Reisen

So schützen Sie Ihre Daten vor neugierigen Grenzbeamten

26.08.2019 von Thomas Joos
Bei der Einreise in China wird eine Spionage-App installiert, in den USA wird das Notebook durchsucht. Auch Grenzbeamte in Neuseeland sind neugierig. Es gibt aber Möglichkeiten, sich zu schützen.

Bei der Einreise in verschiedene Länder, darunter die USA, China, Russland, Türkei, Ägypten und auch Neuseeland, müssen sich Reisende darauf einstellen, dass ihre elektronischen Geräte untersucht werden. Die Geräte müssen entsperrt werden und Grenzbeamte schauen sich die Geräte an. Natürlich werden nicht alle Reisenden untersucht, aber die Stichproben nehmen zu.  Dabei werden auch Profile in sozialen Netzwerken durchsucht.

Kooperieren oder Ärger riskieren

Generell bringt es nichts, sich dagegen zu wehren, wenn Grenzbeamte Zugriff auf die Geräte nehmen. In den USA ist das durch Gesetze eindeutig geregelt. Wer nicht kooperiert, riskiert, dass die Einreise verweigert wird oder eine Verhaftung droht. Auch das Anlügen der Grenzbeamten ist keine gute Idee. Notfalls dürfen die Beamten die Geräte für eine forensische Untersuchung konfiszieren.

Wer also sichergehen will, dass Geräte nicht durchsucht werden, darf diese nicht in die USA mitnehmen oder sollte das Gerät für die Reise vorbereiten. Unter Umständen kann es Sinn machen auf dem Gerät keinerlei Daten zu speichern, sondern eine komplette Neuinstallation vorzunehmen. Wo nichts ist, können Grenzbeamte auch nichts durchsuchen.

In sozialen Netzwerken sollten auch vor der Reise keine schlechten Witze über Terroranschläge, Drogen oder Waffen gemacht werden. Das kann schnell in Probleme ausarten, wenn man in die oben genannten Länder einreisen möchte.

Verstecken Sie keine Daten auf dem Gerät. Gehen Sie davon aus, dass geschulte Grenzbeamte diese Tricks kennen und Sie sich verdächtig machen, wenn Sie etwas verheimlichen. In diesem Fall riskieren Sie eine genauere Untersuchung oder sogar eine Verhaftung. Es gibt Tools, wie Veracrypt, die auf Rechnern versteckte Bereiche erstellen können, die nicht leicht aufzufinden sind. Allerdings riskieren Sie bei der Verwendung einigen Ärger, wenn das Tool auffällt.

China installiert Spionage-Apps auf Smartphones

China geht nach verschiedenen Presseberichten, zum Beispiel von der Süddeutschen Zeitung, noch weiter und installiert sogar eine App auf Smartphones. Diese nimmt Zugriff auf Daten des Smartphones und kann diese an öffentliche Stellen in China übertragen. Wenn chinesische Grenzbeamte Apps auf Ihrem Gerät installiert haben, oder Sie zumindest den Verdacht haben, sollten Sie das Gerät nach der Reise neu aufsetzen. Solange sich die vermeintliche App noch auf dem Gerät befindet, sollten Sie vorsichtig damit umgehen.

Elektronische Geräte für die Reise vorbereiten

Sofern es möglich ist, sollten Sie Ihre Geräte für die Reise vorbereiten. Speichern Sie möglichst keine Daten auf den Geräten, die Grenzbeamte nicht sehen sollen oder die Sie unbedingt schützen wollen. Verwenden Sie für die Reise unter Umständen ein eigenes Gerät, das Sie nur für diesen Zweck nutzen. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie häufiger in diese Länder einreisen.

Wenn Sie Daten mitnehmen müssen, planen Sie genau, welche Daten das sind. Lassen Sie alle anderen Daten daheim. Sichern Sie zu Hause vor der Reise Ihr Notebook, damit Sie es im Notfall wiederherstellen können.

