Neues Geschäftsmodell

Start-ups setzen auf die Cloud

27.04.2011 von Armin Weiler
Transaktionsbanken tun es schon lange erfolgreich, Krankenkassen ebenfalls: Sie zentralisieren Standard-Leistungen der Informationstechnologie und stellen sie ihren Nutzern aus großen Servicefabriken bereit. Vor zehn Jahren noch undenkbar, hat sich dieses Prinzip heute bewährt. Cloud Computing führt diesen Trend fort und sieht sich denselben Diskussionen gegenüber wie einstmals das Outsourcing. Neu ist hingegen die höhere Dynamik der Entwicklung, die das traditionelle IT-Geschäft durcheinander wirbelt. So ist bei jungen Unternehmen in Deutschland der Anteil der Cloud-Nutzer mittlerweile doppelt so hoch wie im klassischen Mittelstand.

Transaktionsbanken tun es schon lange erfolgreich, Krankenkassen ebenfalls: Sie zentralisieren Standard-Leistungen der Informationstechnologie und stellen sie ihren Nutzern aus großen Servicefabriken bereit. Vor zehn Jahren noch undenkbar, hat sich dieses Prinzip heute bewährt. Cloud Computing führt diesen Trend fort und sieht sich denselben Diskussionen gegenüber wie einstmals das Outsourcing. Neu ist hingegen die höhere Dynamik der Entwicklung, die das traditionelle IT-Geschäft durcheinander wirbelt. So ist bei jungen Unternehmen in Deutschland der Anteil der Cloud-Nutzer mittlerweile doppelt so hoch wie im klassischen Mittelstand, berichtet ZDNnet.de.

Flexibilität als Hauptvorteil der Cloud

Ausgelagerte IT-Services kommen für immer mehr Unternehmen in Frage. Bestsidestory-Geschäftsführer Wolfgang Tietz-Niemzok zum Beispiel ganz auf Cloud-Services, um für Kunden Online-Shops zu managen und zu vermarkten sowie Events und Roadshows zu veranstalten. Bestsidesstory wächst nach eigenen Angaben organisch mit durchschnittlich 20 Prozent und hat mittlerweile 15 Mitarbeiter an den Standorten Leipzig und Berlin. "Wir wollten keine eigenen Server und ständig die Diskussion mit der IT haben", schildert Tietz-Niemzock die Beweggründe. "Cloud Computing ist für mich die logische Konsequenz aus der Nutzung des Internets und immer schnelleren Datenleitungen."

Der Hauptvorteil von Cloud Computing liegt in der standortunabhängigen Nutzung. "Schnell wachsende, junge Unternehmen legen sehr viel Wert auf Flexibilität", sagt Michael Gottwald, Geschäftsführer bei Softselect. "Investitionen in Infrastruktur beurteilen sie sehr kritisch. Das ist für sie ein notwendiges Übel." Aber nicht nur die Unternehmensgründer setzen auf die Computerwolke, sagt Udo Nadolski vom Beratungshaus Harvey Nash in Düsseldorf: "Mittlerweile wollen in deutschen Unternehmen rund 60 Prozent der IT-Verantwortlichen Budgets für Cloud-Projekte bereitstellen." Noch nicht ausdiskutiert sei die Frage, wie sich die Anforderungsprofile für IT-Mitarbeiter ändern werden. Klar sei nur, dass einfache Administrationsaufgaben wegfallen werden. "Hoch qualifizierte Informatiker brauchen sich keine Sorgen machen."

Internet-Pessimismus unbegründet

Das von dem amerikanischen Internet-Experten Nicholas Carr beschriebene Horrorszenario bleibt aus Sicht der Branchenkenner aber aus. Carr geht davon aus, dass sich die milliardenteuren IT-Abteilungen der Konzerne und Unternehmen auflösen werden. Das World Wide Web habe sich in eine weltweit wirksame Computerwolke verwandelt: Unsere PCs werden immer mehr zu bloßen Terminals, deren Nutzen nicht länger davon abhängig ist, was auf der Festplatte gespeichert wurde, sondern von den Möglichkeiten des Netzes.

Damit werden Informationsgiganten wie Google oder Amazon zu Versorgungsdienstleistern, ähnlich wie Stadtwerke, Wasserwerke oder Telefongesellschaften. "Weil immer mehr Wirtschaftssektoren dazu übergehen, diese einzigartigen Computernetzwerke nutzen, werden wir voraussichtlich weitere Arbeitsplatzverluste erleben. Das Elektrizitätsnetz trug einst dazu bei, breite Mittelschichten zu erschaffen; es könnte sein, dass das Computernetz dazu beiträgt, diese Mittelschichten wieder zu zerstören", so Carr in seiner Abhandlung Zukunft in der Matrix.

Die Sichtweise Carrs wird in der Branche heftig kritisiert: "Carr verkennt die vielen Aufgaben von IT-Managern. Die Infrastruktur ist doch nur ein kleiner Bestandteil. Da die Software eine immer größere Rolle in der Produktwelt spielt, vom Maschinenbauer bis zum Autokonzern, bleibt der Bedarf an gut ausgebildeten Informatikern in den nächsten Jahren hoch", so Nadolski. Auch Peter Weilmuenster, Vorstandschef von Bitronic, ist davon überzeugt, dass die Netzwerk-Ökonomie zu einer Neuorganisation der Wertschöpfungsketten beitragen wird, mit sehr positiven Effekten für spezialisierte Dienstleister. "Die Nähe zum Kunden und die Investitionen in Service, Design, Nutzerfreundlichkeit, Wissen, in die Veredelung von Produkten sowie Applikationen werden immer wichtiger. Möglichkeiten", erklärt Weilmuenster. (pte/rw)