Ingram-Logistikzentrum in Straubing

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15.06.2012 von Armin Weiler
Kaum bestellt, ist die Ware schon beim Händler, in der modernen Distributionslogistik sind schnelle Lieferzeiten mittlerweile Standard. Was aber hinter den Lieferungen der Grossisten steckt, sieht man den Paketen nicht an. ChannelPartner hat sich daher für Sie bei Ingram Micro im Logistikzentrum in Straubing umgesehen.
Rund 60.000 Pakete werden täglich vom RDC Straubing versendet.

Kaum bestellt, ist die Ware schon beim Händler, in der modernen Distributionslogistik sind schnelle Lieferzeiten mittlerweile Standard, oder sollten es zumindest sein. Was aber hinter den Lieferungen der Grossisten steckt, sieht man den Paketen nicht an. ChannelPartner hat sich daher für Sie bei Ingram Micro im Logistikzentrum in Straubing umgesehen.

Mit 80.000 Quadratmetern Fläche ist das Regional Distribution Center (RDC) das größte IT-Distributionszentrum in Europa. Bis zu 160 LKWs fahren die 98 Ent- und Verladetore täglich an. In Straubing wird hauptsächlich die Ingram-Ware verschickt, die für den deutschsprachigen Raum bestimmt ist. Zudem ist das RDC auch für die EMEA-Logistik der DC-POS-Sparte verantwortlich.


Repräsentatativ: Der Eingangsbereich.

2008 wurde eine weitere Halle gebaut und die Kapazität verdoppelt.

Jeden Tag kommen noch rund 100 Händler, um ihre Pakete im Logistikzentrum persönlich abzuholen.

Die Arbeit im RDC ist nicht ganz ungefährlich, deshalb gibt es klare Sicherheitsanweisungen.

Der Fuhrpark in den Lagerhallen: Für die Roller gibt es sogar einen TÜV mit Prüfplakette.

Au 80.000 Quadratmetern lagert hier Ware.

Am Wareneingang stapeln sich nicht nur Neuware sondern auch Retouren.

Hier warten die Pakete und Paletten auf die Erfassung.

Manchmal ganz schön mühseelig: Jedes einzelne Päckchen wird eingescannt und erfasst.

Nicht alles passt auf eine Europalette: So müssen beispielsweise Smartboards aufrecht transportiert werden.

Eine besondere Herausforderung an die Logistik: Hier ein tonnenschwerer Produktionsdrucker von Hewlett-Packard...

... da eine Micro-SD-Karte von Verbatim, wie Operation & Service Director Richard Weinfurtner demonstriert.

Bei der Höhe der Hallen wird schon das auswechseln einer Glühbirne zur Herausforderung.

Rund 10 Tonnen Abfall fallen im RDC pro Tag an, da ist ein ausgefeiltes Recycling-Konzept wichtig.

Morgens gehen schon die ersten Pakete in der Kommissionierung auf die Reise.

Alleine die Gabelstapler verschlingen 600 Euro Stromkosten pro Tag.

Auch im RDC gelten klare Verkehrsregeln.

Ein kaputter Elektromotor an Toren und an der Fördertechnik kann schnell mal den Betrieb lahmlegen, dehalb werden jede Menge Ersatzmotoren vorgehalten.

Rund 60.000 Pakete verlassen täglich das RDC.

Die Ware wird nach einem ausgeklügelten System eingelagert.

Alles hat seinen Platz!

In der Kommissionierung wird die Ware dem Empfänger zugeordnet.

Hier warten schon die ersten Paletten am Warenausgang auf den LKW.

Die "Druckerfarm": Hier werden Strich-Code-Etiketten gedruckt.

Nur Befugte dürfen bei Ingram den Besen schwingen!

Das RDC bietet zusätzliche Services an: Hier werden auf Kundenwunsch Server konfiguriert.

Ingram hat im RDC Sonderflächen eingerichtet, um zusätzliche Dienstleistungen anbieten zu können: Hier wird demnächst eine hochmoderne Lasergravurmaschine stehen.

In der Kleinteilekommissionierung wird die Ware mit einem speziallen Scanner erfasst, der am Finger und am Handgelenk befestigt ist.

Die Versandkartons werden erst in der Halle gefaltet und verklebt und dann dem Versand zur Verfügung gestellt.

Die gefüllten Kartons werden dann gewogen. Weicht das Gewicht ab, muss der Inhalt überprüft werden. So kommt es kaum zu Fehllieferungen: Weit über 99 Prozent der Pakete sind korrekt bestückt.

Der Lieferschein wird automatisch beigelegt.

... Deckel und Versandetikett drauf - fertig!

Die schnelle Eingreiftruppe mit ihren Dienstfahrzeugen.

Bei 60.000 Paketen pro Tag braucht man jede Menge Versandetiketten.

Hier werden die neu gepackten Paletten noch mit Schutzfolie umwickelt.

Letzte Station vor dem LKW.

Hier werden die ausgehenden Pakete zu den richtigen Warenausgangsbereichen geleitet.

Die Förderbänder können bis in die LKWs ausgezogen werden, so kann der Fahrer sein Fahrzeug optimal beladen.

