Hewlett-Packard

Trotz der Teilung bleiben die Sorgen

19.08.2015 von Jan-Bernd Meyer
Während die "deutsche" Trennung von HP zum 1. August vollzogen wurde, wird es weltweit am 1. November so weit sein. Die Preisfrage lautet: Ist die Aufspaltung in HP Inc. und Hewlett-Packard Enterprise die Rettung für ein im Stillstand befindliches Unternehmen?

Ohne sie zu kritisch zu sehen, kann man Meg Whitman als flexibel bezeichnen. Léo Apotheker hatte am 18. August 2011 – damals als CEO – angekündigt, HP wolle sein PC-Geschäft ausgründen oder verkaufen. Whitman, die auf Betreiben Apothekers Anfang 2011 in den HP-Verwaltungsrat eingezogen war, unterstützte diese Pläne. 70 Tage später wurde Apotheker mit einem goldenen Handschlag verabschiedet, und Whitman bestieg den Thron. Die Idee, das PC-Geschäft auszugliedern, ließ Whitman kurzerhand in der Schublade verschwinden.

"Wir haben keine Pläne, HP aufzuspalten"

Am 22. Februar 2013 hörte sich Meg Whitman immer noch so an. Da diskutierte HPs Oberhaupt die Geschäftszahlen des ersten Fiskalquartals 2013 mit Analysten. Wieder kam die Frage auf, ob sie vorhabe, das Unternehmen in zwei Teile zu trennen. "Wir haben keine Pläne, die Company aufzuspalten", sagte Whitman vor diesem Auditorium. Erklärend schob sie nach: "Ich habe das wieder und wieder gesagt: Gemeinsam sind wir besser und stärker." HP habe eine Menge Aktivposten im Produktportfolio, und "wir sind dabei, unsere Wirtschaftsleistung zu verbessern".

Whitman schloss mit den Worten: "Unsere Kunden wollen, dass die verschiedenen Firmenteile vereint bleiben. Wir haben das laut und deutlich vernommen im August 2011." Bis zum 6. Oktober 2014 muss da im HP-Topmanagement eine entscheidende Erkenntnis herangereift sein. An diesem Tag verkündete Whitman offiziell, dass sich Hewlett-Packard in zwei unabhängig voneinander agierende Firmen aufteilen wolle.

Umsatz, Ausgaben und Gewinn von HP
Umsatz, Ausgaben und Gewinn von HP
Seit vergangenem Samstag existiert die Hewlett-Packard Company nicht mehr. Dafür gibt es nun zwei neue Unternehmen: die HP Inc. und die Hewlett-Packard Enterprise Company. Ein Grund könnte sein, dass HP nun seit gut einem Jahrzehnt mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hat.
Negative Umsatzentwicklung
HPs Einnahmen gehen kontinuierlich zurück.
HPs Nettogewinne/-verluste
2012 waren Abschreibungen auf den Autonomy-Kauf zu verkraften.
Ausgaben für Forschung und Entwicklung
Die F&E-Ausgaben sind für ein Ingenieurunternehmen eher niedrig.
Operativer Gewinn in Prozent vom Umsatz (2012 bis 2014) nach Geschäftseinheiten
Vor allem das Softwaregeschäft ist profitabel. Der große Geschäftsbereich Enterprise Services muss indes mit einer überschaubaren Profitabilität zurechtkommen.
Geschäftsergebnisse HP von 2012 bis 2014 nach Geschäftseinheiten
Operativer Gewinn von 2012 bis 2014
Umsätze von Hewlett-Packard Enterprise und HP Inc.
Geschäftsergebnisse HP von 2012 bis 2014 nach Produktgruppen

HP Inc. - PCs und Drucker

Die HP Inc. fungiert dabei quasi als Mutterunternehmen. Deshalb muss die bis zum 31. Juli 2015 noch vereint agierende Hewlett-Packard Co. für die künftige HP Inc. vor der Aufspaltung zunächst auch keine genauere Bilanzaufstellung bei der Securities Exchange Commission (SEC) einreichen. Für die Hewlett-Packard Enterprise Co. hat sie dies schon getan.

In die HP Inc. geht das PC- und Druckergeschäft über. Mit Personal Systems, also Desktops, Notebooks und Workstations, erwirt schaftete HP im Geschäftsjahr 2014 (Ende: 31. Oktober 2014) rund 60 Prozent der Umsätze der gesamten Personal Systems Group. 40 Prozent trug die Druckersparte bei. Insgesamt belief sich der Umsatz der Personal Systems Group auf 57,2 Milliarden Dollar.

