Netbooks werden teurer

Wie Microsoft Windows 7 auf Netbooks bringen will

10.03.2009
Microsoft kündigte eine Windows 7-Version für Netbooks an. Dieses Geschäft ist den Redmondern wichtig. Doch wie schaffen sie es, das teure Windows 7 auf Netbooks zu bringen?
Wie teuer darf Windows 7 für Netbooks sein?

Die derzeitige Aufgabe für Microsoft ist klar: Wie kann der Softwareriese ein Windows-Upgrade unter dem paradox erscheinenden Aspekt "Wie spare ich dabei als Kunde Geld"? verkaufen? Die Lösung dieser Aufgabe haben bereits Netbook-Anbieter vorgemacht: Sie installieren Linux (oder Windows XP) auf den kleinen Rechnern und sagen: Auf diese Weise sparen wir und die Käufer Geld; dennoch erhalten die Käufer ein vollwertiges Betriebssystem.

In dieser Situation kann Microsoft zweierlei tun: Windows 7 als Vista-Nachfolger auf die Note- und Dektops dieser Welt schieben und dessen Team-, Stromspar -oder Sonstwas-Vorzüge preisen - oder aber sich eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen, indem es Windows 7 Netbook-fähig macht.

Dem hochprofitablen, zentralen Windows-Geschäft würde dies allemal gut tun. Denn der Softwareriese bilanzierte für das vierte Quartal 2008 einen Umsatzrückgang für Windows in Höhe von acht Prozent. Analysten sind sich einig, dass dies nicht zuletzt durch Netbook-Verkäufe ohne Windows-OS bewirkt wurde. Ohne ein profitables Windows-Geschäft könnte sich Microsoft jedoch deutlich weniger Liebhabereien - Zune, Media Player, Xbox und anderes mehr - erlauben.

Folglich rührt Microsoft seit Anfang dieses Jahres die Trommel für Windows 7 für Netbooks. Es werde mindestens zwei Editionen für die Kleinrechner geben, dabei handle es sich um die Edition "Windows 7 Home Premium" und, vor allem für Käufer in der 3. Welt , die vorinstallierte "Starter Edition". Diese aber ist nur in der Lage, drei Anwendungen gleichzeitig abzuspielen, hatte Microsoft in den vergangenen Wochen unermüdlich erklärt.

Doch dass die Option für "Windows 7 Home Premium" bedeutet, die Netbooks zu verteuern, weiß man bei Microsoft genau. Dessen CFO Chris Liddell drückte das vergangene Woche so aus: "Die Herausforderung für uns liegt auf der Hand: Wir müssen den Durchschnittspreis heben."

Für Anwender aber heißt das: Sie müssen sich, falls sie sich Windows auf den Netbooks wünschen, auf eine deutliche Preiserhöhung bei diesen Rechnern gefasst machen. Natürlich können sie auch mit der Starter Edition vorlieb nehmen; für ein wahrscheinliches Upgrade auf "Home Premium" werden sie bei Microsoft ein Update kaufen müssen.

Der Vorteil des billigen Netbooks aber wäre so oder so dahin.

Wie teuer darf ein Netbook sein?

Das wissen auch Microsoft-Partner. Beispielsweise Intel. So sagte dessen CEO, Paul Otellini, vergangene Woche vor Investoren in San Francisco: "Dieses Upgrade wird schwierig sein." Zumal in Zeiten wie jetzt, in denen Netbook-Kunden das Geld nicht leicht aus der Tasche zu ziehen sein dürfte.

Und Otelline weiß natürlich auch, dass die Atom-Strategie - schwache, aber günstige Prozessoren in Mengen zu verkaufen - mit der Strategie von Microsoft kollidieren muss. Sobald die Netbook-Preise die 500-Dollar respektive 400 Euro-Latte reißen, sind sie für viele Netbook-Kandidaten uninteressant; das Massengeschäft mit dem Atom-Chip wäre dahin.

Das ist Microsoft bekannt, weshalb die Remonder nun überlegen, wie sie OEMs und Partner - etwa Acer, Asus, Dell, FSC, HP, LG, MSI, Sony, Toshiba etc. etc. - dazu bringen könnten, Windows 7 auf den Minirechnern vorzuinstallieren.

Noch hat Microsoft seine bekanntlich meist gut funktionierende Marketing-Maschine nicht angeworfen. Doch soviel steht schon fest: Sie wird die Vorzüge der Microsoft-Welt aufs Höchste loben - und ganz nebenbei auch erzählen, wie hoch die Rückgaberate bei Linux-Netbooks ist.

Wie hoch der Einsatz bei Microsofts für die konstante Windows-Profitabilität ist, zeigt ein Vergleich: Die billigste und simple Vista-Version, " Windows Vista Home Basic SP1 Upgrade", gibt es für 95 Euro. Die neueste Office-Version "Office Home and Student 2007" verkauft Microsoft für 139 Euro.

Linux aber sowie "OpenOffice" gibt es bereits für Null Euro. (wl)