Von NetWare bis Outsourcing

Die großen Wendepunkte der IT-Geschichte - Teil 2

01.06.2010 von Sascha Alexander
Auch im zweiten Teil unserer Geschichte geht es um bahnbrechende Techniken, gute und schlechte Manager und natürlich ums Geld.

Apples NeXT-Übernahme, der erste Spam und IBMs Rettung gehören - wie unsere Leser aus Teil 1 wissen - zu den großen Wendepunkten der IT-Geschichte. Doch das ist noch nicht alles.

NetWare und sein größter Feind

Wer vor dem Jahr 1985 in seiner Firma Dateien zwischen Rechnern übertragen wollte, musste dafür üblicherweise eine Floppy Disk verwenden. Dies sollte sich mit der Markteinführung des Netzwerkbetriebssystems "Novell NetWare" radikal ändern.

Die Software eroberte Unternehmen im Sturm, weil sich mit ihr kostengünstig PC-Netzwerke mit gemeinsamen Datei-, Druck- und Verzeichnisdiensten aufbauen ließen. Schon Ende der 80er Jahre rühmte sich Novell, einem Marktanteil von 90 Prozent zu haben.

Dank NetWare mussten viele Anwender ihre Dateien nicht mehr per Floppy Disk durch das Büro tragen.

Doch Novell hatte seinen gefährlichsten Konkurrenten übersehen: Dieser war nicht der aufstrebende Rivale Microsoft mit Windows NT, sondern das Internet. Obwohl sich Windows NT damals bei vielen Standards nicht mit NetWare messen konnte, hatte es doch zumindest einen klaren Vorteil: nativer Support für das Standard-Internet-Protokoll TCP/IP.

Novell setzte hingegen weiter auf die älteren Protokolle IPX und SPX, wodurch es für Anwender schwer war, NetWare-Server mit FTP-Clients, Browsern und E-Mail zu verbinden. Als immer mehr Unternehmen schließlich eine Verbindung zum Internet wünschten, begannen sie NetWare-Server durch Windows zu ersetzen und NetWare ging denselben Weg wie ehemals die Floppy Disk.

Intel Pentium M

Bis zur Jahrtausendwende war es für PC-Chiphersteller relativ einfach, Abnehmer zu finden. Es genügte meist, die Taktung zu erhöhen und schon kamen die nach immer mehr Prozessorleistung süchtigen Endanwender gelaufen. Doch mit dem Erreichen der Taktung im Gigahertz-Bereich mussten die Hersteller erkennen, dass man mit dem bisherigen Chip-Design an Grenzen stieß. Die Chips wurden zu heiß und verbrauchten zu viel Strom. Dies war die Stunde des "Pentium M", der 2003 auf den Markt kam.

Mit dem eigentlich für mobile Rechner konzipierten Pentium revolutionierte Intel die Chip-Entwicklung.

Der Prozessor, den Intel-Entwickler in Haifa geschaffen hatten, besaß ein radikal verändertes Design und war ursprünglich für mobile Rechner konzipiert worden. Er unterschied sich von der Konkurrenz durch einen geringeren Stromverbrauch und effizientere Befehls-Pipelines (Instruction pipelines). Schnell war klar, dass Intel mit dem Pentium M ein Durchbruch in der Chip-Entwicklung gelungen war und sich der Prozessor ebenso für Desktop-Rechner eignete.

Alle neuen Chips, die Intel seit 2006 vorgestellt hat, basieren im Kern heute auf der Architektur des Pentium M, während die frühere Chip-Architektur voraussichtlich in diesem Jahr endgültig vom Markt verschwindet. Die Moral aus der Geschicht: Chips müssen nicht nur immer schneller, sondern smarter werden.

IT triff auf Compliance

Heute gehört das weite Thema Compliance auch zu den Aufgaben der IT.

Es war nie einfach, eine IT-Abteilung zu leiten. Aber zumindest stand man nicht unter Aufsicht der Gesetzeshüter. Dies sollte sich spätestens 2002 ändern. Damals trat in den USA infolge der Bilanzskandale von Unternehmen wie Enron und Worldcom mit dem Sarbanes-Oxley-Act ein Gesetz in Kraft, das verbindliche Regeln der Unternehmensberichterstattung aufstellte. "Accountability" wurde zum neuen Sorgenkind der Unternehmen, die künftig Rechenschaft über ihre Finanzen ablegen mussten.

Der Schwarze Peter fiel dabei der IT zu, die nun dafür sorgen sollte, dass sich alle rechtlich relevanten Finanzinformationen schnell und dokumentiert erfassen und sicher bewahren ließen. Und SOX war nur eine von immer mehr Vorgaben der Gesetzgeber weltweit, deren Einhaltung Unternehmen seitdem Unsummen gekostet hat. Für die IT bedeutet dies, das fortan das Thema "Compliance" eine zentrale Aufgabe ist und man den Atem der Gesetzeshüter nun sehr wohl im Nacken spüren kann

Monokultur bei PC-Prozessoren

Und noch einmal machte Apple von sich reden: Der "Macintosh" hatte immer schon eine eigene Stellung im Rechnermarkt. Dies lag daran, dass Apple sich lange der Dominanz der x86-Architektur der PC-Chips widersetzte. So verwendeten frühe Modelle des Macs Chips der "Motorola 68000"-Serie. Später wechselte der Hersteller aufgrund von Leistungsbeschränkungen der Chip-Architektur auf den "PowerPC". Doch auch so blieb der technische Unterschied zwischen Macs und PCs erhalten.

