Digitale Strategie und Transformation

HOH-Gründer Martin Wild über seine Rolle bei Media-Saturn

03.11.2014 von Matthias Hell
Als Martin Wild 2011 zu Media-Saturn ging, sorgte das für Aufsehen, doch seitdem blieb es recht still um den HOH-Gründer. Gegenüber ChannelPartner spricht Wild über seine Rolle als Chief Digital Officer und wie er dabei die digitale Transformation von Media Markt und Saturn vorantreibt.

Neben dem neu gestalteten Saturn-Pilotmarkt sorgte in der vergangene Woche beim Presse-Event von Media-Saturn vor allem Martin Wild für Aufsehen. Als Chief Digital Officer (CDO) des Unternehmens gewährte Wild Einblicke in die "digitale Strategie und digitale Transformation" von Europas größtem Elektronik-Retailer. Wenn Wild den anwesenden Pressevertretern Augmented Reality und zukünftige App-Funktionen als Live-Demonstration zeigte, durchwehte ein kleiner Hauch von Steve Jobs den neuen Saturn-Markt. Dabei war es um den Gründer des Elektronikversenders Home of Hardware (HOH) seit seinem Wechsel zu Media-Saturn Anfang 2011 eher still gewesen.

"Saturn bietet Einkaufserlebnisse, die andere noch nicht bieten": Media-Saturn-CDO Martin Wild bei der Eröffnung des neuen Pilot-Saturn-Marktes in Ingolstadt

Martin Wild hatte HOH 1997 im Alter von 18 Jahren gegründet, damals noch im Elternhaus im bayerischen Holzheim. Mitte der 2000er Jahre konkurrierte der Elektronikversender bei den Wachstumsraten mit Notebooksbilliger.de und Cyberport. Erst nach einer Mehrheitsbeteiligung des Pay-TV-Senders Premiere 2007 geriet der Wachstumsmotor von HOH ins Straucheln. 2009 wurde der Onlineshop für einen symbolischen Euro an den Systemhauskonzern Cancom verkauft und kurz darauf verabschiedete sich Wild von seinem "Baby". Der Gründer ging erst einmal für ein Sabbatical in die USA, bevor er 2011 als Vice President Multi Channel zu Media-Saturn nach Deutschland zurückkehrte.

Neueröffnung des Saturn-Marktes in Ingolstadt am 29. Oktober 2014
Erste Kunden stürmen den Markt.
Bei der Eröffnung des neuen Saturn-Marktes in Ingolstadt um sechs Uhr früh war es draußen noch dunkel.
Das neue Kassenkonzept kam bei Kunden gut an.
Ob das Angestellte der Stadtreinigung Ingolstadt sind, die den LCD-Fernseher von Samsung erworben haben?
So sehen glückliche Kunden aus!
Sperrige Waren wie Fernseher lassen sich auch am Drive-In abholen.
Im neuen Saturn-Markt in Ingolstadt wissen Kunden immer ganz genau, wann ihnen der nächste Service-Mitarbeiter zur Verfügung steht.
Die Info-Lounge
Der runderneuerte Saturn Markt in Ingolstadt - so sieht er von außen aus.
Online bestellte Waren bekommen Saturn-Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten - bei der Saturn-Abholstation.
Die Saturn-Abholstation soll noch erweitert werden.
Dem Apple-Shop hat der neueröffnete Saturn Markt in Ingolstadt besonders viel Platz eingeräumt.
Auch Frauen sollen den neuen Saturn-Markt in Ingolstadt besuchen - für sie ist die "Beaty Welt" gedacht.
Mit den digitalen Preisschildern lassen sich die Preise jederzeit zentral anpassen.
Auch der in Ingolstadt neu eröffnete Saturn-Markt hat einen eigenen Drive-In zur Abholung von sperrigen Gegenständen.
Wer warten muss, bekommt in der Info-Lounge einen Kaffee serviert.
Online bestellte Waren können auch im Saturn-Markt abgeholt werden - direkt am Eingang.
Beim Partner kiveda können Saturn-Kunden ihre neue Küchen online planen.
Auch der in Ingolstadt neu eröffnete Saturn-Markt verfügt über eine eTankstelle für eBikes und Elektro-Autos.
In dem neuen Saturn Markt in Ingolstadt kann der geneigte Kunde auch den Webshop besuchen und ...
gleich mobil bestellen.
Wer möchte kann mit dem digitalen Saturn-Maskottchen Tech-Nick ein Selfie erstellen.
Am Service-Point
Am Service-Point II
Die Wearables-Abteilung im neu eröffnten Saturn Markt in Ingolstadt
Das digital verlängerte Regal.
Die Mobilfunk-Abteilung im neu eröffnten Saturn Markt in Ingolstadt
Und wer möchte, kann auch gerne im Laden über die Saturn-App online bestellen und die Ware gleich mitnehmen.

"Habe mich von Pure Play zu Multichannel gewandelt"

"Ich bin nach HOH zu Media-Saturn gegangen, weil ich glaube, dass das Multichannel-Konzept gewinnt", erklärte Wild nun am Rande der Saturn-Eröffnung in Ingolstadt: "Ich habe mich von Pure Play zu Multichannel gewandelt." Seit Mai 2013 trägt Wild bei Media-Saturn den Titel des Chief Digital Officers - für ihn ein Signal mit Außenwirkung, wie er klarstellt: "Der Titel ist im Kommen, es wird in Zukunft bald viel mehr CDOs in Deutschland geben." Die Digitalisierung verändere alle Bereiche des Lebens und in der Wirtschaft gebe es neben Verlierern des Wandels - wie z.B. Kodak - auch neue Aufsteiger wie Uber. "Wir wollen dabei nicht hinterherlaufen, sondern Leader sein", stellt Wild für Media-Saturn klar. Um diesen Anspruch zu verwirklichen, befassen sich der CDO und sein Team ständig mit neuen Handelsinnovationen und deren Adaption für Media-Saturn.

Vieles davon ist in die neuen Pilotmärkte von Media Markt und Saturn eingeflossen, doch gab Wild auch einen Ausblick, mit welchen Neuerungen in Zukunft bei Europas größtem Elektronikhändler zu rechnen ist. So will das Unternehmen ab Anfang 2015 auch Augmented-Reality-Funktionen in seine Apps integrieren. Dann können Kunden durch das Darüberhalten eines Smartphones über den Werbe-Flyer auf dem Handy-Display aktuelle Werbespots angezeigt bekommen, aber auch ggf. veränderte Verkaufspreise sowie eine intuitivere Verknüpfung von Flyer und Onlineshop. Weitere künftige Features, die Martin Wild in Ingolstadt präsentierte, waren ein Device-übergreifender Warenkorb für den Onlineshop, ein mobiler, z.B. in Passbook-ablegbarer Pickup-Schein für Selbstabholer sowie die Integration von Location Based Services wie der Einkaufs-App Shopkick. Der damit für den CDO verbundene Anspruch: "Saturn als Technikmarke bietet Einkaufserlebnisse, die andere noch nicht bieten." (rw)

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