Was plant Avaya mit den VoIP-Partnern?

Ein Jahr Nortel-Bankrott - eine Bestandsaufnahme

15.01.2010
Vor einem Jahr meldete der kanadische Netzwerker Nortel Konkurs an. Seitdem wurde das Unternehmen zerschlagen - ein Überblick.

Als Nortel Networks, Kanadas größter Netzwerkanbieter, vor genau zwölf Monaten den Gang zum Konkursrichter antreten musste, war das Drama um den Netzwerker noch nicht zu Ende. Nicht nur, weil über 30.000 Mitarbeiter weltweit nicht wussten, wie es weitergehen würde, sondern weil Nortel allerhand Sparten in Besitz hielt, die für konkurrierende Netzwerker und VoIP-Anbieter einen lohnenden Kauf darstellten. Immerhin war Nortel VoIP-Marktführer in Nordamerika und verkaufte dort mehr Software-Switches für IP-Telfone als die Konkurrenten zusammen; des Weiteren war Nortel im Mobilfunkmarkt der größte Carrier-Ausrüster.

Zwar verneinte Nortel anfangs jegliches Interesse an einem Verkauf und damit an seiner Zerschlagung, doch die Gefolge des Insolvenzantrages (nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechtes) sich offenbarende tatsächliche Verschuldungshöhe des Unternehmens sowie der Zusammenbruch des Finanzsystems und die dadurch sich deutlich verschlechternde Kreditsituation der Carrier und TK-Ausrüster lies den Kanadiern keine andere Wahl: Sie mussten daran gehen, profitable Geschäftseinheiten zu verkaufen.

Die Konsequenz: Seit Januar 2009 hat Nortel folgende Geschäftseinheiten verkauft: Im Juli 2009 ging die Tausende Mitarbeiter zählende Mobilfunksparte (CDMA und dessen Nachfolger LTE) für 794 Millionen Euro an den schwedischen TK-Ausrüster Ericsson, der sich davon den Einstieg und Durchbruch in dem lukrativen US-Geschäft mit Carriern verspricht; im September war dann VoIP-Spezialist Avaya am Zug: Er kaufte für rund 635 Millionen Euro das Enterprise-Telefoniegeschäft mit rund 6.000 Mitarbeitern. Des Weiteren gingen verbliebene Teile des LTE-Geschäftes für magere sieben Millionen Euro an das japanische Unternehmen Hitachi; für rund 196 Millionen Euro wechselte die Abteilung CVAS (Carrier VoIP and Application Solution) mit 2.200 Mitarbeitern zu dem amerikanischen IP-Spezialisten Genband; in einer zweiten Offerte sicherten sich Ericsson und Kapsch das GSM-Geschäft mit 630 Mitarbeitern für rund 103 Millionen Euro; und schließlich konnte sich der amerikanische Carrier-Ausrüster Ciena Ende Dezember das MEN-Geschäft (Metro Ethernet Networks) und 2.200 Mitarbeiter für rund 535 Millionen Euro sichern.

(Anmerkung: In den Fällen Ericsson und Ciena wurde der Konkurrent Nokia Siemens Networks (NSN) überboten; dass NSN im Fall MEN nicht einmal die Hilfe eines Finanzinvestors half, muss man als garantiert schlechte Pointe für das Joint Venture werten, zeigt es doch zumindest ungefähr an, wie wenig die Joint Venture-Partner Nokia und Siemens bereit sind, in ihr Unternehmen zu investieren.)

Während dieser Verkäufe gab Nortel Lenker Mike Zafirovski seine Posten ab; er hatte im Januar erklärt, der Bankrott ermögliche Nortel einen Neuanfang; als aber der vormalige Motorola-Chef im August mit rund zwölf Millionen Dollar Abfindung demissionierte, stand fest, dass Nortel unwiederbringlich abgewickelt wird und sämtliche Millionen aus den Verkaufserlösen an die Gläubiger gehen würden. Zum Zeitpunkt des Bankrotts hatte Nortel mehr als zwei Milliarden Dollar Schulden angehäuft.

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