Wer ist wo bei HP Inc.:

Hewlett-Packard Enterprise

In die Hewlett-Packard Enterprise geht das gesamte Unternehmensgeschäft über. Hierzu gehören die Produktgruppen, die HP unter der Enterprise Group subsumiert:

alle Netzwerkaktivitäten, das Geschäft mit Industrie-Standard-Servern und Business Critical Systems, die Storage-Sparte sowie das Dienstleistungssegment der Technology Services. Eine zweite große Säule ist der Enterprise-Services-Bereich, in den die Aktivitäten des Infrastructure Technology Outsourcing sowie die Application and Business Services fallen. Schließlich gehören auch die Software Group und die HP Financial Services zur Hewlett-Packard Enterprise.

Wer ist wo bei HP Enterprise:

Wieso nun doch die Aufspaltung?

Natürlich fragt man sich, welche Ereignisse oder Umstände Whitmans Einsicht innerhalb von gut zwei Jahren ins Gegenteil verkehrt haben. Ein Grund könnte sein, dass HP nun seit gut einem Jahrzehnt mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hat. Hinzu kamen diverse Gerichtshändel und verunglückte Akquisitionspläne (Autonomy, PwC).

Schließlich gab es im internen Management-Team immer wieder heftige Auseinandersetzungen, die ein ums andere Mal zu Abgängen im Streit führten: Carleton ("Carly") Fiorina, Mark Hurd, Léo Apotheker - allesamt CEOs von HP, die auf weniger glückliche Art entthront wurden. Immerhin haben sie alle üppige Abfindungen erhalten.

HP rechnet allein für den weltweiten Aufbau der beiden neuen Unternehmensbereiche mit Kosten von rund 400 bis 450 Millionen Dollar. An Umbaukosten sind weitere 1,8 Milliarden Dollar eingeplant. Diese zusätzlichen Ausgaben sind ein Ballast, den die beiden HP-Unternehmen in geschäftlich schwierigen Zeiten schultern müssen.

Umsatzeinbußen bestimmen das Bild

Wie ist nun der Status der beiden neuen Firmen zum 1. August 2015? Ein Blick auf den derzeit aktuellsten Geschäftsbericht (zweites Quartal, Ende: 30. April 2015) liest sich für die verschiedenen Produktsparten eher ernüchternd: Der Umsatz der Personal Systems Group ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um fünf Prozent gesunken. Im Printing-Geschäft (minus sieben Prozent), in der Enterprise Group (minus ein Prozent), bei Enterprise Services (minus 16 Prozent) und Software (minus acht Prozent) sowie bei HP Financial Services (minus sieben Prozent) - überall verzeichnet HP Umsatzrückgänge. Auch die Gewinne sinken kontinuierlich. Im zweiten Quartal des Fiskaljahrs 2015 sanken die operativen Gewinne in vielen Sparten:

Irritierende Management-Wechsel

Hewlett-Packard steckt seit vielen Jahren in einem Abwärtstrend, und auch Whitman, die im Herbst 2011 das Ruder übernahm, konnte die Talfahrt nicht grundsätzlich stoppen. Probleme gab es schon unter Carly Fiorina, die das Unternehmen am 9. Februar 2005 nach Querelen mit dem Verwaltungsrat wegen der angeblichen Weitergabe vertraulicher Informationen an die Presse verlassen musste.

Ersetzt wurde sie durch Mark Hurd, der sich zuvor bei NCR als konsequenter Sanierer einen Namen gemacht hatte. Mit ihm trat vorübergehend eine Besserung ein - unter anderem, weil Hurd tiefe Einschnitte beim Personal vornahm. Hurd wurde wegen einer Spesenrechnungsaffäre mit einer dem Unternehmen verbundenen Geschäftspartnerin abgelöst, was die Verunsicherung bei Mitarbeitern und Kunden nicht eben verringerte. Ursprünglich waren ihm in dieser Causa sexuelle Belästigungen vorgeworfen worden - eine Anschuldigung, die interne Untersuchungen jedoch nicht bestätigten. Es blieb bei der zweifelhaften Spesenabrechnung.

Auch mit Hurds Nachfolger Léo Apotheker trat keine Besserung ein. Apotheker war im Februar 2010 als SAP-Chef von der grauen Eminenz Hasso Plattner zu Fall gebracht worden. Auch bei HP erlebte er als CEO keine glückliche Zeit. In seiner Ägide kam erstmals der Plan auf,

das PC-Geschäft zu verkaufen. Bei HP zeigten sich selbst Topmanager geschockt, darunter der Chef der PC-Sparte Todd Bradley. Den informierte Apotheker anlässlich eines Abendessens erst ganz kurz vor der Bekanntgabe seiner Pläne.