Der PowerPC-Chip von IBM war lange für Apple die Basis der eigenen Rechnerarchitektur.

Aber Apple konnte der Entwicklung nicht auf Dauer standhalten. Leistungsprobleme und ein hoher Stromverbrauch brachten den PowerPC in Bedrängnis. Um das Jahr 2005 stand es bereits schlecht um seine Zukunft. In Juni desselben Jahres fiel dann die Entscheidung: Apple künftige an, künftig Macs mit Intel-Prozessoren zu fertigen.

20 Jahre nach dem Marketing-Slogan "Thinking different" war der Alleingang beendet. Die Folge für den Markt war eine Monokultur: heute basieren praktisch alle PCs auf der Intel-Architektur. Macs laufen heute sogar unter Windows. Aber was soll´s - wenn es auch unter der Haube kaum noch Unterschiede zwischen Mac und PC mehr gibt, so bleibt doch das Aussehen...

Die Web-Kommunikation wird asynchron

Noch im Jahr 2000 war es oftmals eine Qual Texte und E-Mails im Web zu lesen. Jeder HTTP Request verursachte einen Round Trip auf dem Web-Server, der dann die komplette Seite neu lud. Noch schlimmer war es mit interaktiven Anwendungen wie E-Mail-Clients. Um diesen Engpass zu umgehen, schufen Microsofts Entwickler im selben Jahr mit dem Produkt "Outlook Web Access" die Möglichkeit, kleine Datenpakete asynchron zwischen dem Web-Server und dem Client zu übertragen.

Ajax ist heute eine Kerntechnik bei der Entwicklung von Rich-Internet-Applications.

Diese Idee machte Schule. So folgte das Mozilla Projekt im Jahr 2002 diesem Vorbild und integrierte vergleichbare Funktionen in ihren Client "Mozilla 1.0" und nannte diese einen XMLHttpRequest. Eine neue Art der Web-Programmierung war geboren, die heute vor allem Asynchronous JavaScript and XML (Ajax) für die Client-Entwicklung verwendet.

Man muss also eigentlich Microsoft danken, dass prominiente Web-Dienste wie Facebook, Googlemail, Google Maps und unzählige andere Ajax-fähige Sites eine flotte Nutzung ermöglichen. Hätten die Akteure stattdessen eine Standardisierung von XMLHttpRequest durch das World Wide Web Consortium (W3C) bevorzugt, würden sie noch heute warten.

Linux gegen SCO

Dale McBride, CEO von SCO, legte sich mit der Linux-Gemeinde und IBM und scheiterte kläglich.

Drohende Wolken zogen sich 2003 über dem Open-Source-Liebling Linux zusammen. Die SCO Group unter Leitung ihres CEOs Darl McBride hatte öffentlich erklärt, dass Kernbestandteile des Linux-Kernels ihr gehörten. Linux-Kunden wurden Lizenzgebühren angedroht, falls sie unerlaubter Weise das Betriebssystem einsetzen würden (die Computerwoche berichtete).

Doch SCO hatte die starke Linux-Lobby unterschätzt, vor allem seinen Kontrahenten und Linux-Nutzer IBM. Ob SCO ernsthaft geglaubt hat, gegen IBMs Anwälte (und Finanzressourcen) anzukommen, wird wohl für immer ungeklärt bleiben.

Letztlich zählt nur das Ergebnis, und das war niederschetternd für die Unix-Company: Ein SCO-Argument nach dem anderen wurde vor Gericht von IBM entkräftet. Gleichzeitig mussten McBride zunächst öffentliche Häme über sich ergehen lassen und schließlich den Bankrott erklären. Derweil boomte das Linux-Geschäft.

Zusammen Unternehmen wie CA, IBM, Novell und Red Hat rückten mit weiteren Alliierten zusammen, um Linux als Open Source zu bewahren. Was als Dolchstoß gegen Linux begann, hat letztlich nur zu einer noch größeren Popularität des Betriebssystems geführt.

IT-Outsourcing wir globaler Trend

Heute ist Outsouring ein weltumspanneder Markt.
Foto: Active Sourcing

Vielleicht war es das Jahr-2000-Problem und der damalige Zeitdruck, die letztlich IT-Abteilungen dazu trieben, Personal in Schwellenländern heranzuziehen. Doch auch die Verbreitung des Internets, aufstrebende Märkte, die wachsende Zahl von Hochschulabsolventen und Investitionen in IT-Infrastruktur sorgten dafür, dass viele Unternehmen mit dem Outsourcing von IT und Ressourcen begannen.

Indische Konzerne wie Infosys and Wipro gehörten zu den ersten, die Offshoring populär machten. Firmen in Russland, Osteuropa und China folgten. Kurz: die IT-Welt wächst zusammen (siehe auch "IT-Outsourcing liegt weiter im Trend"). IT-Abteilungen müssen mehr denn je beweisen, dass man sie noch braucht.

Hier finden Sie den ersten Teil der Geschichte