Markt wächst auf 38,9 Milliarden Euro

Was Kunden beim Smartphone-Kauf aktuell wichtig ist

26.02.2024 von Peter Marwan
Nutzer in Deutschland tauschen Smartphones 2024 nicht mehr so schnell aus wie früher, wollen weniger Geld für den Kauf ausgeben, interessieren sich für Zubehör und achten längst nicht nur auf technische Spezifikationen.
 
  • Smartphone-Absatz steigt von 20,1 auf 21,8 Millionen Geräte.
  • Durchschnittspreis pro Gerät sinkt von 567 Euro auf 523 Euro
  • Marke nur für 64 Prozent wichtiges Auswahlkriterium
Rechteckig, schwarz, dünn - im Laden sehen alle Smartphones ähnlich aus. Dennoch haben Kunden ganz bestimmte Vorstellungen, was ihr nächstes Modell können soll und was es kosten darf.
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Smartphones werden in Deutschland nicht mehr so schnell ersetzt wie früher. Das geht aus einer Umfrage des Bitkom hervor. Darin sagten 43 Prozent der Befragten, dass sie ein Gerät besitzen, das jünger als ein Jahr ist. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 55 Prozent, 2022 bei 60 Prozent. 27 Prozent nutzen ihr aktuelles Smartphone zwei Jahre oder länger. 2023 lag dieser Wert noch bei 23 Prozent, 2022 sogar nur bei 16 Prozent. Das Durchschnittsalter eines selbst gekauften Smartphones liegt laut den Bitkom-Berechnungen zufolge in Deutschland aktuell bei 17,5 Monaten.

Die Entwicklung erklärt Markus Haas, Bitkom-Präsidiumsmitglied und CEO von Telefónica Deutschland, folgendermaßen: "Die Geräte sind inzwischen sehr robust und werden länger mit Updates versorgt. Entsprechend sind sie auch länger in Gebrauch." Zudem kämen immer mehr gebrauchte Smartphones als "Refurbished"-Ware generalüberholt und mit Garantie versehen zurück in den Markt.

Markt rund um Smartphones entwickelt sich gut

Trotz einer gewissen Austauschmüdigkeit wächst der deutsche Markt für Smartphones, Apps und Mobilkommunikation Berechnungen des Bitkom zufolge 2024 um 1,3 Prozent auf 38,9 Milliarden Euro. Das ist ein neuer Höchststand. 2023 waren es 38,4 Milliarden Euro.

Auf Smartphones selbst entfällt im gesamten Smartphone-Ökosystem nur etwas mehr als ein Viertel des Umsatzes.
Foto: Bitkom

Zum Wachstum tragen vor allem Investitionen in die Netzinfrastruktur und steigende Umsätze mit mobilen Telekommunikationsdiensten bei. Sprach- und Datendienste machen mit 22,9 Milliarden Euro den größten Anteil aus. Der Bereich wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 1,9 Prozent.

Die Investitionen der Netzbetreiber in die mobile Infrastruktur sollen 2024 um 3,4 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro steigen. Hinzu kommen Aufwendungen für Frequenzen, Gebäude und Bauarbeiten, die in diese Zahlen nicht enthalten sind.

Durchschnittspreis neuer Smartphones sinkt

Trotz zunehmender Nutzungsdauer der Geräte erwartet der Bitkom - ebenso wie zum Beispiel Chip-Fertiger Qualcomm - für das laufende Jahr einen Anstieg des Smartphone-Absatzes von 20,1 auf 21,8 Millionen Geräte. Das entspricht einem Plus von knapp 8,5 Prozent. Da der Verband beim Durchschnittspreis pro Gerät aber einen Rückgang von zuletzt 567 Euro auf 523 Euro ( minus 7,8 Prozent) ausgeht, bleibe der Umsatz mit Smartphones nahezu unverändert (bei 11,4 Milliarden Euro).

