Der schwierige Umgang mit sensiblen Daten

Ab in die Cloud und weg

19.03.2015 von Frank von Stetten
Vielen Arbeitnehmern sind die Unternehmensrichtlinien im Bezug auf Cloud-Dienste nicht bekannt. Um so wichtiger ist es, dieses Arbeitsumfeld so sicher wie möglich zu gestalten.
Wohin mit sensiblen Unternehmensdaten? Nicht alles darf in die Cloud. Und das sollte gegenüber den Mitarbeitern klar kommuniziert werden.
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Jeder fünfte Mitarbeiter nutzt nicht genehmigte Cloud-Dienste zur Übertragung sensibler Unternehmensdaten. Das ist ein Ergebnis der siebten jährlichen weltweiten Market-Pulse-Studie von SailPoint und dem Marktforschungsinstitut Vanson Bourne. Befragt wurden 1.000 Angestellte großer Unternehmen - unter anderem aus Großbritannien, den USA und Deutschland.

Unternehmensregeln für sensible Informationen sind meistens unbekannt

Eine mögliche Ursache für den lässigen Umgang mit sensiblen Informationen liefert die Studie gleich mit: Nur wenige Arbeitnehmer kennen die Unternehmensregeln, die den Zugriff auf geschäftskritische Unternehmensdaten - speziell über die Cloud - regeln.
Das ist bedenklich, denn aufgrund der Nutzung nicht genehmigter Cloud-Dienste verlieren Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten - auch über ihre Kronjuwelen. Deshalb ist es wichtig, Management und Mitarbeiter in Bezug auf den Umgang mit geschäftskritischen Daten zu sensibilisieren.

Der Wert einer Information

Kein Unternehmen kann alle seine Informationen gleich gut schützen. Sie sollten deshalb auf die wirklich wertvollen Daten fokussieren. Der Wert einer Information hängt vom Schaden ab, der entsteht, wenn sie in falsche Hände gerät. Dem potenziellen Schaden entsprechend wird die Information einer Vertraulichkeitsklasse zugeordnet. Typische Vertraulichkeitsklassen sind:

Die Informationen der Vertraulichkeitsklassen "Confidential" und "Strictly Confidential" werden als "sensibel" bezeichnet. Für sie gelten besondere Schutzmaßnahmen. Beispielsweise dürfen sie nur verschlüsselt transportiert und sollten nur an zwingend erforderliche Nutzer verteilt werden. Insbesondere ist die Nutzung von nicht genehmigten Cloud Services in den meisten Unternehmen für sensible Informationen tabu.

