Übernahme von Xilinx für 35 Milliarden Dollar

AMD kauft Intel die Zukunftschancen weg

Kommentar  von Peter Marwan
Die Halbleiter-Branche ist derzeit ordentlich in Bewegung. Kurz nachdem Nvidia 40 Milliarden Dollar für ARM geboten und Intel den Verlauf seines NAND-Business angekündigt hat, kauft sich AMD den FPGA-Hersteller Xilinx. Für AMD ist die Transaktion in vielerlei Hinsicht attraktiv.
 
  • Details der Überahme von Xilinx durch AMD
  • Wie Xilinx das Produktportfolio von AMD ergänzt
  • AMD rüstet mit Xilinx bei 5G auf
AMD-CEO Lisa Su sieht ihr Unternehmen mit der Übernahme von Xilinx auf dem Weg zum "Branchenführer für Hochleistungscomputer" zu werden.
Foto: AMD

AMD hat zusammen mit der Bekanntgabe der Ergebnisse für das dritte Quartal seines Geschäftsjahres auch die Übernahme von Xilinx angekündigt. Die Höhe des Gebots von 35 Milliarden Dollar ist beachtlich - insbesondere, wenn man bedenkt, dass AMD im zurückliegenden Quartal einen Quartalsumsatz von 2,8 Milliarden Dollar erwirtschaftet hat. Das entspricht zwar einem Anstieg von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, dennoch zeigt es gut, wie wichtig die Übernahme für AMD ist und was sich das Unternehmen damit vornimmt.

Ganz generell wollen AMD-CEO Lisa Su und Xilinx-CEO Victor Peng das künftige, gemeinsame Unternehmen zum "Branchenführer für Hochleistungscomputer" machen. Daneben gibt es aber noch einige weitere Aspekte, die den Zusammenschluss attraktiv machen und die dem ewigen Herausforderer AMD helfen könnten, den Erzrivalen Intel diesmal richtig zu ärgern.

Details der Übernahme von Xilinx durch AMD

AMD will den Kaufpreis für Xilinx komplett in eigenen Aktien bezahlen. Dadurch werden am Ende die bisherigen AMD-Aktionäre ungefähr 74 Prozent des kombinierten Unternehmens besitzen werden, die aktuellen Xilinx-Aktionäre dagegen ungefähr 26 Prozent. Aus dem Kaufbetrag von 35 Milliarden Dollar ergibt sich ungefähr ein Preis von 143 Dollar je Xilinx-Stammaktie. Das entspricht einem Aufschlag von fast 25 Prozent gegenüber dem aktuellen Wert des Unternehmens.

Die Transaktion wurde bereits von den Verwaltungsräten von AMD und Xilinx genehmigt und wird voraussichtlich Ende 2021 abgeschlossen, falls die zuständigen Aufsichtsbehörden ihr rechtzeitig zustimmen. Die erwarteten Einsparungen durch Synergien bei der Zusammenlegung der beiden Firmen beziffert AMD mit rund 300 Millionen Dollar - angesichts der Kaufsumme sind sie also kaum nennenswert.

Nach Abschluss der Transaktion wird Lisa Su, derzeit CEO von AMD, als CEO das fusionierte Unternehmen führen, während Victor Peng, derzeit President und CEO von Xilinx, weiterhin für das Xilinx-Geschäft und verantwortlich bleibt und sich um strategische Wachstumsinitiativen kümmert. Davon könnte es einige geben.

Wie Xilinx das Produktportfolio von AMD ergänzt

Aktuell entfällt der größte Teil des Umsatzes von AMD auf CPUs und GPUs für Client-Computer, Server und Embedded-Systeme. Außerdem stellt es kundenspezifische System-on-Chip-Lösungen für Geräte wie die Playstation 5 von Sony her. Durch die Übernahme von Xilinx erweitert AMD sein Produktportfolio um umprogrammierbare Chips (FPGAs) erweitern, die in vielen Bereichen als Grundlage für eine Vielzahl von Produkten dienen, in denen AMD bislang kaum vertreten ist, darunter Telekommunikation, Edge-Computing, Industrie und Networking.