Das Für und Wider der Veräußerungsabsichten beschäftigte das Unternehmen über die Maßen. Es führte intern zu Grabenkämpfen und extern zu großen Verunsicherungen bei Partnern und Kunden. Der etwas irrlichternde Apotheker, der erst am 1. November 2010 den Chefposten bei HP angetreten hatte, musste bereits am 22. September 2011 wieder das Feld räumen und Platz für Meg Whitman machen.

HP Deutschland GmbH - das Management
Jochen Erlach
Vice President DACH
Thomas Beyer
Country Manager Personal Systems
Stefan Gemm
Country Manager Printing
Hartmut Husemann
ountry Manager Services und Solution
Christian Mehrtens
Sales Director Commercial Channel Vertrieb

Marktentwicklung aus den Augen verloren

Es waren wohl auch die internen Unruhen, die dazu führten, dass HP die Entwicklungen am Markt aus den Augen verlor. Das Unternehmen verpasste sowohl im Cloud-Geschäft als auch bei den sich rasant verbreitenden Smartphones und Tablets den Anschluss. Dabei hatte HP auch in dieser schwierigen Zeit - ganz in der Tradition des Ingenieurbetriebs - interessante Technologiekonzepte in seinem Portfolio: Die Memristor-Speichertechnik etwa, die seit Jahren auf den digitalen Reißbrettern

entwickelt wurde, nähert sich der Marktreife. Entwicklungen im 3D-Druck-Segment liefen praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, obwohl sich HP hier Großes versprach. Nicht wenige erwarten heute, dass diese Saat in der neuen HP Inc. aufgehen könnte.

Nach wie vor einfallsreich

Dass HP auch im Client-Segment gute Einfälle hat, beweist zudem das "Sprout"-Konzept des ersten - laut HP-Werbung - "immersiven" PCs. Bei diesem Rechner wartet Hewlett-Packard mit einer besonders innovativen Benutzerschnittstelle auf. Hier kann der Benutzer nicht nur mit seinen Fingern den berührungsempfindlichen Monitor bedienen, sondern auch auf einer sogenannten Touch Mat arbeiten. Dies ist ein Bedienfeld anstelle einer herkömmlichen Tastatur. Auf diese Touch Mat können von einer über dem Display angebrachte.

3D-Kamera und Projektionsmaschine 2D- und 3D-Objekte eingescannt, auf die Touch Mat projiziert und dort bearbeitet werden. Ob sich dieses revolutionäre Konzept am Markt in gewinnbringenden Stückzahlen umsetzen lässt, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen. Es beweist aber, dass HP als Entwicklungs- und Ingenieurfirma lebendig ist. Allerdings sind dies keine strategischen, sondern lediglich Einzelentwicklungen.

HP Inc. oder Hewlett-Packard Enterprise?

Es wird spannend sein zu beobachten, ob und wie sich die beiden neuen Unternehmen längerfristig behaupten können. Marktbeobachter Ray Wang, CEO des im Silicon Valley ansässigen Analystenhauses Constellation Research, hält die Aufspaltung für einen Fehler. HP gebe wertvolle Synergiepotenziale im Bereich Forschung und Entwicklung und in der Supply Chain auf. Außerdem gebe man Skalenvorteile preis, etwa beim Masseneinkauf von Chips.

HP selbst argumentiert, dass mit der Aufspaltung operative Ausgaben in der Größenordnung von 2,8 Milliarden Dollar eingespart werden könnten. Whitman hatte hierzu bereits vor Jahren den Stellenabbau von 55.000 Mitarbeitern über die kommenden Jahre angekündigt. Ob diese Veränderungen aber tatsächlich in diesem Umfang weiter realistisch sind, ist noch unklar.

