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Sechs Jahre nach der Übernahme

Will Media-Saturn den Redcoon-Kauf rückabwickeln?

Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Vom erhofften Zugpferd hat sich der 2011 übernommene Online-Händler Redcoon für Media-Saturn zum Sorgenkind entwickelt. Einem Medienbericht zufolge arbeiten Anwälte des Retailers nun deshalb an einer Rückabwicklung der Akquisition.
Laut einem Medienbericht will sich Media-Saturn nicht damit abfinden, Redcoon einfach als Fehlinvestition abzuschreiben.
Laut einem Medienbericht will sich Media-Saturn nicht damit abfinden, Redcoon einfach als Fehlinvestition abzuschreiben.
Foto: Redcoon

Seit der Übernahme durch Media-Saturn 2011hat der Online-Händler Redcoon einen tiefen Fall erlitten: Eigentlich sollte der Elektronikversender in der dezentralen Unternehmensaufstellung des Retailers als Zugpferd für das Online-Wachstum von Media-Saturn fungieren. Doch schon kurz nach der Übernahme lahmte das Wachstum. Nach dem Ausscheiden von Redcoon-Gründer Reiner Heckel 2013 wollte der Retailer mit einer veränderten Einkaufsstrategie neuen Schub nehmen. Doch die Umsätze brachen weiter ein und Media-Saturn begann damit, den zugekauften Online-Händler zu restrukturieren: 2016 zog sich Redcoon aus fünf europäischen Ländern zurück und Anfang Mai 2017 wurde der Shop seiner Eigenständigkeit beraubt und an das Onlinesystem von Media Markt und Saturn angeschlossen.

Damit könnte Redcoon als klassische Fehlinvestition von der MSH-Geschäftsführung abgeschrieben werden - Kostenpunkt: der Kaufpreis von 137 Millionen Euro zuzüglich folgender Verluste und Verbindlichkeiten. Auf der Habenseite hat der akquirierte Online-Händler zusätzliches E-Commerce-Know-How in die Media-Saturn-Gruppe gebracht und nutzt der Retailer das groß dimensionierte Logistikzentrum von Redcoon in Erfurt nun eifrig für eigene Online-Aktivitäten.

Trotzdem will man sich in der Konzernzentrale in Ingolstadt offensichtlich nicht mit einer so nüchternen Betrachtung zufriedengeben. Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, habe Media-Saturn eine Klage auf Rückabwicklung des Kaufs auf den Weg gebracht. Dazu habe man ein im Kaufvertrag vorgesehenes Schiedsgericht installiert, das Ende des Jahres über die Klage entscheiden solle.

Angebliche Kartellrechtsverstöße

Den Informationen derLebensmittelzeitungzufolge sollen sich die Forderungen von Media-Saturn auf rund 200 bis 300 Millionen Euro belaufen. Neben dem Kaufpreis fordere der Retailer auch eine Kompensation für die seitdem angelaufenen Verluste bei Redcoon. Adressaten der Klage sind neben Reiner Heckel die damaligen Co-Geschäftsführer von Redcoon, Johannes Majdic (Chef des österreichischen Online-Händlers Electronic4You) und Jürgen Bartsch.

Als Begründung für die Klage führte Media-Saturn laut Lebensmittelzeitungangebliche Kartellverstöße von Redcoon an. So hätten in über 60 Fällen Mitarbeiter von Redcoon über mehrere Jahre hinweg verbotene preisbezogene Absprachen mit Lieferanten des Online-Händlers getroffen. Die Vorgänge seien per E-Mail dokumentiert. Media-Saturn habe dazu sogar ein kartellrechtliches Gutachten erstellen lassen, das auch eine mögliche Kartellbuße taxiere. Kommentare zu dem Bericht von Media-Saturn, den ehemaligen Redcoon-Gesellschaftern oder dem Kartellamt erhielt dieLebensmittelzeitung allerdings nicht. (mh)

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