Test

Was taugt der aufgebohrte Mac Mini?

02.04.2009 von Christian Möller
Insider hatten schon das Ableben des Mac Mini propagiert, doch Apple hat dem Einsteiger-Mac neues Leben eingehaucht. Unsere Schwestepublikation Macwelt hat alle drei neuen Modelle untersucht.

Apples kleinster Mac blieb satte 18 Monate so gut wie unverändert im Programm. Das neue Modell bringt nun umso mehr Verbesserungen. Optisch bleibt allerdings alles beim Alten. Wer mit einem schicken, flacheren Modell gerechnet hat wird enttäuscht. Doch auch bei den schon bekannten Abmessungen bleibt der Mini ein echter Hingucker. Ernst zu nehmende Konkurrenz aus dem PC-Lager gibt es in dieser Baugröße nach wie vor nicht.

Mac Mini

Mac Mini 2009

Platine: links unter sind die RAM-Slots, darüber der Nvidia-Chipsatz, darüber das Bluetooth- und Airport-Modul, rechts daneben die CPU

Die Mac-Mini-CPU ist nun nicht mehr gesockelt

RAM Slots: maximal sind 4 GB möglich

Die Pufferbatterie für die Uhr lässt sich leicht austauschen

Auf dem Oberteil sitzt das optische Laufwerk von Pioneer

Unter dem ODD liegt die 2,5-Zoll-Sata-Festplatte

Ein Platinenstecker verbindet die Sata-Tochterplatine mit dem Mac Mini

Das optische Laufwerk kommt mit einem Slim-Line-Sata-Anschluss

Wer hier eine zweite Festplatte einbauen will, braucht einen Adapter von "Slim-Line-Sata" auf "Sata"

Ausstattung

Als Hauptprozessor setzt der Mini nun auf einen Intel Core 2 Duo, der im 45-Nanometer-Penryn-Verfahren gefertigt ist. Die Taktfrequenz des Basismodells hat Apple moderat von 1,83 auf 2,0 Gigahertz angehoben. Optional bekommt man auch ein Modell mit 2,26 Gigahertz. Damit sollte der Kleine sogar schneller sein als das aktuelle Macbook.

Getreu Apples neuer Politik in Sachen Firewire verzichtet der Mac Mini auf Firewire 400. Statt dessen bekommt man den deutlich schnelleren und rückwärtskompatiblen Firewire-800-Port. Auch bei USB gibt es Veränderungen. Statt vier bietet der Mac Mini nun fünf USB-2.0-Anschlüsse.

Schnelle Grafik

Wie beim Macbook und Macbook Pro kommt nun auch im Mac Mini ein Chipsatz von Nvida zum Einsatz. Der integrierte Grafikchip Geforce 9400 soll dabei wesentlich mehr Leistung bieten als die Intel-Grafik beim Vorgänger.

Im Test bestätigt sich das. Wir messen bei 3D-Echtzeitanwendungen wie zum Beispiel Spielen und Programmen, die auf Core-Image-Effekte zurückgreifen eine dramatische Leistungssteigerung im Vergleich zum alten Mac Mini.

Doom 3 beispielsweise schaufelt etwa 13 mal mehr Bilder pro Sekunde auf den Bildschirm als beim Vorgänger. In Core-Image-Anwendungen wie beispielsweise Imaginator messen wir noch stärkere Zuwächse. Hier erreicht der neue Mini etwa den Faktor 40.

Eine wichtige Neuerung für Kreative im Grafikbereich: Der Mac Mini steuert nun zwei Monitore im echten Dual-Monitorbetrieb an. Dazu gibt es einen Mini-DVI- und einen Mini-Displayport-Anschluss. Ein Adapter von Mini-Displayport auf DVI liegt dem Gerät bei. Der zweite Adapter kostet 20 Euro extra. Im Test probieren wir dies aus. Zwei 24-Zöller, beide digital angesteuert, arbeiten problemlos am Mac Mini. Allerdings kann man nur einen 30-Zöller anschließen. Dieser benötigt den Display-Port in Verbindung mit dem etwa 100 Euro teuren Adapter für Dual-Link-DVI-Monitore.

Dadurch ergeben sich Einschränkungen in den Monitor-Kombinationen. Das 30-Zoll-Cinema-Display lässt sich beispielsweise nicht gleichzeitig mit dem 24-Zoll Cinema LED Display bereiben, da beide den Mini Displayport benötigen. Wohl aber kann man das 30-Zoll-Cinema-Display gleichzeitig mit einem andern 24-Zoll-Display betreiben, das man per DVI anschließt.

Schade: einen Monitor-Adapter auf HDMI gibt es im Apple Store bislang nicht. Wer den neuen Mac Mini an seinen Flachbildfernseher anschließen will, muss den Umweg über den DVI-Adapter und ein zusätzliches DVI-nach-HDMI-Kabel gehen. Das Audio-Signal kommt dadurch allerdings nicht in den Fernseher. Dafür muss man ein eigenes, analoges Kabel legen.

