Networking will gelernt sein

In fünf Schritten zum Smalltalk-Profi

16.04.2008 von Ingo Vogel
Tun Sie sich bei geschäftlichen und privaten Veranstaltungen schwer, mit anderen in Kontakt zu treten und berufliches Networking zu betreiben? Keine Angst, Smalltalk kann gelernt werden.

Im Berufs- wie im Privatleben gilt: Smalltalk ist ein Türöffner. Durch ihn gewinnen wir oft den ersten Eindruck von anderen Menschen - und wir hinterlassen einen. Ist er positiv, haben wir die Basis für den weiteren Kontakt geschaffen. Doch warum fällt vielen Menschen die leichte Unterhaltung so schwer? Ein Grund: Einstiege in den Smalltalk wie "Ganz schön kalt heute" wirken floskelhaft und abgedroschen. Also verhalten sich zahlreiche Menschen nach der Maxime: Lieber sage ich gar nichts, bevor ich etwas Dummes sage. Doch insgeheim wünschen sie sich: Könnte ich bloß ein Gespräch in Gang bringen.

1. Auf das Wie kommt es an

Dabei gilt für den Smalltalk: Was Sie inhaltlich sagen, zählt zu Beginn des Gesprächs wenig. Wichtiger ist, wie Sie es sagen - und Ihre Mimik und Körpersprache. Beim Smalltalk machen diese Faktoren über 90 Prozent des Erfolgs aus. Der Inhalt kommt erst zum Zug, wenn wir das nette Plaudern hinter uns lassen und tiefer in das Gespräch einsteigen. Der zweite Lichtblick: Für den Smalltalk gibt es ein Erfolgsschema. Und dieses kann jeder lernen.

Ein Beispiel. Sie kommen recht spät zu einer Veranstaltung. Sie betreten den Raum. Dort steht eine Gruppe ihnen unbekannter Teilnehmer und unterhält sich. Was können Sie tun? Mit den Worten "Guten Abend, mein Name ist Huber" ins Gespräch platzen? Besser ist es, wenn Sie vorerst schweigen und beobachten.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

Entscheidend für einen erfolgreichen Einstieg in einen Smalltalk ist zunächst einmal die Lust, neue Menschen kennenzulernen. Dann kommt das Sortieren der Anwesenden nach Merkmalen, zum Beispiel: Raucher oder Nichtraucher, Prosecco oder Safttrinker, müde oder wach, junge oder alte Menschen. Die Liste ist endlos.

Wichtig beim Sortieren: Halten Sie Ausschau nach Gemeinsamkeiten und Details, die einen Gesprächsaufhänger abgeben. Haben Sie einen entdeckt, ist das die halbe Miete. Nun können Sie leicht den ersten Schritt machen:

Die Beispiele zeigen: Am besten steigen Sie mit einer Frage in die Unterhaltung ein, die nicht mit einem kurzen "Ja" oder "Nein" beantwortet werden kann. Nutzen Sie offene W-Fragen. Mit zwei Ausnahmen: "Warum ...?" und "Wieso ...?" fordern eine Rechtfertigung von Ihrem Smalltalk-Partner und dies ist eine schlechte Basis für ein lockeres Gespräch. Haben Sie den Einstieg geschafft, können Sie sich bekannt machen beziehungsweise vorstellen.

2. Suchen Sie einen Gesprächsaufhänger

Wenn Sie trotz sorgfältiger Beobachtung keinen Gesprächseinstieg finden, schütteln Sie einen Joker aus dem Ärmel, der fast immer funktioniert. Die Frage "Woher kennen Sie den Gastgeber?" ist auf so gut wie jeder Veranstaltung ein Sesam-öffne-dich. Genau wie die Frage "Wie wurden Sie auf diese Veranstaltung aufmerksam?" Kämmen Sie die Antworten nach Gemeinsamkeiten durch und spitzen das Gespräch darauf zu. Zum Beispiel, indem Sie Aussagen Ihres Partners aufgreifen: "Ach, Sie kennen sich vom Studium. Ich wollte früher auch Informatiker werden und bin dann ..." Oder: "Ach, Sie sind auch Freiberufler ..." Oder: "Sie lasen die Ankündigung im Manager-Magazin. Das habe ich auch abonniert. Sagen Sie, wie ...?"

