Warum sich VDI nur selten lohnt

Desktop-Virtualisierung - ein Flop?

22.08.2012 von Ariane Rüdiger
Konzepte zur Desktop-Virtualisierung wie VDI konnten sich bisher nicht auf breiter Front durchsetzen. Das hat sowohl technische, als auch finanzielle Gründe.
„Derzeit sind nur zwei Prozent der Desktops weltweit als VDI realisiert“, Chris Wolf, Vice President Research bei Gartner.
Foto: Gartner

Ganze ein bis zwei Prozent der weltweit installierten 15 Millionen Desktops werden derzeit im Rahmen einer VDI (Virtual Desktop Infrastructure)-Implementierung komplett direkt vom Server geladen. Das jedenfalls berichtet Chris Wolf, Vice President Research bei Gartner. Bedenkt man, dass die Technologie schon seit Jahren offensiv beworben wird, ist das nicht sonderlich viel. Immerhin soll der Anteil der Desktops, die über VDI bereitgestellt werden, bis 2015 auf 8 bis 10 Prozent steigen - das wäre eine Vervierfachung, aber noch längst keine breitflächige Implementierung. Das Marktvolumen des weltweiten VDI-Marktes gibt IDC für 2011 mit rund 600 Millionen US-Dollar an, der westeuropäische Anteil liegt bei knapp 20 Prozent. Bis 2015 soll der weltweite Umsatz mit VDI auf 1,15 Milliarden Dollar gestiegen sein.

Dass die Durchsetzung eines, zumindest oberflächlich betrachtet, einleuchtenden Konzepts auf sich warten lässt, ist an sich nichts Neues. Bei VDI stehen den unbestreitbaren Vorteilen - einheitliche und einfachere Verwaltung aller einbezogenen Desktops sowie dadurch bedingt auch eine höhere Sicherheit - eine Reihe spezifischer, aber anscheinend sehr gewichtiger Hemmschuhe gegenüber. Wolfgang Schwab, Manager Advisor & Program Manager Efficient Infrastructure bei der Experton Group, verweist zunächst auf die technisch unreifen ersten Produktgenerationen.

Acht Tipps für virtuelle Clients
CIO der Dekade
Die begehrten Pokale gab es für insgesamt sechs Preisträger.
CIO der Dekade
Klaus Straub, CIO der Audi AG, ist CIO der Dekade. Neben dem Pokal nahm er von Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein eine Flasche Rotwein aus dem Jahr 2001 entgegen.
CIO der Dekade
Und noch ein Preis für Klaus Straub: Die Gewinner der Kategorie "Wertbeitrag der IT" sind Audi-CIO Klaus Straub (links) und - nicht im Bild - Michael Gorriz, CIO der Daimler AG. Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Accenture, hielt die Laudatio für beide Preisträger in dieser Kategorie.
CIO der Dekade
Gewinner der Kategorie "Überzeugungsstärke im Unternehmen": Rainer Janßen, CIO der Munich Re zusammen mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein auf der Bühne.
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Gewinner der Kategorie "Internationale Ausrichtung": Guus Dekkers (links), CIO bei EADS und Patrick Naef, CIO von Emirates.
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Gewinner in der Kategorie "Strahlkraft in die Gesellschaft": Lufthansa-CIO Thomas Endres (links) neben Johannes Pruchnow, Managing Director Business bei Telefónica.
CIO der Dekade
Alle anwesenden Preisträger.

"Die Tests mit den VDI-Produkten der ersten Generation vor drei bis vier Jahren verliefen allesamt unerfreulich", fasst er zusammen. Und wenn im Ernstfall das Rechenzentrum stehe, weil VDI versagt, sei das ein Risiko, das niemand ernsthaft eingehen wolle. Heute seien die Produkte zwar stark verbessert, doch "jeder erinnert sich noch an die Anfangsjahre und zögert deshalb." Als besonders tückisch erweisen sich in der Praxis immer wieder hohe Bootlasten, wenn viele Mitarbeiter gleichzeitig ihre Rechner starten. Kritisch sind auch gleichzeitige Updates auf vielen Clients und ähnliche synchrone Aktivitäten. Sie können die Rechenlast schnell nach oben und die Leistung der VDI genauso rasch nach unten drücken.

