Fachhändler berichtet

Odyssee beim Notebook-Kauf

25.10.2011 von Beate Wöhe
Ein Fachhändler berichtet, was er bei der Beschaffung von 25 Acer-Notebooks erlebt hat.
Im Mai 2011 baute Acer zusammen mit Ingram Micro und dem Systemhaus Brünings & Sanders ein Klassenzimmer in der Volksschule Point zum "Digitalen Klassenimmer" um.

Im nur für ITK-Fachhändler zugänglichen Forumsbereich berichtete das Forumsmitglied edv-crew in der vergangenen Woche von seiner Odyssee, die er erlebte, als er 25 gleiche Notebooks für eine Schule besorgen wollte. Aber lesen Sie selbst. (Anmerkung der Redaktion: bei den Forumsmitgliedern wurde vor Veröffentlichung der Texte aus dem internen Forum die schriftliche Zustimmung eingeholt.)

Edv-crew:

Hallo,

ich habe in den letzten Wochen wirklich wieder Unglaubliches erlebt! Es fing vor ca. 3 Monaten an. Eine Schule wollte bei mir 25 Notebooks mit Zusatzservice kaufen. Dafür habe ich ein entsprechendes Notebook rausgesucht und angeboten. Ich habe mir das Acer TravelMate 5760 mit 2GB RAM und Win7Pro rausgesucht und mit einer Speichererweiterung auf 4GB und Sofortaustauschservice angeboten.

Garantie gefährdet

Als der Kunde mir dann signalisierte, dass das Gerät interessant sei, habe ich mir die ersten Vorführgeräte bei WAVE bestellt und dort bescheid gegeben, dass ich in den nächsten Wochen 25 Stück benötigen würde. Als ich dann bei dem Gerät den Speicher erweitert wollte, musste ich feststellen, dass es nicht, wie eigentlich bei Acer üblich, an der Unterseite eine entsprechende kleine Serviceklappe gibt. Und unter der Tastatur war auch kein RAM zu finden. Somit war ich erstmal erstaunt und vermutete dass man das gesamte Gehäuse öffnen muss. Sicherheitshalber habe ich vorher beim Acer-Händlerservice angerufen und nachgefragt. Meine Vermutung wurde bestätigt und sogar netterweise noch erklärt, welche Schrauben ich genau lösen müsse. Abends habe ich nach dem Phänomen gegoogelt und im Acer-Forum gelesen, dass die Händlergarantie erlöschen würde, wenn man das gesamte Gerät öffnet um den RAM zu erweitern. Daraufhin habe ich erneut beim Acer-Händlerservice angerufen und nachgefragt, ob wirklich die Garantie erlöschen würde, wenn ich das Gerät öffne um den RAM zu erweitern. Dies wurde mir dann auch mit ja bestätigt. Als ich dann mein Problem mit den 25 so gut wie verkauften Geräten schilderte, hieß es nur, dass ich eine eMail an Acer schicken könnte, ob man da eine Ausnahme machen könnte. Die Mail habe ich vor 2 Wochen auf gut Glück auch verschickt, und dabei fällt mir grad ein, dass ich immer noch keine Antwort von Acer erhalten habe. (hier einen schönen Gruß an den netten eMailservice von Acer! )