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Im Bereich Rechenzentren ist Xilinx seit 2018 hauptsächlich mit Karten der 2018 eingeführten Produktreihe "Alveo" vertreten, die bei Anwendungen wie Datenanalysen, maschinellem Lernen und Video-Streaming zum Einsatz kommen, um eine auf die spezifische Nutzung hin optimierte Leistung zu erreichen. Seit der Übernahme von Solarflare Communications 2019 ist Xilinx zudem auch Anbieter von Netzwerkkarten für hohe Ansprüche, zum Beispiel im Cloud-Bereich.

Xilinx hat durch seine Produkte, wie die kürzlich angekündigte T1 Telco-Accelerator Card, bereits gute Beuziehungen zu wichtigen TK-Ausrüstern. Auch davon könnte AMD profitieren.
Foto: Xilinx

Damit hat AMD Intel nun direkt in dem Bereich etwas entgegenzusetzen, in dem sich der größere Mitbewerber 2015 durch den Kauf von Altera verstärkt hat. Altera brachte bei Intel ebenso wie Xilinx jetzt bei AMD ein breites Portfolio an FPGAs, FPGA-basierten Beschleunigerkarten und FPGA-basierten SmartNICs ein. Außerdem kann sich AMD damit der Konkurrenz durch Nvidia besser erwehren. Das hat kürzlich ebenfalls angekündigt, in den Markt für SmartNICs einzusteigen, die es jedoch als DPU (Dat Processing Unit) bezeichnet. Mit seinem Portfolio sieht sich AMD künftig vor allem da gut positioniert, wo durch KI, intelligente Netzwerke oder software-definierte Infrastruktur neue Workloads anfallen.

Allerdings will AMD es bei der Übernahme von Xilinix besser machen, als Intel beim Kauf von Altera. Erstens stehe Xilinx als Marktführer bei FPGAs besser da als damals Altera, Zweitens hätten die beiden Firmen eine ähnliche Sicht auf Produkte und Märkte und drittens ergänze man sich sehr gut, weil es im Rechenzentrumsbereich und bei der Technologiestrategie viele Gemeinsamkeiten gebe. Zum Beispiel habe man bei 2.5D und 3D-Integration sowie in Software und Open Source ähnlich investiert.

Erleichtern könnte die Fusion auch, dass Xilinx und AMD bereits in den vergangenen Jahren als strategische Technologiepartner insbesondere im Rechenzentrumsbereich eng zusammengearbeitet haben. Bei den EPYC-Prozessoren der ersten und zweiten Generation stellt AMD Xilinx als einen wichtigen Partner, dessen Produkte in EPYC-basierten Servern enthalten sind. Außerdem setzten beide Unternehmen bereits jetzt auf TSMC als Fertiger. Auch da dürfte es also wenig Reibungspunkte geben.

AMD rüstet mit Xilinx bei 5G auf

Durch den Zusammenschluss mit Xilinx wird AMD auch bei 5G zu einem gefährlicheren Rivalen von Intel. Nachdem Intel den Bereich 5G-Modems für Smartphones, aufgegeben hat, ruhen seine Hoffnungen diesbezüglich nun auf der 5G-Netzwerkinfrastruktur. Genau hier hat AMD aber bereits einige Erfolge vorzuweisen. Die im Herbst vergangenen Jahres gezeigten EPYC-Prozessoren der zweiten Generation eignen sich etwa auch gut für 5G-Netzwerke und wurden zum Beispiel von Nokia schon getestet.

Jüngster Neuzugang im Xilinx-Portfolio für 5G ist mit dem Zynq RFSoC DFE eine Lösung, die als Mittelweg zwischen günstigen ASICs und der Flexibilität, Skalierbarkeit und schnellen Marktreife programmierbarer SoCs bieten und so für eine breite Palette unterschiedlicher 5G-Anwendungen infrage kommen soll.
Foto: Xilinx

Durch die Übernahme von Xilinx kann AMD jedoch ein breiteres Portfolio an Technologien anbieten und wird dadurch für die Entwickler von Bausteinen für die 5G-Netzinfrastruktur als Partner interessanter. Das könnte dann auch den Absatz von EPYC-Prozessoren an die Telekommunikationsbranche ankurbeln. Außerdem arbeitet Xilinx bereits jetzt mit Unternehmen wie Samsung und Ericsson zusammen. Diese Beziehungen könnte AMD für sich und seine Produkte nutzen.