VDI ist nur eine von vielen Möglichkeiten zur Client-Virtualisierung

Die überwiegende Mehrzahl der von Experton befragten Teilnehmer einer Untersuchung zum Thema Desktop-Virtualisierung will in Server Based Computing investieren.
Foto: Experton

Hinzu kommt, dass es unkompliziertere und vor allem billigere Möglichkeiten gibt, die Applikationen auf den Rechnern der Anwender zu kontrollieren. In einer Studie der Experton-Group zum Thema Client-Computing zeigte sich, dass 80 Prozent der Anwender heute bereits Server Based Computing (Presentation Virtualization) einsetzen, also eine Virtualisierungsform, bei der sich mehrere Anwender eine Applikationsinstanz auf dem Server teilen.

Das bringt Sicherheit, verringert den Managementaufwand und sorgt für geringere Lizenzkosten als sie bei VDI anfallen, wo häufig jede virtuelle Maschine eine gültige Lizenz der dort installierten Softwareprodukte braucht. Zudem können die Anwender im Prinzip auf alle zum Anwendungsangebot gehörigen Programme zugreifen, sobald sie eine Berechtigung haben. Bei einer VDI müsste eine neue Applikation erst zu der entsprechenden virtuellen Maschine gepackt werden, bis ein Anwender, der sie bisher nicht brauchte, darauf zugreifen kann.

Entsprechend sehen laut Experton die Marktprognosen für Client-Virtualisierungstechnologien in Deutschland aus: Managed Desktops (Image des Desktops auf dem Server, das jedem Anwender zugespielt wird) kommen demnach 2012 auf 28 Millionen Euro, Application Streaming (Applikationen werden auf dem Server paketiert vorgehalten und laufen auf dem Client) bringt 135 Millionen Euro, Server Based Computing kommt auf einen Umsatz von 582 Millionen Euro.

Echtes VDI, sprich Desktop und alle Programme laufen in einer zum User gehörigen virtuellen Maschine, soll 101 Millionen Euro bringen. Damit wächst der Anteil von VDI gegenüber dem Vorjahr gerade einmal um 1 Prozent, während der von Server Based Computing um über 15 Prozent zulegt. Bei den Zukunftsinvestitionen sieht es kaum anders aus: "80 Prozent der von uns befragten Anwender wollen in Server Based Computing zum Teil erheblich investieren", sagt Schwab. Da bleibt für die technologischen Alternativen nicht mehr viel übrig. Auch insgesamt ist das Interesse überschaubar: Rund 23 Prozent der befragten Anwender wollen überhaupt Budget für Client-Virtualisierungslösungen bereitstellen.

