OEM-Abkommen mit Juniper

Dell attackiert Cisco

28.10.2009
Mittels OEM-Partnerschaft mit Juniper Networks will sich Dell auch als Anbieter kompletter Netzwerke und Rechenzentren profilieren. Analysten räumen den OEM-Partrnern gute Chancen ein.
Das OEM-Abkommen von Dell und Juniper Networks leitet neue Etappe im Kampf um Rechenzentren ein. Und Cisco wird ein ernsthafter Konkurrent erwachsen.

Noch vorige Woche hüllten sich die Dell-Manager Sabine Bendiek und Joachim Ackermann in beredtes Schweigen gegenüber ChannelPartner, als sie gefragt wurden, wielange Dell noch auf seiner offensichtlichen Portfolio-Beschränkung auf LAN-Komponenten beharren wolle. Beide erklärten, diese Beschränkung werde nur mehr von vorübergehender Dauer sein - schließlich wolle Dell als Anbieter kompletter IT-Infrastrukturen sich positionieren.

Der Vorausschau folgen nun Taten: Der texanische Computerbauer gab jetzt bekannt, er sei ab sofort mittels einer OEM-Partnerschaft mit Netzwerker Juniper Networks in der Lage, neben Switches auch Router sowie ein einheitliches Netz-Betriebssystem anzubieten. Damit, so Dell, könne es Kunden eine sichere und einheitliche Netzinfrastruktur für alle Anforderungen - vom Rechenzentrum bis zu Zweigstellen - anbieten. Das soll unter der Marke "PowerConnect" geschehen, und man kann jetzt schon gespannt sein, wie Dell dieses Angebot in seinen indirekten Kanal bringen wird.

Im Detail liest sich das so: Ab sofort wird Dell Junipers Service Router der MX-Serie, die EX-Ethernet-Switches sowie die Service-Gateways der SRX-Serie vermarkten. Zusammen gehalten wird diese Netzinfrastruktur von Junipers Netzwerkbetriebssystem Junos. Dass sich Junipers Produkte mit den von Dell ebenfalls angebotenen Switches von Brocade-Tochter Foundry überschneiden, räumte das texanische Unternehmen ein. Nun hätten die Kunden die Wahl zwischen Komponenten, wobei Brocades Schwerpunkt eher im Storage-Bereich liege..

Eigenen Angaben zufolge wird Dell zunächst nicht nur die Vermarktung, sondern auch den Service und Support übernehmen.

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Darüber hinaus vereinbarten Cisco-Konkurrent Juniper und die Texaner, an offenen, standard-basierenden Lösungen für virtualisierte Rechenzentren zu arbeiten. Beide Unternehmen legen dabei die Spezifikationen des bestehenden IEEE-Standard Converged Enhanced Ethernet (CEE) beziehungsweise Data Center Bridging (DCB) und iSCSI zugrunde. Sie sollen die Grundlage künftiger Rechenzentren bilden.

Cisco bietet dagegen mit dem "Data Center Ethernet" eine eigene CEE-Version an; des Weiteren setzt der weltgrößte Netzwerker auf den erst als Vorversion (Draft) formulierten Standard Fibre Channel over Ethernet (FCoE), um Speichernetze zu verbinden.

Möglich ist auch, dass Dell sich der Cloud-Computing-Initiative "Stratus Project" von Juniper anschließt; beide Unternehmen wollten dazu nichts sagen.

Starkes Bündnis gegen Cisco

Mit dem Bündnis dürfte Cisco noch mehr Gegenwind als bisher entgegen blasen, wen es um komplette Netzwerk- und IT-Infrastrukturen geht.

Denn seit dem Eintritt Ciscos in den Markt für Rechenzentren Mitte März haben sich IT-Riesen wie IBM und HP sowie Spezialisten wie Storage- und Switches-Anbieter Brocade mit Koalitionen gegen den Netzwerkriesen neu formiert. Dabei wurden die alten Bündnisse, die Cisco mit Dell, IBM und HP unterhielt, deutlich strapaziert, nach Ansicht vieler Marktbeobachter sind sie auf dem besten Weg, zu den Akten gelegt zu werden.

Das gab Cisco auch auf seiner Hausmesse Cisco Expo" vergangene April zu, also es sagte, der Markt habe sich verändert, weshalb es künftig im Wettbewerb mit bisherigen Partnern stehen werde.

Analysten sind sich einig, dass das OEM-Abkommen beiden Beteiligten die Tür zu neuen Kunden und neuen Channels öffnet.

Während Dell sich mit dem Netzangebot Kunden sichern könne, die der monolithischen Cisco-Architektur nicht trauten, könne Juniper, das traditionell stark im Telekommunikations- und Enterprise-Markt ist, nunmehr neue Kunden über die Dell-Kanäle erschließen. Zudem könnten die neuen Partner die Handvoll Netzkonkurrenten wie Extreme und Enterasys sowie die gerade sich auflösende Nortel weit hinter sich lassen.

Zeus Kerravala, Analyst bei Marktforscher Yankee Group, sagte gegenüber der Schwesterzeitung von ChannelPartner, Network World, sogar, dass dieses OEM-Abkommen "eine neue Landkarte in Sachen Netzwerke und Computer" zeichnen könnte. "Die alten Verhältnisse" - hier Cisco mit weltweit rund 75 Prozent Marktanteilen bei Netzwerkkomponenten, und 25 Prozent für alle übrigen Netzwerker - gehörten vermutlich der Vergangenheit an. Und er sagte, Cisco müsse sich darauf einstellen, dass seine Netzwerkkonkurrenten jetzt IBM, HP, Dell, Juniper und Brocade heißen. (wl)