Gefälschte Antragsformulare

Zahlung der Corona-Soforthilfe in NRW gestoppt

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Selbstständige und Kleinstbetriebe müssen in Nordrhein-Westfalen länger auf Zahlungen aus dem Soforthilfe-Topf des Bundeslandes warten. Betrüger hatten mit gefälschten Antragsformularen Daten der Betroffenen ergaunert. Anträge sind aber weiterhin möglich.

Cyber-Kriminelle und Internet-Gauner haben nicht lange gebraucht, um die aktuelle Corona-Krise für ihre betrügerischen Machenschaften zu nutzen. Nun musste sogar die Auszahlung der NRW-Soforthilfe 2020 an Solo-Selbstständige und Kleinstbetriebe vorerst gestoppt werden.

Fake-Webseiten mit gefälschten Antragsformularen für finanzielle Corona-Hilfe haben in Nordrhein-Westfalen dazu geführt, dass die Zahlungen vorerst gestoppt worden sind.
Fake-Webseiten mit gefälschten Antragsformularen für finanzielle Corona-Hilfe haben in Nordrhein-Westfalen dazu geführt, dass die Zahlungen vorerst gestoppt worden sind.
Foto: Kavaleuskaya Aksana - shutterstock.com

Der Grund: Betrüger hatten auf Fake-Webseiten mit gefälschten Antragsformularen versucht, an die Daten der Antragsteller zu kommen. Diese hatten in gutem Glauben daran, finanzielle Hilfe für ihre Corona-bedingte Notlage zu bekommen, die gefälschten Antragsformulare abgeschickt. Die Fake-Seiten waren laut des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE) in den Suchergebnissen "prominent platziert".

Strafanzeige wegen Betrugs

Nach ersten Hinweisen erstatte das MWIDE bereits am Dienstag, den 7. April 2020, Strafanzeige wegen Betrugs. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen hatte daraufhin mit der Zentral- und Ansprechstelle für Cyberkriminalität die Ermittlungen aufgenommen und das Ministerium am Mittwochabend über erste Ergebnisse informiert. Daraufhin hatte das Land die Bezirksregierungen angewiesen, die weitere Auszahlung der Gelder auszusetzen. In den kommenden Tagen wird die Ermittlergruppe ihre Recherchen fortsetzen, um betrügerische Anträge zu identifizieren. "Antragsteller, die auf Ihre Überweisung warten, bitten wir um Verständnis und etwas Geduld", schreibt das MWIDE. Man werde "zeitnah" über weitere Entwicklungen informieren.

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Das Ministerium weist darauf hin, dass die Antragstellung davon nicht berührt ist: Kleinunternehmer und Selbstständige können weiterhin die NRW-Soforthilfe beantragen. Cyberexperten von Wirtschaftsministerium und LKA raten erneut dringend, dafür ausschließlich die offizielle Internetseite zu nutzen: https://soforthilfe-corona.nrw.de. Offizielle Webseiten des Landes enden stets auf der Endung ".nrw" oder ".nrw.de".

Update: Offensichtlich wurden die Daten, die sich die Betrüger durch die Phishing Attacken angeeignet haben, dafür verwendet, Soforthilfegelder im Namen der Betroffenen zu beantragen und in die eigenen Taschen umzuleiten. Laut Informationen von WDR, NDR und SZ hat das LKA eigens eine Ermittlergruppe für Subventionsbetrug eingerichtet. Geprellte Antragsteller berichten von "täuschend echten" Seiten. Es wurden sogar gefälschte Bestätigungs-Mails versendet. Der Schwindel fliegt meist erst dann auf, wenn das zugesagte Geld nicht bei den Betroffenen ankommt.

Noch ist das Antragsformular für die Corona-Soforthilfe in Nordrhein-Westfalen offline. Anträge sollen ab Freitag, 17. April 2020 wieder möglich sein.
Noch ist das Antragsformular für die Corona-Soforthilfe in Nordrhein-Westfalen offline. Anträge sollen ab Freitag, 17. April 2020 wieder möglich sein.

Update vom 15.04.2020: Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat mitgeteilt, dass Anträge auf die Soforthilfe wieder ab Freitag, 17. April 2020, gestellt werden können. Die korrekte Antragsseite kann ausschließlich über https://soforthilfe-corona.nrw.de aufgerufen werden. "Am Ende der Woche nehmen wir das durchgängige digitale Antragsverfahren mit zusätzlichen Sicherheitsprüfungen im Hintergrund wieder auf und starten mit ersten Auszahlungen", verspricht Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart.

Innenminister Herbert Reul warnt indessen weiterhin vor gefälschen Antragsseiten und mahnt zur Wachsamkeit: "Besonders skeptisch sollte man bei für Behörden ungewöhnlichen Endungen von Internet-Adressen wie '.info' oder '.com' sein", rät der Politiker. Spezialisten im LKA werden das "im Rahmen ihres professionellen Monitorings" ebenfalls im Blick behalten.

Damit es Betrügern erschwert wird, Zahlungen auf ihre Konten umzuleiten, erfolgt nun routinemäßig ein Abgleich der Daten mit der Finanzverwaltung. Dazu müssen Antragsteller im Antragsformular eine dem Finanzamt bekannte Bankverbindung angeben.

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