Nach Umsatzeinbruch

So will Euronics-Chef Kober die Trendwende schaffen



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Ein Umsatzrückgang um 7 Prozent im Geschäftsjahr 2010/11 sorgt bei Euronics für Unruhe. Im Interview erklärt Vorstandssprecher Benedict Kober, wie er mit einer forcierten Multichannel-Strategie, neuen Sortiments-Schwerpunkten und einer fortgesetzten Expansion die Trendwende schaffen will.
Euronics-Vorstandssprecher Benedict Kober
Euronics-Vorstandssprecher Benedict Kober

Ein Umsatzrückgang um 7 Prozent im Geschäftsjahr 2010/11 sorgt bei Euronics für Unruhe. Im Interview erklärt Vorstandssprecher Benedict Kober, wie er mit einer forcierten Multichannel-Strategie, neuen Sortiments-Schwerpunkten und einer fortgesetzten Expansion die Trendwende schaffen will.

Sie betrachten sich als Multichannel-Vorreiter - wie weit geht das kanalübergreifende Engagement bei Euronics zurück?

Kober: Die technische Plattform für unsere Multichannel-Strategie wurde bereits vor mehr als fünf Jahren zusammen mit dem Partner Iconpark aufgebaut. Dabei handelt es sich um eine sehr leistungsfähige Basis, die von der Warenwirtschaft über die Logistik bis zu den zentralen Systemen reicht. Dazu gehören Bereiche, bei denen man sich anfangs noch gefragt hat: Wozu brauchen wir das? Doch inzwischen sehen wir, dass in diesem integrativen Ansatz eine große Stärke liegt. Durch die Zusammenarbeit mit der Intershop-Tochter TheBakery haben wir das System zudem noch erweitert und können jetzt auch Industriepartner anbinden.

Wie viele Partner beteiligen sich heute schon am Multichannel-Ansatz von Euronics?

Kober: Die Shop-Funktion wird inzwischen von rund 120 Partnern genutzt. Das Schwergewicht liegt dabei auf den Flächenmärkten. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass es auch die nötigen Ressourcen braucht, um einen Onlineshop zu betreiben. Zum Beispiel kann ein großer Partner einfach besser durchgehend eine schnelle Bestellabwicklung sicherstellen. Das bedeutet aber nicht, dass sich nicht auch unsere kleineren Partner noch in diese Richtung aufmachen müssen.

Können Sie sagen, wie viel Umsatz Euronics mittlerweile Online abwickelt?

Kober: Der Online-Umsatz an unserem Gesamtgeschäft wächst zwar, ist aber noch sehr gering. Wichtiger als diese Zahl ist aber für uns, dass Kunden über unser Online-Angebt dazu kommen, stationär bei uns zu kaufen. Denn uns geht es nicht darum, das schnelle Geschäft im Netz zu machen. Wir würden unsere Kunden nicht glücklich machen, wenn wir nach dem Motto "das Billigste ist das Beste" handeln. Dass das Warenangebot im Elektronikbereich heute oft auf den Preis reduziert wird, ist auch für den Kunden fatal.

Auch wenn Ihr kanalübergreifender Ansatz gut gemeint ist, sind Sie sicher, dass er auch bei den Kunden ankommt? Haben sich im Netz durch Amazon und Notebooksbilliger nicht längst andere Einkaufsgewohnheiten entwickelt?

Kober: Die Marke Euronics hat eine hohe Strahlkraft. Heute gilt das vor allem für den qualifizierten Fachhandel mit stationärer Ausprägung. Viele Kunden wissen noch nicht, dass wir online mit den gleichen Qualitäten an die Sache herangehen. Das Ziel ist es, unseren Servicegedanken auf die Online-Welt zu interpretieren. Und darin liegt unsere Stärke: Selbst wenn ein Kunde online bei uns kauft, hat er doch die Sicherheit, dass dahinter ein Netz von mehr als 2.000 Geschäften in Deutschland steht. Genau deshalb überlegen jetzt auch Onlinehändler wie Amazon, stationäre Filialen zu eröffnen.

Der klassische Online-Kunde ist aber nun einmal stark preisgetrieben. Glauben Sie, dass Ihre sehr auf Qualität zielende Argumentation hier wirkt?

Kober: Auch bei uns gibt es wettbewerbsfähige Angebote. Nur ist es so, dass Sie bei Euronics noch ein Stück mehr erhalten. Die Leute haben gerne eine Kombination aus beidem und wollen auch einen guten Service. Amazon hat zwar auch einen tollen Service. Aber dafür sind es bei uns nur 5 km bis ins nächste Geschäft.

Sie gehen also davon aus, dass Sie mit der Kombination von stationärem Fachhandel und Online-Geschäft auch in 10 Jahren noch wettbewerbsfähig sind?

Kober: Ja, weil die persönliche Beziehung zwischen einem Kunden und dem qualifizierten Personal im Geschäft auch in 10 Jahren noch eine große Rolle spielen wird. Zudem verändern sich Menschen mit dem voranschreitenden Lebensalter. Wer heute als Student nur wenig Geld hat und deshalb viel Zeit mit der Suche nach billigen Angeboten im Internet hat, wird in 10 Jahren vielleicht mehr Geld aber weniger Zeit haben. Und dann ist derselbe Kunde froh über guten Service und Beratung und ist gern bereit, auch noch 100 Euro für eine Dienstleistung draufzulegen. Von der Verhältnismäßigkeit her wird der Online-Kauf sicherlich zulegen, doch bin ich mir sicher, dass das stationäre Geschäft bestehen bleibt. Da stehen einfach menschliche Grundbedürfnisse dahinter.

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