iPhone ist nur Nummer 2

High-End-Handys im Test

10.08.2009 von Yvonne Göpfert
Einfach. Schnell. Individuell. So sollte ein Handy sein. Die Praxis sieht anders aus. Unser Test zeigt, wie gut die Top-Handys Nokia N97, HTC Hero und iPhone 3G S wirklich sind.

Das beste Smartphone: Nokia N97, iPhone oder HTC Hero?

Das ideale Handy lässt sich einfach bedienen, schnell und bequem an die eigenen Wünsche anpassen und ist schnell - sowohl beim Aufrufen von Programmen wie beim Surfen im Internet. Alle drei Top-Handys im Test, das Apple iPhone, das HTC Hero und das Nokia N97, nehmen für sich in Anspruch, diese Vorgaben am besten in die Praxis umgesetzt zu haben. Wir prüfen nach, wem es wirklich gelungen ist.

Seit es das iPhone gibt, gilt das Smartphone von Apple allen Handy-Herstellern als großes Vorbild: Der Nutzer soll sein Handy so leicht bedienen können wie das iPhone und nicht lange warten müssen, bis Programm starten. Am besten sieht das Handy dann auch noch so gut aus wie das Schmuckstück von Apple.

Weitere Handy-Tests:

Doch beim Umsetzen dieser Vorgaben in die Praxis, gehen die Hersteller ganz unterschiedliche Wege. Beispiel individueller Startbildschirm: Nokia bietet Diskretion auf dem Handy an, HTC hübsche Desktop-Hintergründe, Apple bunte Icons. Am besten ist es aber, wenn auf dem Startbildschirm auf einen Blick Termine, eingegangene Mails und verpasste Anrufe zu sehen sind. Hier bieten nicht alle Testkandidaten den gleichen Luxus.

Apples Schmuckstück: Das iPhone 3G S

Der Zugang zu den wichtigsten Programmen und weiteren Anwendungen ist bei den drei Top-Modellen ebenfalls sehr unterschiedlich gelöst. Nokia arbeitet mit mehreren Menüebenen, HTC und Apple bieten mehrere Bildschirme, auf denen viele Icons und Programme Platz finden. Dabei locken das iPhone und das Android-Smartphone Hero zusätzlich mit einem attraktiven Software-Shop, in dem der Anwender nach Belieben stöbern und sich witzige und nützliche Programme und Spiele herunterladen kann.

Top-Handy von Nokia: N97

Und schließlich muss das Mobiltelefon schnell reagieren. Am deutlichsten wird dies beim Internet-Surfen: Wer länger als eine halbe Minute warten muss, bis eine Seite aufgebaut ist, hat das Online-Erlebnis auf dem Handy bald satt. Aber auch Kamera oder Musikplayer sollten auf Knopfdruck sofort zur Verfügung stehen.

Auf den nächsten Seiten prüfen wir im Detail, wer bei Bedienung, Personalisierung und Tempo die Nase vorne hat: Welchem Top-Handy gebührt die Krone - dem Apple iPhone, dem HTC Hero oder dem Nokia N97.

Nokia N97, iPhone, HTC Hero: Bedienung

Apple bietet viele Anwendungen: Auf dem Handy und im App Store

Wer ein iPhone besitzt, muss sich bei der Bedienung mit einer einzigen Menüebene zufrieden geben. Dort stehen alle Programme gleichberechtigt nebeneinander. Der Anwender kann keine Ordner anlegen, um seine Programme zu strukturieren. Doch das braucht man eigentlich gar nicht: Das iPhone macht selber Ordnung, indem die wichtigen Anwendungen vorne liegen und die seltener benutzten Programme weiter hinten.

Clever gerlingt es auch HTC, Übersicht auf dem Handy zu schaffen: Mit bis zu sieben Bildschirmen bietet das Hero genau denselben einfachen Zugang zu allen Programmen wie das iPhone. Zugleich hat der Besitzer eines Hero einen Tick mehr Möglichkeiten bei der Einrichtung als der Inhaber eines iPhone. Bei der Bedienung verdient sich als das HTC Hero Platz 1.