Zehn IT-Bereiche mit Handlungsbedarf
Zehn IT-Bereiche mit Handlungsbedarf
Client-Strategie, Virtualisierung, Cloud oder Business Intelligence - viele IT-Leiter sind in diesen Bereichen nicht auf der Höhe der Zeit. Experton-Analyst Luis Praxmarer hat 10 Technologiebereiche identifiziert, für die im Jahr 2012 unbedingt Handlungsbedarf besteht.
1. Traditionelle Clients
Für WINTEL Client-Installationen steht im Jahr 2012 eigentlich die Migration nach Windows 7 an. Für ein Hinausschieben und Verzögern dieser Migration spricht nicht viel. Die Auswahl der richtigen Lizenzierungs- und Wartungsstrategie ist sehr wichtig. Dieser Bereich ist zwar nicht von strategischer Bedeutung, hat aber starke Auswirkungen auf die Client- und Supportkosten. Windows 8 kommt in Einzelfällen bereits zum Einsatz; eine Bereinigung der Betriebssystemlandschaft ist sehr zu empfehlen.
2. Neue Client-Strategie
Parallel zur Migration und Bereinigung der Windows-Umgebung verzeichnen Smartphones und Tablets einen stark steigenden Nutzungsgrad. Deshalb stehen eine Evaluierung einer BYOD- (Bring Your Own Device) Strategie und Tests für eine ausgewählte Gruppe an. Wegen der schnellen Veränderungen im Markt, der vielen Betriebssysteme und der hohen Komplexität sollten nicht gar zu viele gerätespezifische Apps entwickelt werden.
3. Virtualisierung
Nachdem die meisten Unternehmen die Servervirtualisierung in Angriff genommen haben - auch wenn die Durchdringungsrate in vielen Fällen bei nicht einmal 30 Prozent liegt - stehen nun Client- und Storage-Virtualisierung an. Die Client-Virtualisierung soll die Kontrolle über und das Management von BYOD-Umgebungen ermöglichen und gleichzeitig auch in Zukunft die Sicherheit der Unternehmens-Apps gewährleisten. Mit der Applikationsvirtualisierung wurde bislang nur in wenigen Unternehmen begonnen.
4. Cloud Computing
Cloud Computing wird in allen IT-Bereichen vorangetrieben, von IaaS oder Storage as a Service im Unternehmensumfeld bis hin zu eher privaten Nutzungsszenarien und SaaS-Applikationen. Die IT-Abteilung muss Technologien für den gesamten Stack einer Untersuchung unterziehen, die bestehende Architektur sowie die Unternehmensanforderungen auf den Prüfstand stellen und eine entsprechend angepasste Strategie entwickeln. Anhand von Pilotprojekten können erste Erfahrungen gewonnen werden.
5. Enterprise 2.0
Web 2.0 hält in den Unternehmen Einzug und wird bereits von einigen genutzt; viele sind damit aber eher überfordert. Anstatt auf statischen Webseiten eine Fülle an Informationen anzubieten, hat sich das Spiel jetzt drastisch verändert. Die meisten Unternehmen haben Schwierigkeiten damit, die damit verbundenen Möglichkeiten zu verstehen und sie in ihre IT-Systeme mit einzubeziehen oder gar eine Integration ins Auge zu fassen.
6. BI/EPM/BPM, Big Data
Dieses Thema spielt aus einer anderen Perspektive auch bei den CIO-Prioritäten eine Rolle, muss aber auch aus technologischer Sicht analysiert werden. In den meisten Unternehmen finden sich isolierte BI-Lösungen, hinter denen keine klare Stammdatendefinition steht; damit ist es schwierig, den nächsten Schritt zu tun und diese Insellösungen in eine unternehmensweite Enterprise Performance Lösung zu integrieren. Im Bereich Big Data bzw. große Datenvolumen müssen eine ganze Reihe von technologischen Herausforderungen untersucht werden.
7. Identitätsmanagement
Das Thema Identitätsmanagement steht schon seit einer ganzen Weile auf den Prioritätenlisten ganz weit oben; jetzt gewinnt es auch im Zuge der Cloud-Implementierung eine fundamentale Bedeutung. Hier muss ein Framework entwickelt werden, um unter anderem Themen wie Single Sign-On, Provisioning, Rückverrechnung und Sicherheit zu adressieren. Identitätsmanagement ist ein Schwerpunktthema für das Computing der Zukunft, denn der Zugriff erfolgt von überall aus und über alle Arten von Endgeräten.
8. ERP, CRM, SCM Future
In den meisten IT-Organisationen existiert mittlerweile eine solide und stabile ERP-Umgebung. Sie funktioniert, aber agil ist sie nicht, und was noch schlimmer ist, sie kostet ein Vermögen. In manchen Unternehmen wird bis zu ein Prozent des Gesamtumsatzes in den ERP-Betrieb gesteckt. Das ist in Zukunft nicht mehr akzeptabel und muss im Laufe der nächsten Jahre signifikant verbessert werden. Die vorhandenen ERP-Lösungen sind zudem veraltet und müssen nach und nach modernisiert werden.
9. Software as a Service
Software as a Service ist Bestandteil des Cloud Computings, muss aber auch aus einer anderen Perspektive angegangen werden. Viele IT-Organisationen haben mit IaaS (Infrastructure as a Service) so ihr Probleme, doch die Nutzer profitieren von SaaS. Viele Lösungen, die oft nur für eine kleine Gruppe von Anwendern benötigt werden, können jetzt sehr schnell und kostengünstig genutzt werden und sorgen so für einen unmittelbaren Mehrwert und Nutzeneffekt. Hinzu kommt, dass die Generation der "Digital Natives" mit dieser Art des Computings voll und ganz vertraut ist.
10. Konsumerisierung
Mit der Einführung des iPods hat Apple das traditionelle Computer-Geschäft verlassen. Durch den Fokus auf die Verbraucher wurde Apple zur Computerfirma mit dem höchsten Unternehmenswert und hat mit dem iPhone und dem iPad den Weg zurück ins Unternehmen geschafft. ARM Chips, wie sie in Smartphones zum Einsatz kommen, verfügen über ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis im Serverumfeld und bieten Intel als Konkurrenz die Stirn. Google und Amazon sind weitere Beispiele für den zunehmenden Konsumerisierungstrend, der von der IT berücksichtigt werden muss.

