Experton-Kolumne

Microsoft erhöht Lizenzpreise – wie der Handel davon profitiert

29.10.2012 von Axel Oppermann
Axel Oppermann, Senior Advisor bei der Experton Group, äußert sich zu Microsofts Preispolitik.

Axel Oppermann, Senior Advisor bei der Experton Group, äußert sich zu Microsofts Preispolitik.

Zum 1. Dezember 2012 wird Microsoft die Preise für die meisten Benutzer-basierten Client Access Lizenzen (CAL) um 15 Prozent erhöhen. Das betrifft auch die Benutzer-basierte Core-CAL- und Enterprise-CAL-Suites. Der Preis der Geräte-basierten CALs (einschließlich Geräte-basierten Core-CALs und Enterprise CAL Suite) bleiben unverändert.

Axel Oppermann, Senior Advisor bei der Experton Group, äußert sich zu Microsofts Preispolitik
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Je nach Lizenzierungsform und Umfang kommen hier auf die Anwender erhebliche Mehrkosten zu. Unternehmen, die in und/oder vor den entsprechenden Verhandlungen mit Microsof stehen, sollten sich mit diesem Thema aktiv beschäftigen. Denn unserer Ansciht nach handelt es sich hier - insbesondere in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten - um ein falsches Signal an Markt.

Für den Channel entstehen hier kurzfristig Möglichkeiten, Beratungsumsätze zu erzielen und sich de, Thema Software Asset Management zu widmen. Denn Anwenderunternehmen können weiterhin zwischen Lizenz-CALs pro Benutzer oder pro Gerät wählen. Auch eine Kombination wird möglich bleiben. Bisher waren beide Varianten zum gleichen Preis zu beziehen. In der Regel profitieren Anwender durch Geräte-CALs, wenn sie weniger Geräte als Nutzer haben. Hingegen profitieren Anwender von Benutzer-CALs, wenn sie weniger Nutzer als Geräte haben.

Zukünftig werden die Benutzer-CALs um 15 Prozent teurer, während die Preise der Geräte-CAL gleich bleiben Microsoft wird den User-CAL-Preisaufschlag über alle Benutzer-basierten CALProdukte und über alle Vertriebswegeprogramme ("Volume Licensing" und OEM) abbilden.

Kunden, die auf das User-CAL-Modell gesetzt und einen entsprechenden Mehrjahresvertrag basierend auf den Microsoft Volume License Agreements (wie Enterprise Agreement, Enterprise Subscription, Open Value Subscription und Open Value Perpetual) abgeschlossen haben, lizenzieren bis zum Ende ihrer Vertragslaufzeit zu den vorverhandelten Preisen.

Nutzung von Geräten

Die Anzahl von im Anwenderunternehmen genutzten Geräten hat in den letzten Jahren permanent zugenommen. Unsere Analysen zeigen auf, dass die Zahl der durch Information Worker genutzten Geräte zwischen 1,9 und 3,8 liegt. Die Anzahl der genutzten Geräte hängt von Größenklasse und Branche ab. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass in einer breiten Masse an Unternehmen die Zahl der Geräte, die im oder im Umfeld des Unternehmens genutzt werden, zunehmen werden.

Client Access Lizenzen

In den vergangenen Jahren hat Microsoft ein umfassendes, ganzheitliches und optimiertes Modell entwickelt, über unterschiedliche Vertriebswege und Lizenzprogramme die eigenen Produkte und Services erfolgreich zu vermarkten.

Der absolute Umsatztreiber hinsichtlich Differenzierung und Abschöpfung von Preisbereitschaften bei den Anwendern sind die CALs - die Client Access Lizenzen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Software, sondern vielmehr um eine eigenständige Lizenz, die Nutzungsrechte enthält. CALs monetarisieren den Zugriff auf Server. Das bedeutet, dass der Gesamtpreis der eingesetzten Server von der Anzahl der Zugriffsoptionen abhängt. CALs können pro User oder pro Gerät beschafft werden.

Ferner gibt es weitere CAL-Formen, die den Zugriff von Partnern oder Dritten regeln. Dieses Server-CAL-Modell führt dabei auch zu niedrigen Einstiegspreisen bei der Beschaffung des eigentlichen Servers. Alternativen zu diesem Modell wären höhere Kosten für den Server oder eine Lizenzierung auf Basis genutzter Prozessoren, die eine CAL obsolet machen würde.

Durch das Server-CAL-Konzept partizipiert ein Anbieter wie Microsoft am Wachstum der Anwender. Nimmt die Anzahl an Mitarbeitern und Geräten, die auf einen Server zugreifen, zu, steigt auch die Zahl der benötigten CALs. Reduziert sich die Zahl, liegen die Zugriffsrechte regelmäßig brach. Wird eine neue Servergeneration eingesetzt, so ist auch eine neue Generation an CALs notwendig.