Bedienerführung nicht ideal: Nokia N97
Foto: Nokia

Ganz anders Nokia: Das N97 läuft unter Symbian Series 60 in der fünften Version. Sobald der Nutzer den Startbildschirm verlässt und sich ins Menü klickt, verliert er schnell den Überblick. Unübersichtliche Menüstrukturen lassen den Nutzer häufig rätseln, wo sich eine bestimmte Anwendung befindet. Beim Testkriterium "Einfach Bedienung" liegt das Nokia somit abgeschlagen auf dem dritten Platz.

HTC Hero
HTC Hero - Bild 01
Das HTC Hero erinnert ein wenig an das HTC Magic. Und doch kommt es mit weiteren Verbesserungen, die HTC unter dem Schlagwort „Sense“ zusammenfasst. Sense sorgt für größtmögliche Individualisierung des Gerätes und eine kontaktbezogene Kommunikation. Wie das geht und ob das gut ist, verraten die folgenden Screenshots.
HTC Hero - Bild 13
Auch Flash bietet das Hero nun serienmäßig. So sind nicht nur Videos auf tagesschau.de und ähnlichen Portalen zu empfangen. Auch Webseiten im Flash-Design, beispielsweise von Modefirmen, kann man sich nun auf dem Handy ansehen.
HTC Hero - Bild 12
… auch Einstellungen für Microsoft Exchange Server ab Werk bietet.
HTC Hero - Bild 11
Hübsch: die Ansicht der Mail als „Brief“. Neu ist übrigens, dass ein Android-Smartphone erstmals…
HTC Hero - Bild 10
… Kalender oder Mails. Die Suche funktioniert aber nicht, wenn das Programm per Widget geöffnet wurde.
HTC Hero - Bild 09
A propos Suchen: Für jede Funktion gibt es eine eigene Suche. Sie öffnet sich, wenn der Nutzer unten rechts auf die Taste mit der Lupe drückt. Das gilt für Twitter oder…
HTC Hero - Bild 08
… ist die kontaktbezogene Kommunikation. Egal, welcher Kontakt aufgerufen wird, der Nutzer sieht sofort alle Telefonate, Nachrichten und Mails mit ihm. Er muss nur in der Menüleiste auf das entsprechende Icon für Mails, Nachrichten etc. drücken. Ein Beispiel: Wer eine bestimmte E-Mail von Peter Schmidt sucht, geht in seine Kontakte, statt im Mail-Folder zu wühlen.
HTC Hero - Bild 07
So ein Wunsch-Widget wären beispielsweise die Lesezeichen für Internet-Seiten. Statt dröger Listen werden die Bookmarks mit einem Mini-Screenshot grafisch dargestellt. Dank Webseiten-Logo sind sie damit schnell zu finden. Allerdings drehen sie sich nicht als schickes 3D-Karusell wie wir es von der Ansicht der MP3-Titel her kennen. Weitere Neuheit beim Hero ist…
HTC Hero - Bild 06
... befindet sich der Kalender. Wem diese Voreinstellungen nicht taugen, kann sich die Seiten selbst einrichten. Dazu muss er nur die vorgesehenen Widgets wegschieben und seine Wunsch-Widgets installieren.
HTC Hero - Bild 05
… auf dem zweiten Bildschirm, den die Szene „Reisen“ mit sich bringt, Twitter und ein Widget, das zum Musik-Player führt. Auf der dritten Seite schließlich….
HTC Hero - Bild 04
… der Bildschirm mit zwei Uhren. Praktisch für alle, die in eine andere Zeitzone reisen. Doch damit es auf dem Weg nicht langweilig wird, liegt…
HTC Hero - Bild 03
Praktisch: Fünf Szenen hat HTC schon vorgefertigt. Jede Szene bringt mehrere bereits vorbereitete Bildschirmseiten mit sich. Beispiel Reise. Sehr praktisch ist…
HTC Hero - Bild 02
Mit Hilfe von „Szenen“ kann der Nutzer seine Displayseiten individuell einrichten. Bis zu sieben Bildschirmseiten darf er dabei mit schnellen Zugriffen einer Szene füllen.
HTC Hero - Bild 01
Der Startbildschirm: Nachrichten, Mails, der Internet-Browser und der Kalender sind direkt anklickbar. Es gibt aber noch weitere Bildschirmseiten.