VDI erfordert oft Speicher-Upgrade

Bei einer Tablet-Studie von IDC aus dem Jahr 2011 erkoren die Befragten Desktop-Virtualisierung zum wichtigsten Thema.
Foto: IDC

Ein weiteres Problem der VDI ist der Speicherbedarf im Rechenzentrum. "Man braucht für VDI effizientere SAN-Storage, und die ist teuer", betont Varun Srikumar, Analyst bei IDC. "Gerade das Argument, die Kosten von VDI wären geringer, stimmt meistens nicht", sagt der Marktforscher. Das bestätigt auch Gartner-Analyst Wolf: "Bis zu 60 Prozent des VDI-Budgets geht für Storage drauf", berichtet er. Denn bei VDI müssten pro Anwender, von denen jeder ja eine eigene virtuelle Maschine nutzt, oft 15 bis 20 GByte Daten - diese aus Sicherheitsgründen auch noch dupliziert - im Rechenzentrum gehalten werden. "Das sind bei 100 Anwendern schon 20 TByte", sagt Wolf. Und das ist offensichtlich zu viel, um Begeisterung für die Technologie auszulösen. So lägen die Kosten pro virtuellem Desktop bei der gleichen bis hin zur 1,7-fachen Summe der Kosten für einen klassischen Desktop.

Häufig wird der Trend, eigene intelligente Systeme mit in die Unternehmen zu bringen (Bring Your Own Device, BYOD) als Argument für VDI-Infrastrukturen ins Feld geführt. Doch auch BYOD ist längst nicht so einfach wie manche Hersteller es gerne glauben machen. Deshalb zögern die Anwender. So setzen in der Experton-Umfrage gerade einmal fünf Prozent der Befragten BYOD um, weitere 15 Prozent haben es geplant. Einer von sicher vielen Gründen für die gebremste BYOD-Begeisterung: die Lieblingsplattform der BYOD-Verfechter, Apples iPad, verliert in Kombination mit konventionellen Windows-Plattformen viel von ihrem Charme: Die Wisch-und-weg-Bedienung funktioniert nicht, statt dessen müssen sich Anwender wie schon immer mit den Office-gängigen Bedienungshilfsmitteln herumschlagen, betont Schwab.

Auch Gartner-Analyst Wolf sieht in den allgegenwärtigen Windows-Applikationen einen Hemmschuh für BYOD-Infrastrukturen mit VDI: "Windows-Anwendungen werden wir noch mindestens zehn Jahre haben, und da die unpraktisch zu migrieren sind, wird der dominierende mobile Client weiterhin ein Netbook oder ein Windows-PC sein."

Mangelendes Verständnis für VDI-Techniken

Das sieht Gartner in einem Arbeitspapier über Argumente für VDI vom Januar 2012 allerdings anders. Hier wird BYOD als wichtiges Argument für alle Desktop-Virtualisierungstechnologien gesehen. Ebenfalls wichtig ist danach das vereinfachte Management. Bevor das zu Buche schlagen kann, muss man allerdings das Konzept VDI und seine Unterschiede zu den anderen Client-Virtualisierungsmöglichkeiten erst einmal verstehen - und genau das, so IDC-Mann Srikumar, sei bei vielen potentiellen Anwendern noch nicht der Fall.

Das liege auch an der "wolkigen" Kommunikation der Hersteller. Srikumar: "Es fehlt Wissen in den Unternehmen, deshalb braucht man am Anfang Berater." Die aber kosten wiederum Geld. Ein weiterer Grund ist die oft verwirrende Kommunikation der Hersteller, die die reichlich fein gedröselten Unterschiede zwischen den Technologievarianten nicht immer so kommunizieren, dass sie jedem eingängig und verständlich werden. "Die Hersteller reden derzeit viel über Cloud, und Anwender wollen eigentlich auch Cloud-basierende Anwendungen. Doch wie sie die im Unternehmen implementieren sollen, wissen sie häufig noch nicht im Detail", sagt Srikumar.