RAM und Massenspeicher

Das Einstiegsmodell kommt mit einem Gigabyte RAM. Apple setzt hier flotte Speichermodule mit 1066 Megahertz Takt ein. Dennoch ist ein Gigabyte die unterste Grenze für den Betrieb unter Leopard . Tiger läuft auf dem neuen Mini nicht mehr.

Der Einsteiger-Mac-Mini muss deutlich öfter auf den virtuellen Speicher auf der Festplatte ausweichen, was sich durch spürbare Wartezeiten bemerkbar macht. Außerdem liegt der Videospeicher, der vom verfügbaren Hauptspeicher abgezogen wird, nur bei 128 Megabyte, was sich durch merkliche Leistungseinbußen bei grafikintensiven Anwendungen bemerkbar macht. In Imaginator beispielsweise liefert der 2-GB-Mac-Mini zwischen 20 und 60 Prozent höhere Bildraten im Vergleich zum 1-GB-Mac-Mini. Dies liegt allein am geringeren Video-RAM. Eine Aufrüstung auf zwei Gigabyte lohnt sich also in jedem Fall. Ab zwei Gigabyte benutzt der Grafikchip automatisch 256 Megabyte Videospeicher.

Die Kapazität der internen Festplatte hat Apple mit 120 Gigabyte beim Einstiegs-. und 320 Gigabyte beim Top-Modell deutlich angehoben. In unseren Testgeräten kommen Laufwerke von Hitachi zum Einsatz. die Datenraten liegen durchschnittlich bei etwa 47 Megabyte pro Sekunde. Damit sind die Platten keine Rennwagen. Wer seinen Mac Mini spürbar beschleunigen will, sollte von einer externen 3,5-Zoll-Festplatte mit Firewire-800-Interface booten. Hier erreicht man Datenraten von gut 60 Megabyte pro Sekunde.

Superdrive

Alle Mac-Mini-Modell kommen nun mit einem internen Superdrive. In unseren Testgeräten stammt es vom Hersteller Pioneer und hört auf die Bezeichnung DVR-TS08. Dieses Laufwerk ist brandneu und derzeit noch nicht einzeln erhältlich. Gegenüber dem Vorgänger-Modell brennt es Dual-Layer-DVDs mit sechsfacher Geschwindigkeit deutlich schneller und es unterstützt nun sowohl DVD+R DL als auch DVD-R DL. Auf Bluray-Unterstützung muss man allerdings auch weiterhin verzichten.

Stromverbrauch und Lautheit

Erstaunlich sind unsere Ergebnisse beim Stromverbrauch und bei der Geräuschentwicklung. Trotz der schnelleren CPU und des deutlich leistungsfähigeren Grafikchips, konsumiert der neue Mac Mini weniger Strom als der Vorgänger. Im Betrieb ohne CPU Last messen wir knapp unter 14 Watt. Unter voller CPU-Last bleibt die 2-Gigahertz-Version unter 30 Watt. Eine beachtliche Leistung.

Dazu korrespondiert auch die Geräuschentwicklung. Selbst nach 20 Minuten Volllast von CPU und Grafikchip dreht der eingebaute Lüfter nicht hoch. Die Lautheit bleibt bei 0,1 Sone und damit an der Grenze des Hörbaren. Das gilt auch für die 2,26-Gigahertz-Version.

Lediglich beim Rippen von CDs wird der Mini laut. Das optische Laufwerk dreht hier mit hoher Drehzahl, was unser Schallmessgerät mit 2,6 Sone registriert.

Benchmark-Ergebnisse

In den folgenden Bilderstrecken finden Sie die wichtigsten Ergebnisse aus unseren Benchmark-Tests.

Die Ergebnisse aus den Ergonomie-Tests folgen auf der nächsten Seite

Es folgen die Benchmark-Ergebnisse aus den Ergonomie- und Verbrauchsttests

Empfehlung

Der neue Mac Mini ist ein gelungener Wurf Apples. Zu lange hat ihn der Mac-Hersteller links liegen gelassen. Umso drastischer wirkt sich die Leistungsspritze nun aus. Dank des Nvidia-Chipsatzes und der Möglichkeit zwei Monitore zu betreiben, ist der Mac Mini auch anspruchsvollen Aufgaben gewachsen. Die leicht angehobenen Preise sind jedenfalls gerechtfertigt. Profis sollten aber auf jeden Fall mindestens zwei Gigabyte RAM einbauen.

cm

Feedback: Christian Moeller

(Macwelt/haf)

Mac Mini 2,0 GHz, 1 GB

Preisgünstiger Einsteiger-Mac mit geringem Stronverbrauch

Apple

Preis: € 600, CHF 800

Note: 1,5 gut

Leistung (50%) 1,0

Ausstattung (20%) 1,6

Handhabung (5%) 2,0

Ergonomie (25%) 2,2

Vorzüge: niedriger Stromverbrauch, sehr leise, gute CPU- und Grafikleistung

Nachteile: zu wenig RAM, kein HDMI-Ausgang, kein Bluray-Player

Alternativen: iMac

Apple