Die Story von Hewlett-Packard
Die Story von Hewlett-Packard
Hewlett-Packard (HP) durchlebt seit drei, vier Jahren sehr stürmische Zeiten. Das liegt nicht nur an Verschiebungen auf dem Markt und starkem Wettbewerb, sondern auch an der Sprunghaftigkeit sowie Fehlentscheidungen im Topmanagement und in der Unternehmensstrategie. Allerdings hat der Konzern seit seiner Gründung bereits erfolgreich eine respektable Metamorphose durchgemacht.
1939: In der Garage fing alles an
In der mittlerweile wohl berühmtesten Garage der Welt findet Hewlett-Packard 1939 seinen Anfang. Damals gründen Bill Hewlett und David Packard ihr Unternehmen und schrauben neben ihren eigentlichen Jobs in der Garage gleich auf dem Grundstück in Palo Alto, auf dem sie wohnen, einen Tongenerator zusammen. Sie legen damit unbewusst den Grundstein für das Silicon Valley, die vielbeachtete Hightech-Region in Kalifornien.
Die Walt Disney Studios zählen zu den ersten Kunden ...
... und kaufen gleich acht Oszillatoren HP200B, um ein innovatives Tonsystem für den Film "Fantasia" zu entwickeln.
1957: Der Gang an die Börse mit Messtechnik
1951 erfindet HP mit dem 524A ein Hochgeschwindigkeits-Frequenzmessgerät. Damit ist technisch die Grundlage für das Analysegeschäft gelegt. Fünf Jahre später baut das Unternehmen sein erstes Oszilloskop. 1957 geht HP an die Börse. Eine Aktie kostet 16 Dollar. (In Frankfurt wurde die HP-Aktie am 30. April 2013 für knapp 15,50 Euro gehandelt.)
1959: Produktion in Deutschland
Die erste Produktion außerhalb der USA baut HP 1959 in Deutschland auf. Hier hat das amerikanische Unternehmen die meisten Kunden im europäischen Geschäft. Die Standortentscheidung für Baden-Württemberg ist angeblich eine Entscheidung gegen Bayern: In München soll ein Ministeriumsvertreter bei Gesprächen mit Bill Hewlett die bayerische Lebensart mit deftiger Brotzeit und Bier allzu sehr gelobt haben. Der Amerikaner war aber mehr an Produktivität als an Lebensgenuss interessiert und entschied sich deshalb für das als tüchtig und arbeitsam geltende Schwaben.
1962: Böblingen verantwortet das Softwaregeschäft
Der nächste Umzug steht im Jahr 1962 an: Über 150 Mitarbeiter ziehen in das HP-eigene Werk in der Herrenberger Straße, an der noch heute der Sitz der deutschen Tochter liegt. Im Jahr 1963 wächst die technologische Bedeutung der deutschen GmbH: Böblingen baut eine Entwicklungsabteilung auf.
1966: Marktpremiere des ersten HP-Computers
1967 zeigt HP Deutschland, dass das Unternehmen nicht nur technologisch an der Spitze stehen will und führt als internationaler Vorreiter flexible Arbeitszeiten ein. Stechuhren haben ausgedient, auch in der Produktion. In den USA führt HP ein solches Arbeitszeitmodell erst sechs Jahre später ein.
1972: Der Taschenrechner hält Einzug
Mit dem HP-35 bringt Hewlett-Packard 1972 den ersten wissenschaftlichen Taschenrechner der Welt auf den Markt, zwei Jahre später kommt der erste programmierbare Taschenrechner dazu, der HP 65.
1977: Miniaturisierung mit dem HP-01
n der Elektronik treibt HP die Miniaturisierung voran und bringt 1977 eine Art Personal Digital Assistant fürs Handgelenk heraus: Die HP-01 trägt sich wie eine Armbanduhr, zeigt aber nicht nur die Uhrzeit an, sondern dient auch als Taschenrechner und Kalender.
1980: Der erste Personal Computer HP 85
Im Jahr 1980 bringt HP seinen ersten Personal Computer auf den Markt, den HP 85. Mit kleinem Bildschirm und schmalem Druckwerk erinnert er noch stark an eine Schreibmaschine. Für die deutsche Tochtergesellschaft gewinnt das Softwaregeschäft an Bedeutung: Die GmbH übernimmt die Verantwortung für Entwicklung und Vermarktung von Anwendungssoftware im CAD/CAM-Bereich und behält sie auch bis zur Abspaltung des Geschäftsbereichs im Jahr 2000.
1988: Die fetten Druckerjahre kommen
Ab 1988 beliefert Hewlett Packard mit seinem Tintenstrahldrucker HP DeskJet den Massenmarkt, ab 1991 auch mit einem Farbdrucker, dem DeskJet HP 500C.
1993: Jörg Menno Harms prägt HP Deutschland
Im Jahr 1993 übernimmt Jörg Menno Harms den Vorsitz in der Geschäftsführung der HP GmbH. Bis heute ist er dem Unternehmen verbunden und hat den Vorsitz des Aufsichtsrats inne. Die ersten x86-Server von HP kommen unter dem Namen ProLiant auf den Markt.
1998: Jordana - der erste PDA
Mit dem HP Jornada PDA baut Hewlett-Packard 1998 seinen ersten echten Personal Digital Assistant.
2001: Fusion mit PC-Hersteller Compaq
Eine weitere Änderung äußert sich 2001 in der Gründung von HP Services. Der Computerhersteller will stärker auch mit Dienstleistungen Geld verdienen und bietet jetzt Consulting, Outsourcing, Support und Solution Deployment Services an. Das Internet und elektronische Dienstleistungen bilden den Kern der neuen HP-Strategie. Nach dem Abschluss der Übernahme von Compaq geht auch in Deutschland das neue Unternehmen HP am 3. Mai an den Start.
2004: Geschäftsfeld IT-Services wird ausgebaut
Das Unternehmen erweitert sein Angebot für Privatanwender um digitale Unterhaltungstechnik vom Fotodrucker bis zum Personal Media Drive. Im selben Jahr macht HP einen großen Schritt in Richtung Dienstleister und schließt zum 1. April 2004 die Akquisition von Triaton ab, dem von ThyssenKrupp ausgegründeten IT-Dienstleister des Stahlkonzerns.
2005: HP feuert Fiorina und holt Mark Hurd
Der Verwaltungsrat entlässt 2005 die Konzernchefin Carleton Fiorina. Ihr Compaq-Deal bleibt umstritten. Ihr Versuch, Konkurrenten wie Dell im unteren und IBM im oberen Leistungsbereich des IT-Geschäfts anzugreifen, gilt als wenig erfolgreich. Ihr Nachfolger wird Mark Hurd, Chef der NCR Corporation.
2008: EDS-Übernahme macht HP zum Servicegiganten
Mit dem Zukauf von einer ganzen Reihe an Unternehmen will HP sein Geschäft in den Bereichen Software und Services stärken. 2008 übernimmt HP schließlich für 13,9 Milliarden Dollar den IT-Dienstleister EDS, nach der Compaq-Übernahme der zweitgrößte Deal der Unternehmensgeschichte. EDS beschäftigte damals knapp 120.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 21,3 Milliarden Dollar erwirtschafteten. HP wird damit im Dienstleistungsgeschäft zu einem absoluten Schwergewicht mit 210.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 38 Milliarden Dollar.
2009: HP kauft den Networking-Spezialisten 3Com
Seine Netzwerkkompetenz baut HP schließlich 2009 durch die Akquisition der 3Com Corporation aus. In Deutschland übernimmt zum 50-jährigen Bestehen der HP GmbH Volker Smid den Vorsitz in der Geschäftsführung. Er leitet bis heute die Deutschland-Tochter.
2011: eBay-Chefin Meg Whitman übernimmt das Ruder
Der Verwaltungsrat ist gegen Apotheker und holt eBay-Chefin Meg Whitman. Seit dem 22. September 2011 ist sie CEO von HP. Sie geht einen anderen Weg, sieht das Hardwaregeschäft als wichtiges Standbein. Mittlerweile hat sie HP einen harten Sparkurs verordnet. Die Geschäftszahlen für 2012 waren noch katastrophal: Bei einem Umsatz 120,4 Milliarden Dollar machte HP einen Verlust von 12,7 Milliarden Dollar.
2013: Das PC-Geschäft bricht ein
Unter Whitman will HP wieder in die technologische Offensive gehen. Neue Produkte rund um Cloud Computing, Big Data und Analytics sollen helfen, das Runder herumzureißen. Sie sollen das wegbrechende PC-Geschäft kompensieren helfen. HP ist zwar noch Marktführer, doch die PC-Verkäufe sind im ersten Quartal 2013 um fast 24 Prozent abgesackt.
2014: Die Aufspaltung kommt
Anfang Oktober 2014 nimmt der einstige Branchenprimus Anlauf für den finalen Befreiungsschlag: Bis November 2015 soll der Konzern durch einen Aktiensplitt aufgeteilt werden in HP Inc. als Anbieter von Personal Computern und Drucker sowie in Hewlett-Packard Enterprise (HPE) mit Unternehmenslösungen für Infrastruktur, Software und Services.
2015: Neues Enterprise-Logo
Im April stellt Hewlett-Packard Enterprise sein neues Logo vor.