3. Think positive!

Um diese Offenheit und Spontaneität zu zeigen, müssen Sie eine positive Grundeinstellung zum Smalltalk haben. Und ein ehrliches Interesse an Ihrem Gesprächspartner. Gespielte Anteilnahme spürt Ihr Gegenüber. Ist Ihre Neugier hingegen aufrichtig und Ihre Einstellung positiv, brauchen Sie nur wenig Gedanken auf Mimik und Körpersprache verwenden. Denn Ihr Körper folgt Ihrem Geist. Wenn Sie sich zum Beispiel wirklich für den Beruf Ihres Gesprächpartners interessieren, signalisiert dies auch ihre Haltung. Stellen Sie deshalb auch typische Smalltalk-Themen wie Urlaub und Kultur auf den Prüfstand. Lässt Sie das Thema kalt, sieht man dies.

4. Vom Smalltalk zum Bigtalk

Oft ist der Smalltalk der Auftakt für ein intensiveres Gespräch. Er öffnet sozusagen die Tür zu einem weiteren Kontakt wie einer verbindlichen Verabredung. Für den Übergang gilt es, zwei Situationen zu unterscheiden.

  1. Sie wollen eine Person näher kennen lernen und das Gespräch vertiefen. Dann sollten Sie Ihre Fragen weiter auf die Person zuspitzen und schon schlittern sie wie von selbst vom Smalltalk in den Bigtalk.

  2. Sie verfolgen eine konkrete Absicht - zum Beispiel einen Termin für ein Treffen vereinbaren. Dann sollten Sie im Smalltalk eine Zäsur machen und eine Frage zum weiteren Vorgehen stellen. Wie dies geht? Würdigen Sie zunächst das bisherige Gespräch und stellen Sie dann eine weiterführende Frage. Ein Beispiel: "Was Sie erzählen, ist spannend. Sollen wir uns nach dem Vortrag verabreden, um ...?"

Und wenn Sie das Gespräch beenden möchten? Etwa, weil Sie einen Termin haben? Oder weil Ihr Interesse am Gesprächspartner erlischt? Dann sollten Sie ebenfalls das bisherige Gespräch würdigen. Und - zum Beispiel verbunden mit einem Blick auf Ihre Uhr - offen sagen, was Sie vorhaben: "Es war spannend mit Ihnen zu reden. Ich gehe jetzt rein in den Seminarraum." Oder: "... Jetzt kümmere ich mich um meine Begleitung. Sie wartet im Nebenraum."

5. Üben Sie im Fahrstuhl

Nicht so muffig: Im Fahrstuhl können Sie den Smalltalk wunderbar üben.

Natürlich sind diese Tipps leichter gelesen als umgesetzt. Probieren Sie deshalb Ihre neu gewonnenen Smalltalk-Kenntnisse aus. Am besten in unverfänglichen Situationen wie an der Bushaltestelle oder im Zug oder Fahrstuhl. Sie werden sehen: Über ein schüchternes "Guten Tag" kommen Sie leicht hinaus. Und mit etwas Übung werden Sie zum Smalltalk-Profi. Wenn Ihnen einmal doch nichts einfallen will, dann lächeln Sie Ihr Gegenüber einfach freundlich an. Das wirkt sofort sympathisch und öffnet Ihnen manche Tür.

Der Autor Ingo Vogel ist aus Esslingen und Rhetorik- und Verkaufstrainer mit dem Schwerpunkt emotionale Verkaufsrhetorik. Er ist Autor des Buches "Das Lust-Prinzip - Emotionen als Karrierefaktor", Gabal Verlag, ISBN: 978-3897497900. Kontakt: www.ingovogel.de; Tel. 0711/7676-303; E-Mail: info@ingovogel.de (ChannelPartner/ka