Nokia N97, iPhone, HTC Hero: Personalisierung

Ein persönlicher Handy-Desktop sollte auch Informationen zu Terminen oder E-Mails bereithalten. Hier können das HTC Hero und das Nokia N97 punkten.

Gut gelungen ist Nokias neue Startoberfläche. Sie ist in verschiedene Blöcke unterteilt: Ein Blockstreifen beispielsweise ist für bis zu vier häufig kontaktierte Personen reserviert. Diese Kontakte, die beispielsweise Mutter, Ehefrau, Freundin, Chef oder Kegelkumpel sein können, werden mit Foto angezeigt - das ist schön anzusehen. Darunter bietet Nokia Platz für vier weitere Schnellzugriffe oder Widgets, die direkt ein Programm starten: Das kann der Börsenticker sein sein, der Musikplayer oder der Mail-Account. Die aktuellsten Mails werden gleich mit Betreffzeile angezeigt. Zudem sieht der Nutzer neue Statusmeldungen von Facebook auf einen Blick. Wer Diskretion schätzt, kann die persönlichen Daten mit einem Wisch vom Display schieben, nur Datum, Uhrzeit und Klingelprofil sind dann noch zu sehen. Das bieten weder das Hero noch das iPhone. Rang 2 dafür.

Bei der Individualisierung bleibt das bereits zwei Jahre alte iPhone-Design hinter dem von Nokia N97 und HTC Hero zurück. Zwar kann sich der Nutzer nach Lust und Laune Software aus dem App Store herunterladen. Doch abgesehen von der Reihenfolge der Software-Icons auf den Bildschirmen bleiben seine Möglichkeiten zum Personalisieren begrenz. So reicht es hier nur für Platz 3.

Das Hero sorgt mit einem neuen Konzept namens "Sense" für Aufmerksamkeit. Der Nutzer kann bis zu sieben Bildschirmseiten nach seinen persönlichen Vorlieben gestalten und dort Schnellzugriffe ablegen, die ein Programm mit einem Klick öffnen. Auch Infos wie Facebook-Statusmeldungen, Termine oder die letzte E-Mail kann man hier platzieren. Das wirkt aufgeräumt und übersichtlich.

HTC Hero im Reisemodus: Zwei Uhren zeigen die Zeit zu Hause und am Reiseziel an

Erleichtert wird die Einrichtung der Bildschirmseiten beim HTC Hero durch sogenannte Szenen. Dabei handelt es sich um vorkonfigurierte Bildschirme, die für die Nutzung des Handys in bestimmten Situationen ausgerichtet sind, etwa Reise oder Büro. Bei Reisen sind beispielsweise zwei Uhren (Heimat- und Reiseziel), Twitter und der Musikplayer vorinstalliert. Die vorgegebenen Szenen lassen sich modifizieren und nach eigenen Bedürfnissen erweitern.

Insgesamt bietet HTC die flexibelste und optisch am besten aufbereitete Lösung der drei Test-Kandidaten im Test und steht beim Personalisieren ganz oben auf dem Siegertreppchen.

Nokia N97, iPhone, HTC Hero: Tempo

Jedes der drei Top-Handys lässt sich per Touchscreens flüssig bedienen. Das HTC Hero liegt dabei gleichauf mit dem iPhone. Aber auch das N97 rollt flüssig, so dass es keine Mühe bereitet, sich durch lange Adresslisten oder Webseiten zu hangeln.

Große Unterschiede zwischen Nokia N97, iPhone und HTC Hero bemerkt man erst beim Öffnen der Kamera: Beim iPhone 3G S startet die 3,2-Megapixelkamera binnen eineinhalb Sekunden. Knippsbereit ist sie erst etwas später, wenn der Nutzer verraten hat, ob er Geotagging machen möchte oder nicht. Die 5-Megapixelkamera von Nokia braucht drei Sekunden, bis sie schnappschussbereit ist, das HTC Hero mit ebenfalls fünf Megapixel zwei Sekunden.

Im Internet surft der Nutzer mit dem iPhone am schnellsten. Viele Nachrichten-Websites sind per Datenturbo HSDPA in weniger als zehn Sekunden aufgebaut. Mit dem Nokia N97 dauert es nur einen Tick länger, der Nokia-Browser erkennt zuverlässig alle mobilen Versionen von Focus, Spiegel und Co. Das Hero braucht gut doppelt so lange beim Laden wie die Konkurrenz: Der Grund: Es zaubert meist die komplette Webseite herbei - auch wenn in den Browsereinstellungen ein Häkchen bei "mobile Webseite laden" gesetzt ist. Das kostet wertvolle Zeit.