Fünf Thesen zur Virtualisierung
Fünf Thesen zur Virtualisierung
Virtualisierungstechniken sind vielerorts installiert, schöpfen aber ihr Potential zur Effizienzsteigerung und Kostenersparnis nicht aus.
These 1: Die zweite Virtualisierungswelle steht noch bevor
Virtualisierungstechnologien haben eine Revolution in der IT bewirkt. Zwei Hauptfaktoren haben sie zum festen Bestandteil in der Planung von IT-Infrastrukturen gemacht: die Basistechnologien für Virtualisierung sind zur Reife gelangt, woraus eine großen Produktauswahl für die Anwender hervorgegangen ist; zugleich sind die Rechnerkapazitäten durch Multicore-Server so stark gestiegen, dass diese ohne geeignete Techniken gar nicht ausgelastet werden können.
These 2: Ein Hypervisor macht noch keine moderne IT-Umgebung
Stellt sich die Frage, warum die Erneuerung der IT bislang stecken geblieben ist. Das Angebot ist da, es reicht von umfassenden Lösungen bis hin zu kostenlosen Produkten und Open-Source-Projekten. Sie erlauben es, eine stabile und zuverlässige virtualisierte Umgebung aufzubauen. Die Erkenntnis setzt sich durch, dass Technik - also der Hypervisor - allein noch keine Revolution im Rechenzentrum bewirken und quasi im Vorbeigehen Kosten sparen kann.
These 3: Storage-Virtualisierung ist der nächste logische Schritt
Server-Virtualisierung kann nicht gelingen ohne ein ausgefeiltes Storage-System. Lokaler Festplatten-Speicher genügt dabei nicht den Anforderungen an Hochverfügbarkeit, dynamischer Lastverteilung und hochgradiger Automatisierung. Shared Storage ist daher unabdingbare Voraussetzung. Speichersysteme müssen zuverlässig, ausfallsicher und flexibel sein. Sie müssen aber auch Kostenkontrolle bieten, denn gerade in virtualisierten Server-Umgebungen kann der Speicherbedarf explodieren. Gefragt sind Konzepte zur effizienten Speichernutzung sowie zur transparenten Integration verschiedener Systeme auch unterschiedlicher Hersteller zu einem Gesamtsystem.
These 4: Desktop-Virtualisierung nur betriebswirtschaftlich angehen
Trotz vieler Herausforderungen und noch verbesserungswürdiger Durchdringung in der aktuellen IT-Landschaft ist die Server-Virtualisierung eine akzeptierte Technik, die viele Unternehmen auf dem Radar ihrer anstehenden Investitionen haben. Zunehmend rückt darüber hinaus die Virtualisierung von Desktops in den Fokus der IT-Verantwortlichen. Denn auch hier locken ähnliche Vorteile wie für die Server.
These 5: Die Cloud braucht noch Zeit
Cloud Computing ist der nächste folgerichtige Evolutionsschritt der Virtualisierung in der Unternehmens-IT. Cloud Computing wird dabei häufig irrigerweise synonym mit Virtualisierung verwendet, meint aber vor allem die automatisierte und standardisierte Bereitstellung abstrahierter IT-Infrastrukturen wie zum Beispiel Rechenkapazität, Datenspeicher, fertige Programmpakete, die ein Anbieter dynamisch an den Bedarf angepasst auf Basis von Virtualisierungstechnologien über ein Netzwerk zur Verfügung stellt. Die Abrechnung erfolgt dabei meist nutzungsabhängig.

Am komplexen Markt kann der fehlende Überblick über die Desktop-Virtualisierung jedenfalls nicht liegen. Denn die Zahl der Anbieter, die wirklich etwas in petto haben, ist extrem übersichtlich: Bei weitem führend mit rund 90 Prozent Anteil sind Citrix und VMware, hinzu kommen derzeit Player wie Microsoft, Quest, Red Hat oder Parallels, wobei aber Microsoft eng mit Citrix zusammenarbeitet und wichtige Teile von VDI-Implementierungen dort bezieht. Die einschlägigen Produkte heißen VMware View, Citrix Xen Desktop, vWorkspace (Quest) und Red Hat Enterprise Virtualization for Desktops. Um sie herum bauen die Hersteller immer weitere Schichten ergänzender Module oder Lösungen, die zwar nicht die Übersicht erhöhen, aber helfen sollen, VDI für die Unternehmen handhabbarer zu machen.

Ein Beispiel dafür sind Versuche, mehr Speichervolumen vom Server in einen vor Ort befindlichen Cache oder anderweitigen Speicher zu verlagern, wie es Citrix Intellicache und VMware View Accelerator tun. Das senkt die überbordenden Speicherkosten. Ein weiterer Ansatz besteht darin, die Thin-Client-Hardware billiger zu machen. So berichtet Gartner-Analyst Wolf von neuartigen, ARM-basierenden Clients, wie sie etwa Wyse im vergangenen Jahr auf den Markt brachte. Auch Citrix und N-Computing, ein Desktop-Virtualisierungs-Pionier, arbeiten an billigeren Thin Clients. "Bis Ende des laufenden Jahres wird es viele Alternativen für unter 150 Dollar geben, was dann die Preise für die Gesamtlösung drückt", meint Wolf.

