Das nächste Mac-Betriebssystem

macOS 10.14 Mojave vorgestellt

05.06.2018 von Bastian Gruber
Mit der neusten Version von macOS will Apple mit einem Dark Mode, Privatsphäre, einen verbesserten App Store und kleineren Finder Verbesserungen wieder in der Gunst der Entwickler zu gelangen.

App Store mit neuem Design und Namen

Die größte Änderung hat der App Store erfahren. Neben einem komplett neuen Design, das sehr an die iOS Variante angelehnt ist, muss Apple einige rechtliche und monetären Änderungen vorgenommen haben. Denn neben Adobe, die Lightroom CC in den App Store bringen, hat auch Microsoft nachgegeben und Office 365 in den App Store zur Verfügung gestellt. Probleme gab es in der Vergangenheit vor allem wenn es um Abos, Berechtigungen und Update-Prozesse ging. Apple scheint also auf die Firmen zugegangen zu sein, anders lässt sich die plötzliche Entscheidungsänderung nicht erklären.

Der App Store bekommt eine Rundernerung und sieht in Mojave sehr dem iOS Gegenstück ähnlich.

Hier geht es Apple vor allem darum Apple Entwickler an macOS zu binden, und die Kombination aus Swift, XCode und MacBooks zu ihren Gunsten auszuspielen. Dazu benötigen Sie aber auch starke Firmen im Rücken die Feedback geben und andere Entwickler dazu anregen Apps im Store zur Verfügung zu stellen.

Finder, Quick Look und Desktop

Die kleinsten Änderungen haben den größten Effekt auf die Nutzer. Der Finder bekommt eine neue Ansicht die sehr an das alte Cover Flow erinnert. Dateien befinden sich als kleine Symbole vertikal angeordnet am unteren Bildschirmrand, die selektierte Datei ist in groß darüber. Dazu hat sich auch die Informationsansicht geändert. Diese blendet jetzt mehr Details als dritte, rechte Spalte ein.

Der Schreibtisch räumt sich in Zukunft wie von Geisterhand auf und gruppiert gleiche Dateitypen.

Daneben können Nutzer intelligente Abläufe via Schaltflächen steuern. Die Informationsansicht bietet am unteren Rand Platz für Abläufe. Selektiert der Nutzer also mehrere PDFs auf einmal, erscheint eine Schaltfläche mit der Möglichkeit diese zu einer einzigen PDF zusammen zu fügen. Quick Look hat auch einige Verbesserungen erhalten. Der Nutzer kann wie gehabt eine Datei auswählen und mit dem Drücken der Leertaste ein Quick Look Fenster einblenden. Dieses Vorschaufenster bekommt jetzt fast die gleichen Möglichkeiten wie die Anwendung „Vorschau“. PDFs lassen sich Markieren und Videos schneiden.

Die Informationsansicht blendet sich jetzt als dritte Spalte ein und zeigt Kontextbezogene Informationen.

Auch gegen vermüllte Schreibtische hat macOS Mojave ein Rezept. Anhand der Dateitypen gruppiert das Betriebssystem die Dateien und zeigt sie am rechten Bildschirmrand an. Eine so intelligente Gruppierung musste bislang von Hand mit dem Automator oder Tools wie Hazel vorgenommen werden.

Dark Mode

Entwickler sehnten sich schon lange nach einem dunklen Modus für den Mac. Wer den ganzen Tag an einem Bildschirm arbeitet, findet es angenehmer, einen schwarzen Hintergrund zu haben. Anders als bislang nur die Menüleiste schwarz darzustellen wird es in Zukunft auch möglich sein das Dock und gesamte Anwendung einen dunklen Anstrich zu verpassen.

Es werde Nacht. Alle Bedienelemente und Anwendungen können mit macOS 10.14 von hell auf dunkel gestellt werden.

Privatsphäre

Apple hat lange an der eigenen, harten Privatsphäre Linie lange angehalten. Jetzt macht es sich immer mehr bezahlt. Die Entwicklerteams haben die Gunst der Stunde erkannt und weitere Verbesserungen in Sachen Privatsphäre implementiert. Safari blockiert jetzt standardmäßig „Gefällt Mir“ Schaltflächen von Facebook und anderen Sozialen Medien. Nach einem Warnhinweis können diese bei Bedarf aber wieder angezeigt werden. Auch bieten die Privatsphäreneinstellungen auf dem Mac feinere Einstellungsmöglichkeiten, inwieweit Anwendungen Zugriff auf persönliche Daten haben. Diese umfassen jetzt Kamera, Mikrophon, E-Mails und Nachriten.