Nokia N97, Apple iPhone, HTC Hero: Das Endergebnis

Platz 1: HTC Hero
Wie jedes Mobiltelefon hat auch das HTC Hero ein paar Schönheitsfehler: Man wünscht sich beispielsweise mehr Power beim Arbeitstempo. Auch die Akkulaufzeit dürfte gerne länger ausfallen: Nur ein Tag Durchhaltevermögen ist mager.
Doch das Hero hat viele Stärken : Wer ständig mit seiner Online-Community Kontakt halten will, viele E-Mails schreibt und auch mal auf dem Handy spielt, findet in dem HTC Hero das passende Smartphone. Außerdem kann sich der Besitzer aus dem Android Market weitere Software für alle Lebenslagen unkompliziert herunterladen. Der eingebauten Kamera fehlt zwar ein LED-Blitz, so dass sie sich im Dunkeln nicht einsetzen lässt. Bei Tageslicht gelingen Fotos jedoch mit natürlichen Farben und scharfen Details. Auch der Musik-Player sorgt mit einfacher Bedienung für gute Laune. GPS, WLAN und HSDPA schließlich runden die gute Ausstattung des HTC Hero ab.

Ausführlicher Testbericht: HTC Hero

Platz 2: iPhone 3G S
Das hübsche Design und die einfache Bedienung über den sensiblen Touchscreen sind die Highlights des Apple Iphone. Die kleinen Verbesserungen bei Kamera, Schnelligkeit und Software, die Apple beim iPhone 3G S vorgenommen hat, sind durchdacht und machen das Apple-Smartphone noch einen Tick besser. Vor allem die Kamera lässt sich prima bedienen, bei der Fotoqualität ist aber noch Luft nach oben. Der digitale Kompass ist eine prima Hilfe im Alltag und funktioniert einwandfrei. Die Sprachwahl hat noch ein paar Verständigungsprobleme, zählt vom Konzept her aber zu den besten auf dem Handymarkt. Insgesamt ist Apple also weiter auf dem richtigen Weg.

Ausführlicher Testbericht: Apple iPhone 3G S

Platz 3: Nokia N97
Das Nokia N97 ist ein Mini-Computer, der mit einer fast perfekten Ausstattung aufwarten kann. Vor allem die gute 5-Megapixelkamera und die hochwertige Tastatur machen Laune. Weniger gelungen ist dagegen die zu komplexe Menüführung des Symbian-Betriebssystems. Immerhin erleichtert der individuelle Startbildschirm den Programmzugriff. Gut integriert sind Social-Networking Dienste.

Ausführlicher Testbericht: Nokia N97

Fazit
Das iPhone ist Spitzenreiter in punkto Geschwindigkeit. Mit keinem anderen Handy surfen Sie schneller im Internet, Anwendungen und Programme öffnen ohne Verzögerung. Nokia folgt dank gutem Browser auf Platz zwei, das HTC Hero hinkt beim Surf-Tempo hinterher. Dafür starten die HTC-Programme ohne merklich Verzögerung, bei Nokia kommt es zu Wartezeiten, weil der Nutzer häufig einen Doppelklick anbringen muss, um eine Funktion zu öffnen, während bei iPhone und Hero ein einfacher Klick ausreicht.

Doch Schnelligkeit allein macht noch kein perfektes Handy aus. Die gute Integration von Web-2.0-Diensten auf dem Startbildschirm und in den Kontakten hebt das HTC Hero auf das Siegertreppchen unseres Tests. Zudem überzeugt die optische Aufbereitung des komplett personalisierbaren Startbildschirms. Auch Nokia holt hier Punkte, das iPhone bietet in dieser Disziplin am wenigsten. Dafür ist es am leichtesten zu bedienen. Doch auch HTC hat eine Methode gefunden, sein Handy intuitiv zu machen. Ganz im Gegensatz zu Nokia, die sich noch immer nicht von der komplizierten Symbian-S60-Struktur gelöst haben.