Am höchsten ist der Nutzen von VDI nach übereinstimmender Meinung aller Fachleute in Einsatzumgebungen, wo die Endanwender an den Thin Clients nur auf eine oder zumindest eine überschaubare Anzahl von Applikationen zugreifen müssen, und dies möglichst auch nicht mit einer unüberschaubaren Vielfalt von Endgeräten. Denn dann hält sich der Aufwand für die Implementierung in Grenzen und die VDI-Implementierung erhöht die Effizienz des Managements tatsächlich sehr, da sich die User-VMs nur geringfügig voneinander unterscheiden. Umfelder dagegen, in denen jeder einen anderen Programmbedarf hat und in denen die unterschiedlichsten Endgeräte vorgehalten werden oder riesige Datenmengen hin- und her zu transportieren sind, wie etwa beim CAD-Design, sind für VDI-Konzepte eine harte Nuss.

VDI-Einsatzfeld medizinische Datenverarbeitung

„Wir stellen von Fat auf Thin Clients um, um Strom zu sparen“, Mario Exnowski, Regionalleiter IT der Asklepios-Kliniken in Nordhessen.
Foto: Asklepios

Ein Beispiel für eine gelungene VDI-Implementierung liefern die nordhessischen Betriebe der privatwirtschaftlichen Asklepios-Gruppe, die in Deutschland insgesamt über 100 Einrichtungen unterhält. Zur Region Nordhessen gehören sechs Kliniken und ein Gesundheitszentrum. Insgesamt arbeiten dort rund 1200 Anwender mit IT, von denen mittlerweile 400 ihre Benutzerumgebung mit Xen Desktop nutzen. Diese Anwender haben schon eine Weile Erfahrungen mit Application Streaming via XenApp gesammelt und werden nun seit etwa zweieinhalb Jahren einer nach dem anderen auf Xen Desktop migriert.

Geradezu typisch für sinnvolle VDI-Projekte: Alle Anwender nutzen dasselbe KIS (Krankenhausinformationssystem). "Je mehr Funktionen wir von anderen Anwendungen in dieses KIS integrieren, desto sinnvoller wird der Einsatz von VDI", erklärt Mario Exnowski, Regionalleiter IT der Asklepios-Kliniken in Nordhessen.

Angefangen hat das Projekt 2007 mit einer Virtualisierung der damals 114 Server. Heute gibt es 16 Maschinen, auf denen insgesamt 84 virtuelle Server laufen. Zunächst wurden die Benutzer außerhalb der Zentrale in Bad Wildungen auf XenApp migriert. Übertragungsprobleme gibt es dabei deshalb nicht, weil die Anbindung ans Rechenzentrum über 8 MBit/s schnelle VPN-Verbindungen läuft. Ursache für das Virtualisierungsvorhaben war vor allem die Softwareverteilung. "Bei 700 Endgeräten ist ein schneller Roll-Out problematisch", sagt Exnowski.

