Oracle zieht das Angebot für Bea zurück

29.10.2007
Großaktionär Charles Icahn droht Bea mit juristischen Schritten.

Am Sonntag vergangener Woche ließ Bea Systems die von Oracle gesetzte Frist zur Annahme des Übernahmeangebots verstreichen. Wie bereits angedroht zog die Ellison-Company daraufhin ihre Offerte zurück. Überraschend kam der Schritt nicht. Schon frühzeitig hatte Beas Verwaltungsrat den gebotenen Preis von 17 Dollar pro Aktie als zu niedrig bezeichnet. Angemessen seien 21 Dollar je Anteilschein, erklärte das Gremium kürzlich. Statt der anvisierten 6,7 Milliarden Dollar hätte Oracle damit rund 8,3 Milliarden Dollar auf den Tisch legen müssen, ein Preis, den Oracle-President Charles Phillips umgehend als "unmöglich hoch" zurückwies.

"Beas Aktionäre sollten nicht erwarten, dass Oracle sein Angebot von 17 Dollar erneuert", erklärte Oracle in einer kurzen, aber im Ton scharfen Stellungnahme. Offenbar rechnen die Softwerker schon bald mit günstigeren Konditionen: "Beas Geschäft könnte einbrechen, der Aktienmarkt könnte sich noch weiter von seinen einstigen Rekordhöhen wegbewegen, oder Oracle könnte sein Kapital anderweitig anlegen." Beas Aktionäre sollten den Verwaltungsrat für seine sture Haltung zur Verantwortung ziehen.

Icahn will Kasse machen

Vom Tisch ist der geplante Deal damit noch nicht. Vor allem der US-amerikanische Milliardär Charles Icahn, der rund 13 Prozent der Bea-Aktien hält, drängt weiter auf einen Verkauf. In einem offenen Brief kritisierte er die ablehnende Haltung des Verwaltungsrats scharf. Im Interesse der Anleger sollte Bea die Aktionäre über einen Verkauf abstimmen lassen. Unverhohlen drohte Icahn mit juristischen Schritten, sollte der Verwaltungsrat nicht einlenken. Er sei bereits dabei, eine Aktionärsversammlung gerichtlich durchzusetzen, auf der die Anteilseigner weitere schädliche Aktionen des Verwaltungsrats unterbinden könnten.

Nach dem Auslaufen der Annahmefrist erhielten Spekulationen neue Nahrung, dass sich ein anderer Softwarehersteller für Bea interessieren könnte. Schon vor dem offiziellen Übernahmeangebot Oracles galt Hewlett-Packard (HP) als heißer Kandidat. So verwies etwa Rob Hailstone vom Beratungsunternehmen Butler Group auf die langjährige Partnerschaft zwischen HP und Bea: "Die Kombination aus HP und Bea wäre bei vernünftiger Ausgestaltung eine bedeutende Kraft im Markt und ein natürliches Gegengewicht zu den ansonsten dominierenden Playern Oracle und IBM." Nach seiner Ansicht sollte Bea die Gelegenheit nutzen, eine freundliche Übernahme durch einen Hersteller anzustreben, "der mehr will als nur die Konkurrenz vernichten".

Wie realistisch diese Option ist, lässt sich schwer beurteilen. Offiziell hat HP bereits abgewunken, ebenso wie IBM und SAP. IBM hätte im Falle einer Übernahme mit ähnlich großen Überschneidungen der Produktpaletten zu kämpfen wie Oracle. Burc Oral, President der New England Bea User Group, brachte noch einen anderen Kandidaten ins Spiel: CA. Ähnlich wie HP könnte der einstmals unter dem Namen Computer Associates firmierende Hersteller das eigene Angebot sinnvoll ergänzen. (wh)