Viele Lieferanten - wenig Notebook

Nach vielen weiteren Gesprächen mit meinen Lieferanten habe ich mich dann entschlossen, das Risiko einzugehen. Einige Tage vorher hat mir Siewert & Kau das besagte Gerät zu einem sehr interessanten Preis von 375 Euro angeboten. Als ich dies dann bestellen wollte, waren die Geräte nicht mehr lieferbar - zumindest nicht zu dem Preis. Alternativ wären 390 Euro möglich. Auch meine anderen Stammlieferanten bCom und WAVE konnten mir dieses Gerät in der Stückzahl nicht zum brauchbaren Preis liefern. Lediglich Notebooksbilliger hätte das Gerät für ca. 382 Euro netto liefern können. Zumindest wurde mir telefonisch eine kurzfristige Lieferung zugesagt. Nach Zahlungseingang bekam ich allerdings sofort eine eMail mit der Information, dass die Lieferzeit ca. 2 Wochen dauern wird. Da ich die Geräte aber mittlerweile am besten gestern benötige war dies total inakzeptabel. In der Zwischenzeit habe ich sogar mit Acer direkt gesprochen gehabt, aber dort wollte mir auch wieder keiner weiterhelfen, als Feedback kam nur: Das Gerät sei am Auslaufen und ich könne ja mal bei Actebis nachfragen.

Nach weiterer eigener Recherche habe ich herausgefunden, dass Systeam und Ingram noch ausreichend Geräte auf Lager haben - nur leider zum schlechten Kurs. Mit viel Verhandeln konnte ich nun endlich bei Ingram die Geräte ordern. Auf die Rückzahlung meiner über 10.000 Euro von Notebooksbilliger warte ich nun 3 Tage. Meine täglichen Anrufe bringen nicht viel - wird angeblich bearbeitet. . .

Wirklich unglaublich!!!

Dass nicht unbedingt alles perfekt war, was edv-crew unternommen hat, um an die 25 Notebooks für die Schule zu kommen, fiel dem Fachhändler mit dem nickname s_bartel auf, der ihm dann auch entsprechend antwortete:

s_bartel:

Deswegen lässt man sich in diesem Volumen ja auch Projektpreise vom Hersteller geben, beziehungsweise ein verbindliches Angebot zustellen, um die Preise zu sichern.
Dass eine RAM-Aufrüstung durch den Fachhandel die Garantie erlöschen lässt, ist auch Blödsinn -> Hast du mit der Consumer Hotline telefoniert?

Dennoch stellt sich mir die Frage wieso man hier als Fachhändler mit Acer rangeht? In dem Preissegment gibt es doch durchaus Entry Modelle von Fujitsu und HP. Selbst die höherpreisigen Geräte lassen sich im Projektvolumen für den öffentlichen Bereich in diese Regionen runterdrücken. Zudem hast du hast hier die Möglichkeit die Geräte mit Vor-Ort-Service auszustatten.

Deine Situation ist ärgerlich aber eine Verkettung von kaufmännischen Fehlern in diesem Bereich:
1. Falscher Hersteller
2. Kein Projekt angemeldet (verbindliches Angebot eingeholt)
3. Versucht das Ganze über E-Tailer zu retten (notebooksbilliger)
4. Warum ist das Projekt von der Schule eigentlich nicht ausgeschrieben worden?

Grüße

Der Fachhändler edv-crew stellte sich der Antwort seines Forums-Kollegen und erklärte im Anschluss seine Beweggründe, die ihn zu den von s_bartel kritisierten Entscheidungen gebracht hatten. Er habe auf Acer als Hersteller gesetzt, "weil HP und Fujitsu meiner Meinung nach zur Zeit wirklich nur Schrott baut und HP nur 1 Jahr Garantie gibt". Auch habe Acer seiner Meinung nach qualitativ zugelegt.

Mir Projektanfragen, wie man es bei einer solchen Stückzahl üblicherweise macht, habe er schlechte Erfahrungen gemacht: "Die bisherigen Projektanfragen waren ein totaler Witz! Deswegen verzichte ich lieber ganz drauf."

Dieser Auszug stammt aus dem Forumsbereich CHIC (CHancengleichheit Im Channel) auf channelpartner.de/forum. Zu diesem, mittlerweile fast 400 Fachhändler zählenden Bereich, erhalten ausschließlich nachgewiesene ITK-Fachhändler Zugang, um sich auszutauschen oder gegenseitig zu unterstützen. Weder Hersteller noch Distributoren wird ein Zugang erteilt.

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