi ist ein wichtiger Schritt, um wirklich durchgehend "data-driven" zu sein.

Welche Rolle spielt der Channel für Boomi in Deutschland?

Pietsch: Wir haben uns im vergangenen Jahr vornehmlich auf Service- und Integrationspartner konzentriert, die mit uns die Implementierung realisierenund gemeinsam RFPs beantworten. In diesem Jahr wollen wir den Fokus vor allem auf Vertriebspartner legen. Um das Wachstum im aktuellen Tempo fortzusetzen, brauchen wir einen starken Channel in Deutschland. Daher richten wir uns gezielt auf das Partnergeschäft aus.

Ein Partner, mit dem Sie bereits zusammenarbeiten, ist das ICT-Unternehmen Cegeka. Warum haben Sie sich für diese Kooperation entschieden?

Pietsch: Als europaweit agierender Vertriebspartner mit Branchenkenntnissen übernimmt Cegeka die Gesamtverantwortung für Projekte mit unserer Plattform. Das ist ein großer Vorteil für uns, da es die Kundenbeziehungen stärkt und unsere Wachstumsstrategie unterstützt.

Herr Reindl, welche Vorteile hat Cegeka von der Zusammenarbeit mit Boomi?

Reindl: Durch die digitale Transformation werden IT-Umgebungen immer komplexer. Das sehen wir zum Beispiel bei unseren Kunden aus der Versicherungsbranche. Alle stehen dabei vor der gleichen Herausforderung: Sie müssen Systeme erneuern und ersetzen, ohne dabei den Datenfluss zu unterbrechen. Das ist mit traditionellen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen sehr schwierig. Oft entsteht eine vier- oder fünfstellige Zahl an Schnittstellen, die alle gemanagt werden müssen. Wird dann eine Applikation durch eine ausgetauscht, müssen womöglich ein paar Hundert Schnittstellen neu erstellt werden. Hinzu kommen ständig steigende Anforderungen an die Compliance. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und andere Organisationen haben in den vergangenen Jahren die Vorschriften deutlich verschärft. Dabei rückt die Betriebsführung von Schnittstellen immer mehr in den Fokus. Genau hier kommt Boomi ins Spiel, da die Plattform den Punkt Betriebsführung und Themen wie Operations-Governance schon beinhaltet. Statt bei jeder Schnittstelle die Compliance-Abteilung um eine Freigabe bitten zu müssen, genügt es, eine Freigabe für die Plattform zu beantragen.

"Es ist sehr schwierig, Systeme mit traditionellen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu ersetzen, ohne den Datenfluss zu unterbrechen." - Stephen Reindl, Chief Architect bei Cegeka
"Es ist sehr schwierig, Systeme mit traditionellen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu ersetzen, ohne den Datenfluss zu unterbrechen." - Stephen Reindl, Chief Architect bei Cegeka
Foto: Cegeka

Wie komplex ist die Schnittstellendefinition bei Boomi?

Reindl: Das geht über die grafische Oberfläche sehr einfach. Während die traditionelle Entwicklung einer Schnittstelle Wochen benötigt, kann man mit Boomi eine Schnittstelle in wenigen Tagen produktiv stellen. Das spart Zeit, die Unternehmen stattdessen in ihren Business-Value investieren können.

Welche Unterstützung erhalten Sie als Channel-Partner?

Reindl: Wir erhalten das gesamte Portfolio an Trainings und Zertifizierungen kostenlos. Darüber hinaus bekommen wir Unterstützung im Bereich Pre-Sales und können gemeinsam Kundentermine wahrnehmen. Bei komplexen Fragen unterstützen uns Spezialisten mit ihrem Know-how.

Herr Pietsch, suchen Sie vornehmlich nach Partner mit dediziertem Branchenfokus wie Cegeka oder können auch breiter aufgestellte Systemhäuser und Integratoren mit Boomi zusammenarbeiten?

Pietsch: Prinzipiell ist jeder Dell-Technologies-Partner auch ein Boomi-Partner und kann unsere Plattform vertreiben. Um Channel-Konflikte zu vermeiden, legen wir allerdings großen Wert auf einen erkennbaren Branchen- oder Technologiefokus. Es gibt jede Menge Felder, in denen Partner erfolgreich mit uns zusammenarbeiten können. Hier wollen wir keine Konkurrenzsituation schaffen.

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