Unnötige Daten löschen

Wenn Sie Ihr Notebook nicht neu installieren können oder wollen und Daten mitnehmen müssen, sollten Sie diese möglichst reduzieren. Das hat schon allein den Vorteil, das bei einer Untersuchung Ihrer Geräte schnell klar ist, dass keine große Datenmenge vorliegt. Deinstallieren Sie Clients für Cloud-Dienste und löschen Sie nicht benötigte sowie temporäre Dateien, den Browserverlauf und Favoriten, die Sie nicht benötigen. Löschen Sie alles, was Sie nicht durchsucht haben wollen.

Verlagern Sie Ihre Daten auf eine externe Festplatte oder in die Cloud und trennen Sie die Verbindung für die Reise. Die externe Festplatte dürfen Sie in diesem Fall natürlich nicht mitnehmen. Deinstallieren Sie alle Programme, die Sie nicht benötigen und löschen Sie auch möglichst alle Anmeldungen für E-Mail-Konten und soziale Netzwerke auf dem Rechner.

Daten, die Sie nicht benötigen, sollten Sie löschen, vor allem den Browserverlauf

Cloud-Speicher nutzen

Benötigen Sie Daten in den oben genannten Ländern, bei denen Sie sicherstellen wollen, dass keine fremden Personen Zugriff erhalten, können Sie Cloud-Speicher nutzen, zum Beispiel Dropbox, One Drive oder Google Drive.

Tools wie Boxcryptor verschlüsseln Daten, bevor sie in die Cloud geladen werden

Boxcryptor kann verschiedene Cloudspeicher anbinden

Laden Sie Daten verschlüsselt in den Cloud-Speicher, dann können auf jeden Fall nur Sie darauf zugreifen. Es gibt verschiedene Apps, die Daten erst verschlüsseln, bevor diese in den Cloud-Speicher geladen werden. Löschen Sie dann die Daten aus dem Geräte-Speicher. Sie können Ihre Daten wieder aufs Gerät herunterladen, wenn Sie im Land eingereist sind. Bekannte Tools für die Verschlüsselung sind Boxcryptor, Cryptomator und Cryptsync.

Mit Cryptomator können Sie Daten ebenfalls verschlüsseln, bevor sie in die Cloud geladen werden

Schutz vor unberechtigten Zugriffen mit Verschlüsselung

Sofern Sie den Schutz nicht verschweigen, dürfen Sie problemlos Ihre Geräte komplett verschlüsseln. Dazu verwenden Sie in Windows am besten Bitlocker, zumindest wenn Sie auf die Pro- oder Enterprise-Editionen von Windows 8.1/10 setzen.

Mit Bitlocker verschlüsseln Sie die Festplatten Ihres Windows-Computers

Alternativ nutzen Sie die Software //tools.stefankueng.com/CryptSync.html:Veracrypt, um Ihren PC offiziell vor den Zugriffen zu schützen.

Veracrypt kann ebenfalls kostenlos alle Festplatten im System verschlüsseln

Auf Macs können Sie zur Verschlüsselung Filevault nutzen. Das verhindert, dass Grenzbeamte unberechtigt oder ohne Ihr Beisein auf die Daten zugreifen. Die Einrichtung der Verschlüsselung ist nicht sehr kompliziert. Sie sollten sich aber bereits frühzeitig damit auseinandersetzen, damit die Verschlüsselung auch funktioniert und Sie nach der Verschlüsselung noch Zugriff auf Ihre Daten haben.

Macs verschlüsseln Sie vor Reisen am besten mit Filevault

Kurz zusammengefasst

Der beste Schutz Ihrer Daten vor unberechtigten Zugriffen besteht darin, dass Sie die Daten gar nicht erst mit auf die Reise nehmen. Verwenden Sie ein Zweitgerät für Reisen, das Sie nur für diesen Zweck einsetzen. Benötigen Sie Zugriff auf Dateien, nutzen Sie die Verschlüsselung in Cloud-Speichern und verbinden Sie sich am besten über ein VPN mit dem Internet, um auf Ihre Daten zuzugreifen.