Bei der CAL handelt es sich also nicht um Bits und Bytes auf einer Maschine, sondern vielmehr um Nutzungsrechte. Diese Nutzungsrechte regeln auch, welche Funktionen eines Server genutzt werden können - und welche nicht. Bei Microsoft gibt es deshalb für die entsprechenden Server eine "Standard-" und "Enterprise-CAL. Die Standard-CAL erlaubt oftmals nur rudimentäre Kern-Nutzungsrechte. Beim SharePoint Server ist dies beispielsweise einfaches Content Management. Will ein Anwender umfangreichere Funktionen wie z.B. Excel-Services nutzen - und die Regel zeigt, er will und wird - so ist eine additive CAL notwendig. Bei Lync gibt es sogar noch eine weitere - dritte - Stufe, die "Plus CAL", welche die Enterprise-Voice-Funktionen abdeckt.

Mittels dieses Ansatzes generiert Microsoft durch die organisatorische Entwicklung und die stets wachsenden Bedarfe der Anwender permanent und nachhaltig Umsatz. Dieser Ansatz ist legitim und ermöglicht es Unternehmen jeglicher Art, günstig zu lizenzieren. Dieses Stufenmodell hat jedoch auch einen starken Lock-in-Effekt, da aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen viele Unternehmen diesen Pfad mitgehen und nicht auf eine Multi-Vendor-Strategie setzen.

Ferner entspannt dieser Ansatz die Wettbewerbssituation. Viele IT-Entscheider begnügen sich im Vorfeld der Anschaffung mit Kostenrechnungen, die nur die Ist-Situation abdecken. Volatile oder Wachstumsszenarien werden nicht validiert und die Serverplus CAL-Lizenzierung vermittelt vermeintliche Vorteile.

Zukunft der Software-Lizenzierung

Wenn es eine Konstante in der IT gibt, ist es die Herausforderung, bedarfsgerecht und gleichzeitig günstig Software zu lizenzieren. Dabei handelt es sich um alles andere als eine statische Angelegenheit. Technologische Trends, sich wandelnde Anforderungen im Unternehmen und durch die Hersteller modifizierte Lizenzbestimmungen bringen so manchen IT-Verantwortlichen oder Einkäufer zum Fluchen. Insbesondere auch deshalb, weil in vielen Unternehmen das Thema Lizenzmanagement nicht umfassend strategisch und operativ geregelt ist. Bezogen auf den Einsatz von Microsoft kann dies besonders ärgerlich sein, denn bereits kleine mittelständische Unternehmen geben umgerechnet auf den einzelnen Anwender für Microsoft-Lizenzen pro Jahr schnell einen mittleren dreistelligen Euro-Betrag aus.

Insgesamt ist zu erkennen, dass die Lizenzierung und Auslegung der Nutzungsrechte immer mehr in Richtung abgerufener Rechenleistung in dynamischen Szenarien tendiert. Hier haben Pro-Prozessor- oder Pro-Server-Modelle ausgedient - bzw. geraten nach und nach ins Hintertreffen. Auch mit den Anpassungen der Lizenzierung der entsprechenden Zugriffsrechte passt Microsoftdas Lizenzmodell den Marktgegebenheiten an. Eine solche Anpassung ist für einen Hersteller insbesondere dann interessant, wenn das Wachstum nicht mehr durch eine höhere Durchdringung in der Nutzergruppe (Wachstum durch mehr IT-Nutzer im Unternehmen), sondern durch die Diversifizierung der Zugriffsoptionen in der stagnierenden Nutzergruppe erfolgt. Diese Tendenz ist auch ein Grund dafür, warum Anbieter immer stärker auf Subskriptionsmodelle und Cloud Computing setzen.

Die Bestimmungen und Bedingungen für die Verwendung von Microsoft-Lizenzen ändern sich quasi mit jeder neuen Produktversion oder beim Wechsel des Lizenzierungsprogramms. So ist auch davon auszugehen, dass beim (nach Windows 8) nächsten wichtigen Meilenstein, Office 365/Office 2013 - auch entsprechende Anpassungen erfolgen werden. Deshalb müssen Anwenderunternehmen entweder eine umfassende Inhouse-Ressource bereitstellen oder sich an professionelle Dienstleister wenden, die sich regelmäßig um die Organisation der Lizenzen kümmern. Immer mehr Microsoft-Partner bieten entsprechende, unterjährige Services an und unterstützen Anwender bedarfsgerecht, und diese Kosten amortisieren sich schnell. (rw)