2024 werden in Deutschland vermutlich mehr Smartphones verkauft als 2023. Da deren durchschnittlicher Verkaufspreis aber sinkt, bleibt der Umsatz mit Geräten in etwa auf Vorjahresniveau.
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"Günstige Einsteigermodelle gewinnen Marktanteile hinzu", erklärt Haas. "Insgesamt geben viele Verbraucherinnen und Verbraucher im Zweifel aber lieber mehr Geld aus, um sicherzugehen, dass sie länger etwas von ihren Geräten haben." Im App-Markt erwartet der Bitkom 2024 wieder leichtes Wachstum. Der Umsatz mit mobilen Anwendungen legt voraussichtlich um 2,0 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro zu.

Der oben genannte Durchschnittspreis von 523 Euro ist der tatsächliche, durchschnittliche Verkaufspreis für das Gerät über alle Vertriebskanäle hinweg. Den wollen aber nur die wenigsten bezahlen. Der durchschnittliche Wunschpreis liegt bei 241 Euro. Der ist sogar leicht gestiegen. 2023 waren es 238 und 2022 sogar nur 232 Euro.

Damit der Preis erreicht wird, kaufen sie das Gerät häufig in Kombination mit einem Mobilfunktarif - über den dann die Differenz zwischen Wunschpreis und tatsächlichem Verkaufspreis ratenweise finanziert wird. Ein Drittel (33 Prozent) ist bereit, maximal 100 Euro für das nächste Smartphone zu bezahlen. 29 Prozent können sich vorstellen, zwischen 100 und 299 Euro auszugeben, 13 Prozent zwischen 300 und 499 Euro. Immerhin fast jeder Fünfte (18 Prozent) hat jedoch mehr als 500 Euro für das nächste Smartphone eingeplant.

Auswahlkriterien für Smartphones

Bei den Antworten auf die Frage, was ihnen bei der Wahl eines privaten Smartphones wichtig sei, liegen Kriterien wie "robusteres Bildschirmglas" (98 Prozent), "Bildschirmqualität" (95 Prozent), "Akkulaufzeit" (96 Prozent) und "Speicherplatz" (92 Prozent) ganz vorn.

"Guter Empfang am Wohnort" erscheint als Kriterium beim Mobilfunktarif zunächst paradox, erklärt sich aber dadurch, dass 41 Prozent das Festnetztelefon durch ihr Smartphone ersetzen - und der Rest natürlich auch zuhause mobil erreichbar sein will.
Foto: Bitkom

Die Displaygröße ist für 77 Prozent wichtig. Fast zwei Drittel (64 Prozent) achten zudem auf die Marke und 52 Prozent auch auf die Farbe des Geräts.

Da Smartphones inzwischen nicht mehr so schnell ersetzt werden, wünschen sich Verbraucherinnen und Verbraucher aber auch eine langfristige Software-Unterstützung durch die Hersteller. Das kommt deutlich darin zum Ausdruck, dass "langfristige Versorgung mit Updates" mit nur geringem Abstand in der Liste der Top-Auswahlkriterien folgt und gleichauf mit "Kameraqualität" (ebenfalls 87 Prozent) gleichauf liegt.

Smartphone ist Multifunktions-Tool

Smartphones sind ständiger Begleiter. Zum Beispiel speichern 31 Prozent der vom Bitkom Befragten darauf ihre ÖPNV-Tickets. Als unverzichtbarer Begleiter dient das Smartphone aber auch immer mehr anderen Aufgaben zusätzlich zur Kommunikation. Zwei Drittel (67 Prozent) der Nutzerinnen und Nutzer haben ihre Fotokamera wegen ihres Smartphones aussortiert. Fast ebenso viele (66 Prozent) verzichten auf einen Wecker.

41 Prozent ersetzen das Festnetztelefon durch ihr Smartphone und 39 Prozent das klassische Navigationsgerät. Auch als Ersatz für die Taschenlampe (26 Prozent), das Radio (21 Prozent), die Armbanduhr (15 Prozent) und das Babyfon (2 Prozent) dient das Smartphone. 6 Prozent sagten, dass sie dank Smartphone keinen Scanner mehr benötigen. Und auch als Gesundheits-Tracker wird das Smartphone immer wichtiger.

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