Datenschutz und Datensicherheit
Datenschutz und Datensicherheit
Saugatuck hat einen Fragenkatalog zur Security im Cloud Computing zusammen gestellt, den Interessenten Ihrem potenziellen Cloud-Provider vorlegen sollten.
Fachliche Anforderungen
Wie kann der Kunde auf seine Daten zugreifen oder diese wiederherzustellen?
Fachliche Anforderungen
Wie wird Sicherung der Daten einschließlich Disaster Recovery gewährleistet?
Fachliche Anforderungen
Wie, in welchem Format und nach welchen Umständen oder Bedingungen werden bei Vertragsende die Daten des Kunden an ihn übergeben?
Die Technik für Datenschutz und -sicherheit
Sind die Rechenzentren uneingeschränkt, rund um die Uhr, physikalisch und auch nach Mehr-Personen-Prinzip gesichert?
Die Technik für Datenschutz und -sicherheit
Ist es sichergestellt, dass das Personal des Providers weder Zugang zu den Benutzerpasswörtern und Berechtigungen des Anwenders hat noch diese einsehen kann?
Die Technik für Datenschutz und -sicherheit
Werden die Vorschriften zu Passwortrichtlinien, Zugriffsbeschränkungen, Anmeldeprotokollierungen, Datenzugriffsmodellen sowie zum Feldebenenzugriff dokumentiert?
Die Technik für Datenschutz und -sicherheit
Werden alle Passwörter verschlüsselt übertragen?
Die Technik für Datenschutz und -sicherheit
Gibt es ein sicheres Session-Key-Management und besteht eine Multi-Tenant-Datenzugriffskontrolle?
Die Technik für Datenschutz und -sicherheit
Werden Sicherheitsverstöße überwacht? Werden Eindringversuche (Intrusion Detection) und sicherheitsrelevante Vorfälle (Security-Event-Management) dokumentiert?
Transaktionen im Internet
Gibt es eine 128-bit SSL-Verschlüsselung für jede Transaktion?
Transaktionen im Internet
Liegen Verisign-Zertifikate vor?
Transaktionen im Internet
Werden Perimeter und Firewalls ständig überwacht? Sind Intrusion Detection sowie vorausschauendes Log-File-Monitoring Standardverfahren?
Sicherheitsmonitoring
Werden erfolgreiche und fehlgeschlagene Logins dokumentiert?
Sicherheitsmonitoring
Werden Eindringversuche (Intrusion Detection) und sicherheitsrelevante Vorfälle (Security-Event-Management) dokumentiert?
Interoperabilität mit On-Premise-Anwendungen
Welchen Einfluss haben Security-Architekturen und -Praktiken des Cloud-Providers auf die lokalen Installationen des Anwenders?
Interoperabilität mit On-Premise-Anwendungen
Legt der Betreiber der Multi-Tenancy- und Cloud-Plattform die verwendeten Techniken und Abläufe für das Data-Partitioning offen und dokumentiert sie?
Gesetzliche Anforderungen
Ist bei Speicherung von personenbezogenen Daten außerhalb der Grenzen des Europäischen Wirtschaftsraumes ein angemessenes Schutzniveau gewährleistet, wie es das Bundesdatenschutzgesetz vorschreibt (Paragraf 4b Absatz 2 Satz 2 BDSG)?
Gesetzliche Anforderungen
Ist es sichergestellt, dass ausschließlich solche Anwender auf Anwendung und deren Daten zugreifen können, die auch dazu berechtigt sind?
Gesetzliche Anforderungen
Können personenbezogenen Daten bei der Verarbeitung, Nutzung und nach Speicherung nicht unbefugt gelesen, kopiert, verändert oder entfernt werden?
Gesetzliche Anforderungen
Lässt sich nachträglich prüfen und feststellen, ob und von wem personenbezogene Daten in Anwendungssystemen eingegeben, verändert oder entfernt worden sind?
Gesetzliche Anforderungen
Können zu unterschiedlichen Zwecken erhobene personenbezogene Daten getrennt verarbeitet werden?

Vertraulichkeitsklassen bekannt machen

Damit Informationsklassifizierung im Unternehmen gelebt wird, muss die Belegschaft die Vertraulichkeitsklassen kennen. Leider ist dies oft nicht der Fall.
Die Veröffentlichung und Kenntnisnahme einer Sicherheitsrichtlinie mit Vertraulichkeitsklassen reicht nicht aus. Die Klassen werden nicht gelernt und verstanden, Informationen werden folglich nicht klassifiziert. Abhilfe schaffen klassische Security-Awareness-Maßnahmen wie Präsenztrainings oder Erklärvideos. Bewährt haben sich auch Workshops auf Abteilungsebene, in denen die Mitglieder einer Abteilung ihre täglich genutzten Informationen in die entsprechenden Klassen einteilen.

Doch auch der Lerneffekt solcher Trainings und Workshops hat eine relativ kurze Halbwertszeit, wenn die Informationsklassifizierung nicht nachhaltig unterstützt wird. Dafür gibt es mittlerweile verschiedene Tools zur Informationsklassifizierung am Markt. Manche automatisieren beispielsweise die Klassifizierung über die Verschlagwortung von Inhalten. Andere Lösungen fordern den Mitarbeiter bei der Erstellung eines Dokuments auf, dieses entsprechend zu klassifizieren. Meist sind auch bestimmte Restriktionen integriert: beispielsweise automatisierte E-Mail-Verschlüsselung beim Versand vertraulicher Informationen.

Entscheidend ist, den Nutzen der Informationsklassifizierung sauber zu kommunizieren und die Klassifizierung im Alltag wirklich zu verankern. Die Praxis zeigt, dass man hierbei am Anfang nicht zu restriktiv agieren sollte. Denn wird das Thema Informationsklassifizierung bei Mitarbeitern als "unsinniger Mehraufwand" wahrgenommen, ist es extrem schwer, diese negative Einstellung wieder zu verändern. Und ohne aktive Mithilfe der Mitarbeiter und des Managements kann Informationsklassifizierung nicht erfolgreich sein. Weitere Informationen zur Informationsklassifizierung und sicheren Datenaustausch finden sich im IS-FOX Security Blog. (bw)