Auch Timothy Prickett Morgan ist skeptisch bezüglich der Erfolgsaussichten der Spaltung. In einer Analyse für die Online-Publikation "The Platform" schreibt er, die Aufspaltung gebe so viel Sinn wie einst die Zusammenführung der unterschiedlichsten Geschäftsstrategien verschiedenster Produktgruppen unter einem HP-Dach. Mit Blick auf HP Enterprise warnt Prickett Morgan: Hunderttausende von HP-Data-Center-Kunden dürften sich fragen, warum ein autonomes Enterprise-Geschäft besser in der Lage sein soll, Kunden mit Technik und Services zu versorgen und ihnen bei den technischen und ökonomischen Umwälzungen im Rechenzentrum zu helfen.

Getrennt operieren - höhere Bewertung

Christophe Châlons, Chief Analyst bei PAC, sieht die Aufspaltung HPs in zwei getrennt operierende Unternehmen positiver. Er äußerte bereits im Oktober 2014, dass aufgrund der unterschiedlichen Märkte und Geschäftsmodelle der beiden neuen Unternehmen auch die Leistungskennzahlen (KPIs), an denen man messen lassen müsse, unterschiedlich seien. Ergo schließt Châlons, dass die getrennt operierenden Einheiten in Addition eine höhere Bewertung erreichen müssten, als dies im bisherigen Konglomerat möglich war.