Aktuelle Tablets im Business-Fokus
Apple iPad
Neben vielen Vorteilen (geschlossenes System, App-Auswahl, Hard- und Software aus einer Hand etc.) weist das iPad auch Nachteile (geschlossenes System, wenige Schnittstellen...) auf.
Samsung Galaxy Tab 2 10.1
Samsung eifert dem Erfolg des Apple iPad gleich mit einer ganzen Palette an Tablets nach. Darunter befinden sich das Flaggschiff-Modell mit 10 Zoll...
Samsung Galaxy Tab 2 7.0
...und die preiswerte Version mit 7 Zoll Bildschirmdiagonale. Beide laufen mit ICS und besitzen einen Dual-Core-Prozessor. Das 10-Zoll-Gerät soll jedoch aufgerüstet werden.
Fujitsu Stylistic M532
Fujitsu bewirbt sein Stylistic-Tablet mit vorinstallierter und vorkonfigurierter Software als besonders VDI-fähig...
Toshiba Excite 13
Mit über 13 Zoll Bildschirm-Diagonal ist das Android-Tablet Excite 13 nur bedingt mobil und eher für Gamer und Sofa-Surfer gedacht...
Toshiba Excite 7.7
...während der 7,7-Zöller möglicherweise zu klein für Business-Nutzer ist.
Toshiba Excite 10
Am vielversprechendesten ist die Zehn-Zoll-Version, zumal die Innereien (Quad-Core-CPU Tegra 3, 1GB RAM, 5MP/2MP-Kamera) bei allen drei Geräten gleich sind.
Asus Padfone
Das Hybrid-Gerät vereint auf geschickte Weise Smartphone, Tablet und Netbook...
Asus Padfone
Wie sich die Kombi in der Praxis schlägt, muss sich erst noch zeigen.
Huawei Mediapad
Das preiswerte Tablet bietet sich mit seiner HDMI-Schnittstelle und der hohen Auflösung für die Arbeit mit einem externen Bildschirm an. Das eigene Display ist dagegen mit 7 Zoll leider etwas zu klein für effektives Arbeiten.
Huawei Mediapad 10 FHD
Interessanter ist die angekündigte 10.1-Zoll-Version, insbesondere wegen ihrer Full-HD-Auflösung und der Quad-Core-CPU.
RIM BlackBerry PlayBook
Mit 7-Zoll-Display ist das Blackberry Playbook trotz aller Business-Features nur bedingt geschäftlich nutzbar...
Playbook Mini Tastatur
trotz der schicken Zusatztastatur.
MSI Windpad 110W
Das Windows-7-Tablet zielt speziell auf Business-Nutzer. Außer der einfachen Integrierbarkeit in die Unternehmens-IT hat das Gerät aber nur wenig zu bieten.
Panasonic Toughpad
Um ein Tablet fürs Grobe zu erhalten, muss man nicht mehr zu Windows greifen, es gibt auch schon Geräte für Android.
Acer Iconia Tab A510
Das Quad-Core-Tablet kommt zum Kampfpreis von unter 400 Euro. Dafür bekommt man allerdings ein Plastikgehäuse und ein Mobilfunkmodul fehlt. Ein dickes Plus ist dagegen der starke Akku (9.800 Milliamperestunden)
Asus Transformer Pad Infinity TF700T
Das neue Flaggschiff-Modell trumpft mit Quad-Core-CPU (Tegra 3), Full-HD-Display (1920 x 1200 Pixel) und einem optionalen Tastatur-Dock auf. Das Ganze hat jedoch seinen Preis: 600 Euro (Wifi-Version), 3G und Keyboard-Erweiterung kosten extra.
Asus Transformer Pad 300 TF300T
Für etwas niedrigere Ansprüche bietet Asus das TF300 - es hat ebenfalls eine Quad-Core-CPU, Preisabschläge gibt es z.B. dank einer niedrigeren Auflösung und einem Plastikgehäuse.
Lenovo Ideapad Yoga
Das flexible Ultrabook von Lenovo lässt sich auch als Windows-Tablet nutzen. Marktstart ist voraussichtlich Oktober.
Cisco Cius
Ciscos Tablet-Entwurf ist klar Business-tauglich, aber auch etwas langweilig.

Derzeit wird jede Applikation, die sich nicht in XenApp packen lässt, direkt in XenDesktop integriert und bekommt nur noch im Einzelfall einen eigenen Server. Hardwareseitig verwendet das Klinikum heute unter anderem 15 in die Visitenwagen integrierte Wyse-Thin-Clients mit WLAN-Anbindung. Als Fat Clients dienen HP-PCs. iPads gibt es auch, jedoch als offizielles Werkzeug der Klinik bei Visiten und nur für Infozwecke, nicht als von zu Hause mitgebrachtes Gerät. Dateneingaben ins KIS sind von dort noch nicht möglich, jedoch geplant. Bis alle Mitarbeiter auf VDI umgestellt sind, wird es noch ein Jahr dauern. Das hängt auch damit zusammen, dass der Umstieg mit der Migration auf Windows 7 zusammengelegt wird. Wer umsteigt, bekommt statt des alten Fat Clients einen Thin Client, "um Strom zu sparen", so Exnowski. Er würde am liebsten Zero Clients nutzen, "aber auf denen, die wir ausprobiert haben, laufen bestimmte Anwendungen nicht", bedauert der IT-Manager.

Insgesamt bewertet er das Projekt als Erfolg. "Die Anwender finden es positiv, dass ihre Desktops im Hintergrund gestartet werden und das Hochfahren am Arbeitsplatz nur fünf Sekunden dauert. Ärzte, die oft in unterschiedlichen Abteilungen unterwegs sind, haben nun sofort an jedem Standort ihre gesamte Arbeitsumgebung wieder vor Augen." Auch die sonst häufig problematischen Microsoft-Lizenzkostenfragen ließen sich bei Asklepios durch eine unternehmensweite Vereinbarung mit der Asklepios-Zentrale kostengünstig lösen. Citrix half seinerseits mit, dass die Kosten nicht ausufern: Der Hersteller tauschte die bisherigen 220 XenApp-Lizenzen für Concurrent User bei der Migration auf Xen Desktop in 520 Device-bezogene Lizenzen um. Nun spart das Gesundheitsunternehmen beim Management, da Endgeräte nicht mehr konfiguriert werden müssen, und, wie Exnowski betont, an der Stromrechnung - ein Faktor, den Gartner in seinem Paper über wichtige Faktoren bei der Client-Virtualisierung für unwesentlich hält.