Continuity Camera und FaceTime

Mit Continuity Camera beschreibt Apple die Funktion, mit der vom Mac aus die eigene iPhone Kamera gestartet werden kann. So können Bilder und Dokumente direkt vom iPhone auf dem Mac gespeichert werden. Hilfreich könnte dies beim Erstellen von Präsentationen sein oder beim Vervollständigen von Dokumenten am Mac. FaceTime bekommt endlich eine Gruppenfunktion spendiert. Mojave wird es möglich machen mit bis zu 32 Teilnehmern zu telefonieren. Die Zielgruppe dürften hier wohl Geschäftskunden sein die sowieso schon meist auf Google Hangouts oder Skype zurückgreifen.

Weitere Kleinigkeiten

Am Rande kommen noch Verbesserungen in Sachen Bildschirmaufnahmen und Bildschirmvideos, die jetzt ihre eigene Oberfläche mit Schaltflächen erhalten. Außerdem erscheinen Bildschirmfotos wie von iOS 11 gewohnt als kleines Bild am unteren Bildschirmrand um sie direkt weiter bearbeiten zu können. Selbst Bildschirmhintergründe werden intelligenter. Neue, von Apple zur Verfügung gestellte Hintergründe ändern die Belichtung und andere Merkmale in Bezug zur tatsächlichen aktuellen Tageszeit.

Die Zukunft: iOS Apps auf macOS

Einen Vorgeschmack auf nächstes Jahr gab es auch: Apple arbeitet daran, iOS Apps auch unter macOS lauffähig zu machen. In der ersten Phase haben Sie die UI Kit Bibliothek von iOS auch unter macOS zum Laufen bekommen. Dadurch kommen macOS Nutzer jetzt auch in den Genuss von Nachrichten, Aktien und Sprachmemos. Diese sind mit macOS 10.14 nun auch auf dem Mac verfügbar.

Die finale Version erscheint im Herbst, für Entwickler ist bereits eine Betaversion verfügbar. Lauffähig ist das neue System auf Macs, die Mitte 2012 oder später eingeführt wurden, außerdem Mac Pro-Modelle von 2010 und 2012 mit bestimmten Grafikkarten.

Und das alles ist neu unter iOS, watchOS und tvOS

Fazit

Die Luft ist seit einigen Jahren raus in Sachen Desktopbetriebssysteme. Die großen Änderungen finden mobil, in Sachen VR und auf dem Handgelenk statt. Mit Mojave kopiert Apple vieles von iOS, verbessert die Privatsphäre und macht das allgemeine Arbeiten mit Dateien noch einfacher. Solche Änderungen hätten es vor circa 5 Jahren nicht mal auf die Bühne geschafft und freudige Nutzer entdeckten die Funktionen nebenher und teilten sie in Foren. Nicht nur in diesen Jahr nehmen diese Kleinigkeiten die große Bühne ein. Ob Apple die Hausaufgaben erledigt hat bleibt abzuwarten. Microsoft hat sich mit der Umstrukturierung von Windows schon fast aus dem Rennen verabschiedet, und wird wohl in Zukunft immer mehr auf Linux setzen. Mehr und mehr Arbeiten werden von unterwegs aus erledigt, wo Apple mit dem iPhone, dem iPad und der Apple Watch Hardware im Rennen hat, die der Konkurrenz weit voraus sind.

Der Mac wird also weiterhin am Leben erhalten, und im nächsten Jahr mit neuen iOS Apps sogar noch aufgewertet. Einzig der neue App Store und die aktualisierte Grafikbibliothek Metal versprechen interessante Neuerungen. Wie bereits angedeutet bleiben die großen Neuerungen aus. Positiv gestimmte Nutzer freuen sich auf das nächste Jahr und hoffen dann auf frischen Wind.

Pessimisten und wohl auch Realisten sehen langsam ein dass macOS nur noch eine Randerscheinung ist, die am Leben gehalten werden muss da Entwickler auf macOS setzten müssen, um die mobilen Geldmaschinen wie iOS und watchOS weiter zu füttern.

Quelle: Macwelt