"Die getrennt operierenden Unternehmen sollten eine höhere Bewertung erzielen." Christophe Châlons, Berater bei PAC
Foto: PAC

HP Inc.: Geringe Margen bei PC-Systemen

Betrachtet man die beiden Unternehmen einzeln, so fällt auf, dass sich in den Medien in den vergangenen Wochen und Monaten ein Konsens gebildet hat, wonach die HP Inc. eher zum Scheitern verurteilt sei als die HP Enterprise. In der Tat: Die wirtschaftlichen Zahlen der ehemaligen HP-Geschäftseinheit Printing and Personal Systems Group (PPSG), die jetzt als HP Inc. firmieren, belegen den Druck, unter dem diese Produktsegmente stehen. So erwirtschaftete etwa Personal Systems (also Notebooks, Desktops, Workstations) im zweiten Quartal 2015 nur eine operative Marge von 3,0 Prozent - die geringste aller HP-Divisionen. Dieser Bereich hat auch wesentliche Entwicklungen verschlafen.

Smartphones und Tablets sind entweder gar nicht im Angebot oder deutlich unterrepräsentiert. Dies dürften Nachwirkungen aus der Zeit Apothekers gewesen sein. In seine Zeit fiel der Versuch, mit dem "TouchPad" auf Basis des zugekauften Betriebssystems WebOS verlorenes Terrain im Mobilmarkt zu erobern. Eine Strategie, die grandios scheiterte. Dabei zeigt sich der Trend zu mobilen Endgeräten auch bei HP selbst: Während alle anderen Kategorien der Personal Systems Group

im zweiten Quartal 2015 rückläufige Umsätze verzeichnen, konnte die Notebook-Sparte im Jahresvergleich eine Umsatzsteigerung von immerhin fünf Prozent erzielen. Allerdings belegt das Notebook-Business auch, wie volatil das Geschäft ist: Vom ersten zum zweiten Quartal 2015 weist die PSG einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent bei Notebooks aus.

Auch für das zweite Standbein der künftigen HP Inc., die Druckersparte, sind die goldenen Zeiten - jedenfalls vorerst - vorbei. Sowohl Business- als auch Privatkunden zeigen deutliche Kaufzurückhaltung. Auch das lukrative Geschäft mit Zubehör ist rückläufig.

HP Inc. = Verliererunternehmen?

Trotzdem wehrt sich Patrik Edlund, Sprecher der ehemaligen HP Deutschland, gegen den Eindruck, mit der HP Inc. sei der Verlierer der Unternehmensaufspaltung schon ausgemacht. Er verweist auf das spannende Thema des 3D-Drucks, das - zumindest in den Projektionen der Analysten - große Wachstumschancen verspricht. Hier sei HP mit eigenen Entwicklungen sehr engagiert am Werk. Problem allerdings: So vielversprechend der 3D-Druck auch zunächst erschien, auf dem sogenannten Hype Cycle steckt er schon wieder im "Tal der enttäuschten Erwartungen". Von Stückzahlen, in denen ein Unternehmen wie HP denkt - und denken muss -, ist dieses Produktsegment weit entfernt. Edlund betont zudem die Bedeutung, die Konzepte wie der "Sprout"-PC für die Produktsparte hätten.

PC-Geschäft von HP zeigt sich stabil

Nicht hausgemacht und zudem ein Problem, das alle amerikanischen IT-Hersteller derzeit teilen, ist der starke Dollar. Gartner wies bereits 2015 darauf hin, dass Verkäufer von Endgeräten die Preise erhöhen werden, um währungsbedingte Einbußen auszugleichen. In der Eurozone und in Japan sollen PCs im Jahr 2015 um bis zu zehn Prozent teurer werden. Allerdings ist das ein Effekt, der alle Anbieter trifft und in allen geografischen Regionen Spuren hinterlässt. Trotzdem erwischt er die neue HP Inc. zu einem ungünstigen Zeitpunkt, nämlich gleich zum Start.

Das PC-Geschäft von HP bleibt angesichts der allgemeinen Marktschwäche ein unsicherer Kandidat. Zwar deutete sich im ersten Quartal dieses Jahres eine leichte Erholung an - HP konnte Gartner zufolge seinen weltweiten Absatz um 2,5 Prozent steigern, während der Gesamtmarkt um 5,2 Prozent schumpfte. Doch im darauf folgenden zweiten Quartal kam die Ernüchterung: Der PC-Absatz im globalen Markt wie auch bei HP reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,5 Prozent. Auch die direkten Konkurrenten verzeichneten Einbußen, aber in einem etwas geringen Ausmaß: Marktführer Lenovo beklagte ein Minus von 6,8 Prozent, Dell 4,9 Prozent.

