Streit um Data Domain

EMC fordert NetApp zum Bieterwettkampf heraus

02.06.2009 von Martin Bayer
Um den Spezialisten für Storage-Software Data Domain entbrennt ein heißer Bieterstreit. Nachdem zunächst NetApp 1,5 Milliarden Dollar geboten hatte, steigt nun auch EMC mit einer Offerte von 1,8 Milliarden Dollar in den Ring.

Der Deal schien bereits in trockenen Tüchern. Am 20. Mai. verkündeten die Verantwortlichen von NetApp die Übernahme von Data Domain. Beide Unternehmen hätten sich auf einen Preis von 25 Dollar je Aktie geeinigt, hieß es. Damit hätte sich der Deal auf ein Volumen von rund 1,5 Milliarden Dollar summiert. Die Kombination sei eine großartige Chance für NetApp wie für Data Domain, frohlockte schon Dan Warmenhoven, Chairman und CEO von NetApp.

Doch daraus wird vorerst nichts. Anfang Juni machte EMC dem Konkurrenten einen Strich durch die Rechnung und eröffnete mit einer Offerte von 30 Dollar je Data Domain-Papier den Bieterwettstreit im den Anbieter von Storage-Software. Der Speicherspezialist aus Hopkinton, Massachussetts, erhöht damit das Gebot auf insgesamt 1,8 Milliarden Dollar. EMC-Chef Joseph Tucci macht keinen Hehl aus seinen Zielen: "Bei diesem Deal geht es darum, Wachstum zu erzielen."

Data Domain soll als eigene Geschäftsabteilung unter dem EMC-Dach weitergeführt werden, erläuterte Tucci seine Pläne. Die Deduplizierungs-Software von Data Domain würde mit den eigenen Produkten zu einer Gesamtlösung kombiniert. Tucci zufolge ergänzten sich die Produktlinien beider Anbieter. Während EMCs eigene Deduplication-Software in erster Linie darauf abziele, beim Vorbereiten der Backup-Daten Dubletten herauszufiltern, sei das Data-Domain-Produkt in der Lage, mit Hilfe von Deduplizierungs-Lösungen die Effizienz auf den Archivsystemen selbst zu verbessern. In der Kombination verbessere sich der Transport der Backup-Daten zum Zielsystem, weil weniger Information übertragen werden muss, und die Archive selbst würden effizienter ausgelastet.

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Bieterstreit - Ausgang ungewiss

Wie der Bieterstreit ausgehen wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Tucci zufolge sei EMC schon länger an Data Domain interessiert. Man sei enttäuscht gewesen, dass EMC keine Chance zu Gesprächen vor Bekanntgabe des NetApp-Deals bekommen habe. Tucci äußerte sich zuversichtlich, dass EMC letztendlich den Zuschlag erhalten werde. Schließlich habe die Offerte mehr Substanz. Außerdem versprach der EMC-Chef, die Entwicklungsinvestitionen in den Bereich Deduplication zu erhöhen und damit den Geschäftsbereich insgesamt erfolgreicher machen zu können als Konkurrent NetApp. In der Kombination der Produktlinien beider Anbieter sei bereits im kommenden Jahr ein Umsatz von einer Milliarde Dollar in diesem Segment möglich.

Joseph Tucci, CEO von EMC: "Bei dem Deal geht es nur darum, Wachstum zu erzielen."
Foto: EMC

Eine Antwort von NetApp und Data Domain steht bislang noch aus. Bislang wollte keines der betroffenen Unternehmen den EMC-Vorstoß kommentieren. Darüber hinaus ist nicht bekannt, ob die NetApp-Verantwortlichen mit einem noch höheren Gebot kontern.

Der Streit zwischen EMC und NetApp um Data Domain ist ein Beleg für den wachsenden Konsolidierungsdruck im weltweiten Storage-Geschäft, den vor allem die großen Anbieter treiben. Seit Jahren bemühen sich die klassischen Hersteller von Speicher-Hardware, ihr Portfolio um Softwarelösungen auszubauen, da die Margen mit den Arrays, Archiv-Systemen und Bandlaufwerken kaum mehr großes Wachstumspotenzial versprechen. Zudem fordern die Kunden zunehmend Komplettlösungen rund um ihre Speicherlandschaften. Dabei geht es in erster Linie darum, die Systeme effizienter und damit kostengünstiger zu betreiben. Techniken wie Storage-Virtualisierung, Thin Provisioning und Data-Deduplication sollen dabei helfen. Das haben auch die großen Storage-Player erkannt und bemühen sich deshalb, ihr Standbein in diesen Segmenten zu stärken - auch um das künftige Wachstum zu sichern.

Wie nötig das ist, haben die jüngsten Quartalszahlen gezeigt. NetApp meldete für sein viertes Geschäftsquartal Einnahmen in Höhe von 880 Millionen Dollar. Im vergleichbaren Vorjahresquartal standen noch 938 Millionen Dollar zu Buche. Der Profit reduzierte sich im Jahresvergleich von 90 auf 75 Millionen Dollar. EMC beklagte im ersten Quartal dieses Jahres einen Umsatzrückgang von gut neun Prozent auf rund 3,15 Milliarden Dollar. Der Gewinn schmälerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 251,6 auf 194,1 Millionen Dollar. Dagegen vermeldeten Spezial-Anbieter wie Data Domain zuletzt gute Geschäfte. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte der Deduplizierungs-Spezialist 274 Millionen Dollar um, 122 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Großen im weltweiten Speichermarkt müssen ihr Portfolio also kontinuierlich erweitern, um ihr Geschäft und künftiges Wachstum zu sichern. EMC meldete beispielsweise erst Ende Mai die Übernahme von Configuresoft. Das Unternehmen, das Lösungen rund um die Server-Konfiguration sowie das Change- und Compliance-management anbietet, soll in den Geschäftsbereich "Resource Management Software Group" integriert werden. Finanzielle Einzelheiten des Deals wurden nicht bekannt gegeben.