Umbau der Enterprise Services

Wie es bei HP Deutschland weitergeht

04.02.2013
Nach der Schließung des Standorts Rüsselsheim wird HP einen Großteil der Services künftig aus den europäischen Service-Zentren liefern.
Volker Smid, Vorsitzender der Geschäftsführung, HP Deutschland

HP streicht im Rahmen des Sparprogramms hierzulande 1.100 Stellen im Bereich Enterprise Services (ES). Damit verlieren knapp zehn Prozent der Beschäftigten in Deutschland ihren Job. Insgesamt beschäftigt HP hierzulande aktuell 10.400 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte im Segment ES.
Von den Stellenstreichungen betroffen ist vor allem der Standort Rüsselsheim, der bis Ende des Jahres geschlossen werden soll. Hier fallen 850 Stellen weg, weitere 250 Mitarbeiter sollen von einem Partnerunternehmen übernehmen werden.

HP hatte die Niederlassung Rüsselsheim 2008 im Zuge der EDS-Akquisition übernommen, einem IT-Dienstleister, der unter anderem für Opel Rüsselsheim als Outsourcing-Partner aktiv war und es auch nach der Integration in den HP-Konzern blieb.

"Deutschland hat seinen Beitrag geleistet"

Nach Aussagen des HP-Deutschland-Geschäftsführers Volker Smid erfülle die Landesgesellschaft damit ihren Beitrag am weltweiten Sparprogramm. In absehbarer Zeit werde es nur noch geringe Einschnitte geben.

HP-Konzernchefin Meg Whitmann hat dem Unternehmen im Frühjahr 2012 eine strategische Neuausrichtung verbunden mit einem harten Restrukturierungsprogramm verordnet, das den Abbau von insgesamt 29.000 Stellen vorsieht. Der Umbau soll frühestens Ende 2016 abgeschlossen sein.

Eine Folge dieses Umbaus war die Verschmelzung der Druckersparte IPG mit der PC-Unit PSG zur "Printing and Personal Systems" (PPS) im März 2012.

Im November 2012 wurde schließlich mit dem Betriebsrat ein Freiwilligenprogramm für den Abbau von 450 Stellen vereinbart. Betroffen davon waren vorwiegend Mitarbeiter in der Verwaltung und im Geschäftsbereich PPS.

Outsourcing unter Druck

Mit der Schließung des Standorts Rüsselsheim wird jetzt ein weiterer Teil dieser Maßnahmen umgesetzt. Er betrifft den Geschäftsbereich Enterprise Services (ES). Diese HP-Einheit erbringt vor allem für Großkonzerne IT-Outsourcing-Dienstleistungen.

Ursache für die aktuellen Einschnitte sei vor allem der Preiskampf unter den Outsourcing-Anbietern, der durch extrem günstige Offshore-Dienstleister weiter angeheizt werde, wie ein Unternehmenssprecher gegenüber ChannelPartner erklärte. Kunden setzten verstärkt auf die Automatisierung und Standardisierung ihrer IT, vor allem im Hinblick auf ihre zunehmend global verteilten Stützpunkte.

Die jetzt angekündigten Schritte zielten deshalb darauf ab, das Portfolio sowie die Kosten- und Lieferstrukturen der Enterprise Services zu verbessern. Im Zuge dessen werden rund 1.100 Stellen bei Enterprise Services gestrichen.
250 dieser Mitarbeiter sollen zu einem Kunden sowie zu Partnern wechseln, so der Plan. Zu diesen Partnern zählt unter anderem ein Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland, der künftig den Betrieb des Rüsselsheimer HP-Rechenzentrums übernehmen wird.

Weitere Aufgaben, die bislang am Standort Rüsselsheim erbracht wurden, werden künftig auf die europäischen HP Service Units übertragen. Ein weiterer Teil der Aufgaben soll durch höhere Produktivität aufgefangen sowie von lokalen Partnern übernommen werden.

Da HP ES Unternehmenskunden ausschließlich direkt bedient, sei der Channel von den jüngsten Maßnahmen nicht betroffen, hieß es seitens HP.

Die Geschäftsführung sei sich bewusst, dass die Schließung des Standortes Rüsselsheim für die betroffenen Mitarbeiter eine harte und schwierige Maßnahme ist. Geplant ist, in Gesprächen mit dem Betriebsrat sozialverträgliche Lösungen zu vereinbaren. (rb)