"Ein solches Business kann wertvoll sein"

Steve Janata von Crisp Research sieht die Zukunft der HP Inc. dennoch nicht so schwarz wie einige andere Marktbeobachter. Welches der beiden neuen Unternehmen von der Aufspaltung profitieren werde, bleibe abzuwarten. "HP als Gesamtes leidet seit Jahren unter strategischen Fehlentscheidungen." Die Abspaltung des PC- und Druckergeschäfts gebe vor allem für die Investoren Sinn. Janata sieht die Margenthematik der Personal Systems Group nicht als besorgniserregend an: "Dieses Geschäft ist von niedrigen Margen gekennzeichnet. Aber die Historie (Lenovo/IBM) hat gezeigt, dass mit richtiger Strategie, Fokussierung und Kostenkontrolle ein solches Business doch wertvoll sein kann."

"Viel mehr als Kostensenkungen und der Split-up ist Whitman nicht eingefallen." Steve Janata, Crisp Research
Foto: crisp-research

Ebenfalls eher optimistisch argumentiert Wolfgang Schwab, Lead Advisor Platforms & Infrastructure bei der Experton Group AG. Mit niedrigen Gewinnmargen umzugehen, sei für für PC- und Notebook-Anbieter nicht neu. Und richtig sei auch, dass HPs strategische Entscheidungen zum Thema Smartphones und Tablets "eher von zweifelhafter Natur" gewesen seien. Die Ausgangssituation für einen langjährigen, erfahrenen Anbieter wie HP sei aber dennoch nicht schlecht. "Bei richtigem Management kann HP hier durchaus erfolgreich sein."

Nach wie vor gute Margen

Nicht zu unterschätzen, so Schwab, ist das Druckergeschäft. Dort ließen sich nach wie vor gute Erträge erzielen. Tatsächlich generierte der Anbieter im Druckergeschäft (für Privat- und Geschäftskunden inklusive des gesamten Zubehörs) immer den höchsten operativen Gewinn - wenn man einmal die Softwaresparte mit ihren generell höheren Margen außen vor lässt. Allerdings ist dieses Business bei HP wesentlich kleiner.

And the winner is ... HP Enterprise?

So sehr manche Experten die HP Inc. auf der Verliererstraße sehen - und damit unrecht behalten könnten -, so wenig ist auch ein Erfolg der HP Enterprise ausgemacht. Um nur einen Effekt der Aufspaltung in eine HP Inc. und eine HP Enterprise aufzuzeigen, sei Timothy Morgan Prickett noch einmal zitiert. Seit der Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 kämpfe HP mit rückläufigen Zahlen. Die Abschreibungen für den missglückten Autonomy-Kauf müssten ebenso wie die 13,9 Milliarden Dollar teure Akquisition von EDS aus dem Jahr 2008 erst einmal verdaut werden.

In dieser Situation sehe sich HP nun in einer vergleichbaren Situation wie IBM, die ihr PC-Geschäft an Lenovo abgetreten hatte. Der Skaleneffekt, den man als Großeinkäufer von Prozessoren bei Firmen wie Intel nutzen konnte, verringerte sich mit dem Verlust des PC-Geschäfts - zum Nachteil für die Server-Abteilung. IBM musste die Chips teurer einkaufen und damit auch die Preise für seine Server erhöhen. Ähnliches prognostiziert Prickett nun der HP Enterprise.

Crisp-Research-Analyst Janata erwartet weitere Probleme: "HP Enterprise steht vor gewaltigen Herausforderungen. Im Cloud-Service Geschäft ist man quasi gescheitert. Outsourcing ist ein schwieriges Umfeld, wo Anbieter wie HP unter der starken Konkurrenz aus Indien leiden. Und Trends wie Software-defined Network/Datacenter machen das Leben auch nicht gerade einfacher." Derzeit spreche wenig dafür, "dass HP an alte Erfolge anknüpfen kann".

Ebenfalls noch nicht ganz überzeugt ist Experton-Mann Schwab. HP Enterprise habe "theoretisch bessere Chancen, jedoch vermisst man seit Langem echte Innovationen im Bereich Server und Storage, so dass von dieser Seite eher wenig zu erwarten ist". Der Erfolg, so Schwab, "steht und fällt letztlich mit den Enterprise Services, da bei den Produkten wenig Innovatives zu erkennen ist".

Doch es gibt auch Positives: Timothy Prickett Morgan sieht über den langen Zeitraum von der Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008/09 bis heute ein recht stabiles Umsatzergebnis der Softwaresparte und des Bereichs HP Financial Services. Beide hätten Jahr für Jahr mit jeweils rund einer Milliarde Dollar zum Gesamtergebnis beigetragen. Diese Einnahmen - allerdings auf im Konzernmaßstab eher niedrigem Niveau - hätten beide Geschäftseinheiten unberührt von weltweiten wirtschaftlichen Entwicklungen und Konkurrenzeinflüssen erwirtschaftet.