Rund acht Millionen Pakete verlassen das Logistikzentrum pro Jahr. Alleine das Aufladen der Gabelstaplerflotte verschlingt 600 Euro Stromkosten pro Tag, wie Richard Weinfurthner, Operations & Service Director, verrät. Zum Gesamtwert der in Straubing lagernden Ware will sich der Logistikspezialist nicht konkret äußern, doch es sind höhere dreistellige Millionenbeträge.

Niederbayern ist die Mitte Europas

Der Standort Straubing ist einer von zehn Ingram-Logistikzentren in Europa. Die Standortwahl geht noch auf Macrotron-Zeiten zurück, als Niederbayern noch Zonenrandgebiet und entsprechend gefördert war. "Heute liegt Straubing in der Mitte Europas. Für uns liegt Budapest näher als Hamburg", meint Herbert Hufsky, Executive Director Operations EMEA. Nach der Öffnung Osteuropas hat man auch in den amerikanischen und europäischen Führungsetagen bei Ingram Micro über eine Verlagerung der Logistik in den Osten nachgedacht. "Wir sind heute heilfroh, dass wir das nicht gemacht haben", sagt Hufsky. Neben der verkehrsgünstigen Lage Straubings schätzt er das gute Personal am Standort. Allerdings klagen die Logistik-Chefs in Straubing mittlerweile über Fachkräftemangel in der Region. Mit rund 50 Auszubildenden versucht der Grossist entgegen zu steuern. Zudem wird die Stammbelegschaft durch Personal von Fremd- und Zeitarbeitsfirmen ergänzt. "Wir achten aber darauf, dass der Anteil zwanzig Prozent nicht übersteigt", erläutert Richard Weinfurtner.

Zusätzliche Dienstleistungen

Längst beschränkt sich die Arbeit des RDC nicht mehr nur auf die Annahme, Lagerung und Versendung der Ware. Zusätzliche Dienstleistungen wie individuelle Konfiguration von Servern, PCs oder Workstations, Austausch von Festplatten, Kitting, Bundling, Staging oder die Laminierung von Blick-, Sicht- und Reflexschutzfolien können auf Kundenwunsch in Straubing angeboten werden. Auf 1.500 Quadratmetern hat der Distributor dafür eine Sonderfläche geschaffen. Sogar ein staubfreier Raum für die Integration von besonders empfindlichen Komponenten steht zur Verfügung.

Ein Interview mit Herbert Hufsky, Executive Director Operations EMEA bei Ingram Micro, lesen Sie auf der nächsten Seite.

"Nicht geschimpft ist genug gelobt"

Herbert Hufsky, Executive Director Operations EMEA bei Ingram Micro, hat Respekt vor unvorhersehbaren Ereignissen.

Herbert Hufsky ist als Executive Director Operations EMEA bei Ingram Micro für den reibungslosen Ablauf der Lieferkette verantwortlich. ChannelPartner sprach mit dem Manager, der sonst eher im Hintergrund agiert.

Herr Hufsky, ohne eine gut funktionierende Logistik würde bei Ingram Micro nichts verkauft werden. Und in der Kundenzufriedenheit spielt eine zuverlässige Lieferung eine wesentliche Rolle. Fühlen Sie sich nicht manchmal im Gesamtkonzern in der Außenwirkung etwas stiefmütterlich behandelt?

Herbert Hufsky: Wir mussten 2006 erfahren, wie wichtig eine reibungslose Logistik ist (durch eine Software-Umstellung gab es erhebliche Lieferschwierigkeiten, Anm. d. Red.). Trotzdem gilt manchmal für uns das gute bayerische Prinzip: "Nicht geschimpft ist genug gelobt". Unsere Bedeutung Gewicht im Unternehmen ist in den letzten Jahren aber kontinuierlich angestiegen, nicht zuletzt durch die zusätzlichen Dienstleistungen, die wir anbieten. Deshalb ist die Logistik bei Ingram Micro mittlerweile auch ein Ressort im weltweiten Vorstand. Ich würde das Verhältnis zu den anderen Unternehmensbereichen zum gesamten Unternehmen als eine sehr gute Symbiose beschreiben: Jeder macht das, wovon er am meisten versteht.

Wie bereiten sie sich auf plötzliche Ereignisse vor, die den reibungslosen Logistikablauf stören?

Hufsky: Diese Ereignisse sind sehr schwer vorherzuplanen. Wir haben ein genau festgelegtes Kriseninterventionsmanagement mit definierten den entsprechenden Eskalationen im Störungsfall. Zudem führen wir regelmäßige Tests und Assessments durch. Falls kurzfristig mehr Personal benötigt wird, können wir dank unserer flexiblen Mitarbeiter und unserem Jahresarbeitszeitmodell schnell reagieren.

Vor welchem Krisenszenario haben Sie am meisten Respekt?

Hufsky: Mit am Schlimmsten wäre ein mehrtägiger Stromausfall. Wir haben zwar eine Notstromversorgung, doch die ist nur für eine kurzfristige Überbrückung ausgelegt. Doch auch wetterbedingte Ereignisse, wie der durch massive Schneefälle ausgelöste Verkehrskollaps kurz vor Weihnachten 2011 bringen uns in Schwierigkeiten. Dann gerät die gesamte Supply Chain ins Stocken. (awe)