Dr. T.'s Sprechstunde

Alles auf Vorrat

12.11.2007

Lieber Dr. T., jetzt kommt ja die Vorratsspeicherung von Kommunikationsdaten, bei der alle Telefonate, E-Mails und Internetverbindungen für sechs Monate aufbewahrt werden müssen. Ist das nicht völliger Wahnsinn, und welche Folgen hat das für unsere Branche?

Vorratshaltung ist eine sehr vernünftige Sache. Ich zum Beispiel verwende den kompletten Nordflügel meiner 280 Quadratmeter großen Schwabinger Altbauwohnung ausschließlich zur Lagerung meiner Miracoli-Vorräte (entschuldigen Sie, aber ohne die gezielte Platzierung von Schleichwerbung könnte ich die Wohnung nicht bezahlen). Ob der Schnee stürmt, die GDL streikt oder der Diesel 2,50 Euro kostet mir egal, ich habe immer genügend Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe im Haus, um auch über die härtesten Zeiten zu kommen.

Genauso positiv sehe ich die Vorratsspeicherung von Daten und ich bin nicht allein. Auch meine Kumpels aus der Storage-Branche sind begeistert schließlich soll pro Jahr ein Speicherbedarf von 40.000 Terabyte neu entstehen. Prima Lobby-Arbeit geleistet, sage ich da nur. Das ist fast so, also ob Christan Wulff jeden Niedersachsen dazu verpflichten würde, zwei Schachteln Stuyvesant pro Tag zu rauchen, nur weil ihm die Zigarettenindustrie sein Sommerfest bezahlt hat. Die Kosten für die Speicherung (und für die Zigaretten natürlich auch) übernehmen selbstverständlich die Kunden. Das bedeutet höhere Preise und für Sie als Händler höhere Margen eine klassische Win-Win-Win-Win-Win-Situation, zu der ich Sie am Ende des Tages gerne mit ins Boot holen möchte.

Aber das ist nicht der einzige Vorteil für Händler. Durch die Speicherung entstehen völlig neue Business Opportunities, wie der überbezahlte Consultant sagen würde. Als Schäuble Platin Communications Data Reseller können Sie zum Beispiel das Informationsbedürfnis der kasachischen Regierung, der Plattenindustrie oder eines Nudelfertiggerichtherstellers befriedigen gegen fürstliche Bezahlung, versteht sich. Die notwendigen Schnittstellen zu den Datenspeichern finden Sie demnächst auf den einschlägigen Hacker-Seiten.

Abgesehen vom Handel werden aber vor allem Schwerverbrecher und Terroristen von der Vorratsdatenhaltung profitieren. Schließlich ist eine Stecknadel umso schwerer zu finden, je größer der Heuhaufen ist. Die Ermittlungsbehörden sind ja schon heute überfordert, wo sie nur auf vergleichsweise spärliche Informationen zugreifen können. So soll ein Staatsanwalt bei einem Internet-Provider die Kommunikationsdaten eines Verdächtigen per Fax angefordert haben. Als dieser ihm dann 450.000 Seiten schicken wollte, hatte der Ermittler plötzlich keine Lust mehr.

Also kommunizieren Sie, was das Herz begehrt, bloß nicht mit Islamisten, Pakistanis, der US-Regierung, Ihrer Frau oder einem Nudelfertiggerichthersteller, rät Ihnen

Ihr Dr. T.

P.S.: Wollen Sie nicht mal zum Essen bei mir vorbeikommen? Ich hätte da ein leckeres Nudelfertiggericht, das dringend weg muss.

Dr. T. ein Fan der Vorratshaltung. Foto: Beate Wöhe/Kraft
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Dr. T.'s Sprechstunde gibt es nicht auf Vorrat, sondern alle 14 Tage frisch in ChannelPartner sowie im CP forum. Wollen auch Sie ein leckeres Nudelrezept oder eine Frage loswerden? Dann schreiben Sie an thafen@channelpart ner.de. Ihre Daten werden selbstverständlich gespeichert und an Wolfgang Schäuble verkauft.