Studiosus - ein Reiseveranstalter steigt auf virtuelle Desktops um

Im Bürogebäude von Studiosus werden nach und nach alle Arbeitsplätze auf VDI umgestellt.
Foto: Studiosus

Ein weiteres relativ typisches Beispiel für eine gelungene Virtualisierungslösung ist der Einsatz von VMware View beim Reiseveranstalter Studiosus in München. Dort sind rund 300 Mitarbeiter beschäftigt, von denen derzeit rund 100 mit Thin Clients arbeiten. Nach und nach sollen auch die meisten anderen Anwender gruppenweise umgestellt werden. Das Projekt läuft seit nunmehr zwei Jahren, und zwar als einer der Folgeschritte eines umfassenden Virtualisierungsprojekts. Dessen Ziele waren Ausfallsicherheit, einfache, zentrale Administration, Umweltaspekte wie Stromeinsparung und recyclebare Endgeräte sowie Unabhängigkeit von spezifischen Endgeräteherstellern.

Der Prozess begann mit der Konsolidierung der Speicherinfrastruktur und Server-Virtualisierung - angesichts der hohen Anforderungen von VDI an Speicherinfrastrukturen sicher keine schlechte Idee. Zusammen mit dem Integrator InoxTech wurden zur Vorbereitung der VDI-Implementierung zunächst Anwendungspakete entwickelt, auf verschiedenen Browserversionen ausprobiert und lauffähig gemacht. Es entstanden Templates und Desktop-Pools - wie zum Beispiel für Back-Office-Mitarbeiter mit allgemeinen Büroapplikationen ohne spezielle Anforderungen, für Call-Center-Mitarbeiter, für die Administratoren und für spezielle User. Erst danach - nach rund einem Jahr - begann der Roll-Out an die Anwender.

Abenteuerliche Reisen und fortschrittliche High-Tech sind kein Widerspruch, beweist die IT des Reiseanbieters Studiosus.
Foto: Studiosus

Dabei sind nicht alle Mitarbeiter vor Ort. So können etwa die Call-Center-Mitarbeiter nicht nur in der Zentrale arbeiten, sondern auch ausgelagert mit einem für IP-Telefonie geeigneten Softphone. Die 50 Telearbeitsplätze können sich Hardware-unabhängig und ohne ein VPN zu benötigen, einen Software-Client auf ihr individuelles Endgeräte herunterladen - Laptop oder Tablet-PC. Die Leistungsfähigkeit dieser Lösung unterscheidet sich nicht von denen vor Ort. Die Investitionskosten lagen im niedrigen sechsstelligen Bereich. Obwohl Georg Ionescu, Netzwerkmanager bei Studiosus, keine Angaben zum ROI der Installation machen will, gibt er sich zufrieden: "An den Arbeitsplätzen mit Zero-Clients haben wir keine Software mehr auf dem Rechner, bei Fat Clients hat sich der Managementaufwand ebenfalls erheblich verringert."

Ein weiterer, weniger typischer Fall ist der eines mittelständischen Metallverarbeiters, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dort lief das PPS-System schon eine Zeit lang auf Microsoft Terminal Server und wurde nunmehr zusammen mit allen Office-Applikationen auf Thin Clients migriert, die zehn Mitarbeiter benutzen. Der größere Rest der Mitarbeiter allerdings wird nicht in die VDI-Infrastruktur einbezogen. "Sie nutzen CAD-Anwendungen und müssen große Datenmengen bewegen und sind daher für VDI nicht unbedingt geeignet", erklärt der nebenamtlich aktive IT-Leiter des Unternehmens.

Fazit

Unterm Strich bestätigen diese Beispiele, dass VDI (Virtual Desktop Infrastructure) vor allem ein Thema für spezielle vertikale Märkte oder Nischen in Unternehmen bleiben wird, dort aber sehr nützlich ist. Die technisch weiterentwickelten Nachfolger heutiger Konzepte, die vielleicht neue Anwenderschichten ansprechen, stehen schon in den Startlöchern. Beispielsweise die Box-Solution von Kaviza, mittlerweile ein Teil von Citrix, oder Bromium. Letzteres Unternehmen wurde von den Erfindern des Xen-Hypervisor gegründet und schickt sich an, "BYOD-Integration ohne VDI" zu realisieren. (wh)

Teaserbild: P. Hermans, Fotolia