Die Enterprise Group, zu der die gesamte Hardware der Server, Storages, Switches sowie der technische Support für diese Gerätschaft gehört, durchlitt bittere Zeiten während der Finanzkrise - schaffte dann aber bis Ende 2010 ein glänzendes Comeback. Seitdem aber sinken die Umsatzzahlen wieder kontinuierlich - mit gelegentlichen Ausschlägen nach oben. Grund hierfür ist vor allem der Trend zu preiswerten x86-Standard-Servern, an denen nicht viel zu verdienen ist. Gleichzeitig werden die Verhältnisse für die hochpreisigen Itanium-basierten "Integrity"-Systeme immer schwieriger.

Geholfen hat HP auch nicht der Zukauf von Netzwerk- und Speicherfirmen, um das Geschäft der Enterprise Group zu stabilisieren (beispielsweise 3Par oder 3Com). Immer mehr Wettbewerber mit offeneren Konzepten, billigerer Hardware und ausgeklügelteren Softwareangeboten traten auf den Plan und machten es HP schwer, erfolgreich zu agieren. Prickett Morgan sieht davon auch andere Traditionsanbieter wie IBM, Dell, Oracle/Sun oder Fujitsu bedroht.

Auch im IT-Servicemarkt stagniert HP. Allerdings sollte erwähnt werden, dass der Konzern hier weltweit klar die Nummer zwei ist. Dieser Erfolg stammt, wie PAC-Analyst Châlons betont, vor allem aus dem guten Auftritt im Bereich der Infrastructure Services. Wie es mit dem Servicegeschäft weitergeht, wird auch davon abhängen, ob sich HP an das hält, was das Unternehmen vor Wall-Street-Analysten versprochen hat: Die Kosten im Servicegeschäft sollen um rund zwei Milliarden Dollar gesenkt werden. Da dies wohl über Personalreduzierungen vonstatten gehen wird, ist erneut Unruhe programmiert.

Whitman plant Shopping-Tour

Meg Whitman, die bei HP Enterprise weiterhin als CEO fungieren und als Chairman in die Geschäfte der HP Inc. hineinregieren wird, hat zudem bekannt gegeben, dass HP Enterprise Firmen zukaufen werde. Nun ist das Thema Akquisitionen keines, das bei HP in der Vergangenheit eine klassische Erfolgsgeschichte gewesen wäre. Viel wird davon abhängen, ob beide HP-Unternehmen hier ein glücklicheres Händchen beweisen als früher.

Experton-Analyst Schwab verweist denn auch auf HPs "eher durchwachsene Historie, wenn es um M&A-Vorhaben geht". Erfolgreich seien vor allem technologiegetriebene Übernahmen kleinerer Unternehmen verlaufen. "Wenn man HP heute betrachtet, kommen zwei Bereiche für Zukäufe in Betracht: einerseits Hardware und Middleware, andererseits Services." Von Software hingegen sollte HP nach Möglichkeit Abstand halten, so Schwab. "Dieser Markt ist so weit vom eigentlichen Kerngeschäft entfernt, dass weder Synergien noch Erfolge zu erwarten sind."

Janata von Crisp Research rät dringend zu Akquisitionen: "HP Enterprise muss sich zwingend durch Zukäufe verstärken. In nahezu allen Zukunftsfeldern ist HP schwach aufgestellt." Auf eigene Innovationen zu setzen, wäre sehr gefährlich, dazu fehle HP aktuell die Energie und auch die Zeit. HP müsse aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und sich beim Integrieren zugekaufter Unternehmen professioneller aufstellen. "Wie das funktioniert, lässt sich bei Oracle lernen."

Fast wie ein Verdikt klingt, was Janata HP mit auf den Weg gibt: "Meg Whitman hat versäumt, den Umbruch mit positiven Perspektiven zu verknüpfen. Viel mehr als Kostensenkungen und der Split-up sind ihr bisher nicht eingefallen." Für die meisten sei es schwer, sich kurz- und mittelfristig ein Szenario vorzustellen, das wieder von Wachstum und Innovation geprägt ist. "Dieser Braindrain verstärkt allerdings die negativen Tendenzen. Es ist kurzfristig nicht absehbar, dass sich daran etwas ändern könnte."

Aus Sicht von Experton-Analyst Schwab führt jede Strukturveränderung in einer Firma dieser Größe zu Reibungsverlusten. "Entscheidend ist, dass derartige Maßnahmen schnell und konsequent durchgeführt werden. Dieser Prozess scheint nun soweit abgeschlossen."