Amazon, Microsoft, IBM und SAP

Blockchain as a Service – das bieten die wichtigsten Player

02.07.2018 von Thomas Joos und Wolfgang Herrmann
Blockchain as a Service (BaaS) erlaubt es Unternehmen, ohne hohe Einstiegskosten und -risiken mit Distributed Ledger-Techniken zu arbeiten. Lesen Sie, welche Provider bereits Blockchain-Dienste in der Cloud offerieren, was die Services leisten und worauf Unternehmen bei der Auswahl achten sollten.

Um Blockchain für eigene Anforderungen zu nutzen, brauchen Unternehmen keine komplizierte Server-Infrastruktur im eigenen Netzwerk. Namhafte Anbieter wie Amazon, Microsoft, Oracle und SAP stellen die notwendige Infrastruktur für Blockchain als Cloud-Dienst zur Verfügung (Blockchain-as-a-Service, BaaS).

Provider wie Amazon, Microsoft und SAP bieten Blockchain-Services als Dienste auf ihren Cloud-Plattformen an.
Foto: whiteMocca - shutterstock.com

Blockchain as a Service könnte zum Milliardenmarkt werden

Der BaaS-Markt wächst schnell und verspricht den Anbietern Milliardenumsätze. Würden nur zwei Prozent der heute installierten Server eines Tages als Blockchain-Knoten fungieren, könnte der Markt ein Umsatzvolumen von sieben Milliarden Dollar erreichen, rechnet Kash Rangan, Research Analyst bei der Bank of America vor.

In einem Bericht für Investoren nennt er die aus seiner Sicht am besten positionierten Anbieter. Neben bekannten Cloud-Größen wie Amazon, Microsoft, IBM und Oracle gehören beispielsweise Salesforce.com und VMware dazu. Vom erwarteten Boom könnten aber auch Provider aus anderen Bereichen profitieren, beispielsweise Immobilienspezialisten wie Redfin, Zillow und LendingTree. Mit deren Blockchain-Services ließe sich die Übertragung von Immobilieneigentum digitalisieren.

Die US-amerikanische Immobilien-Vermittlung Staten Island Multiple Listing Service etwa startete ein Blockchain-Proof-of-Concept, um die Aktivitäten von Käufern, Verkäufern und Maklern auf seiner Online-Plattform transparenter zu machen.

Blockchain as a Service erlaubt es Unternehmen, ohne hohe Einstiegskosten und -risiken mit Distributed Ledger-Techniken zu arbeiten, so lautet das Versprechen der Provider. Zudem benötigen sie kaum hochspezialisierten Entwickler im Haus. "Die Blockchain-Welle nimmt gerade erst Fahrt auf", beobachtet Bill Fearnley Jr., Research Director Worldwide Blockchain Strategies beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC. "Es gibt nur wenige Experten die mehrjährige Praxiserfahrungen vorweisen können."

Was Blockchain-Infrastrukturen leisten

Blockchain-Infrastrukturen ermöglichen Anwendungen, mit denen sich Transaktionen ausführen lassen, ohne dass es einer zentralen Stelle für die Prüfung bedarf. Dadurch kann über ein Peer-to-Peer-Netzwerk jeder Beteiligte Zugriff auf sein Kontobuch, auch "Ledger" genannt, nehmen. Das Kontobuch enthält die Transaktionen im entsprechenden Blockchain-Netzwerk. Da die Transaktionen einem definierten Muster entsprechen, können diese durch andere Anwender und deren Kontobücher zuverlässig verifiziert werden. Unternehmen können damit nicht nur eigene Blockchain-Währungen generieren, sondern auch für den internen Zahlungsverkehr oder für die Verwaltung der Logistik auf Blockchain-Technik setzen.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten, was die wichtigsten BaaS-Provider heute anbieten.

Blockchain in Amazon Web Services

Als einer der größten Cloud-Anbieter der Welt bietet natürlich auch Amazon in seinem Cloud-Arm Amazon Web Services (AWS) Dienste im Bereich Blockchain an. AWS ermöglicht den Aufbau einer Blockchain-Infrastruktur, und das in wenigen Minuten. Dabei können Unternehmen ein eigenes Netzwerk aufbauen, das entweder auf Ethereum oder auf Hyperledger Fabric basiert.

Die Open-Source-Blockchain Hyperleger wird auch von den meisten anderen Blockchain-as-a-Service-Anbietern genutzt. Dadurch können Unternehmen, die Blockchain-as-a-Service nutzen wollen, auf AWS setzen. Bezahlt werden müssen nur die Ressourcen, die für die Blockchain-Infrastruktur in AWS genutzt werden kann.

AWS stellt Blockchain-as-a-Service über AWS Blockchain Templates zur Verfügung.
Foto: AWS

Mit AWS Blockchain-Vorlagen (Templates) können Unternehmen ohne großen Aufwand Blockchain-Netzwerke erstellen und betreiben. Beim Erstellen eines Blockchain-Netzwerkes durch AWS Blockchain-Vorlagen werden automatisch alle notwendigen Ressourcen in AWS erstellt und konfiguriert.

Oracle Blockchain Service

Auch Oracle bietet in seiner Cloud-Lösung "Oracle Cloud" die Möglichkeit, B2B-Aktionen In Form von Blockchain-as-a-Service zu nutzen. Bei Oracle wird ebenfalls die komplette Infrastruktur in der Cloud bereitgestellt. Unternehmen müssen nur die Ressourcen buchen und bezahlen, die sie für Blockchain in der Oracle-Cloud nutzen wollen. Oracle Blockchain Service kann im internen Cloud-Netzwerk genutzt werden, aber natürlich auch zusammen mit Lieferanten und Kunden im Unternehmen. Lokale Serveranwendungen lassen sich an den Clouddienst anbinden.

Oracle bietet in seiner Cloudl-Lösung ebenfalls Blockchain-as-a-Service an.
Foto: Oracle

Oracle Blockchain Service erstellt, ähnlich wie AWS Blockchain-Vorlagen, automatisch alle Ressourcen in der Oracle-Cloud, die für das Blockchain-Netzwerk notwendig sind. Dazu gehören virtuelle Computer, Container, Speicher sowie die Verwaltung der Identitäten und alles weitere. Wenn der Blockchain-Dienst erstellt ist, haben Unternehmen Zugriff auf eine komplette Blockchain-Plattform, inklusive aller notwendigen Funktionen wie Mitgliedservice, Peerknoten, Bestellservice, REST-Proxy und einiges mehr. Verwaltet wird der Blockchain-Service über die webbasierte Admin-Konsole.

Der Dienst kann auch zusammen mit Partnern genutzt werden. Dazu bietet Oracle die Erstellung von Hybridnetzwerken an, mit denen sich auch Server außerhalb der Oracle-Cloud anbinden lassen. Serverinstanzen können darüber hinaus auch in der Oracle Public Cloud bereitgestellt werden.

IBM Blockchain Platform mit Hyperledger

IBM bietet mit IBM Blockchain Platform einen Dienst in der IBM-Cloud an, mit dem sich ein hochsicheres Blockchain-Netzwerk erstellen lässt. IBM bezeichnet seine Plattform als Marktführer, den bereits hunderte Unternehmen nutzten. Zu den Kunden gehören etwa der Logistikkonzern Maersk und der Handelsriese Walmart. Letzterer verpflichtete seine Zulieferer, ihre Produktdaten in die IBM Food Trust Blockchain einzupflegen. Walmart nutzt das System, um die Herkunft eingekaufter Produkte nachzuvollziehen. Erste Pilotprojekte zeigten das Potenzial: Brauchte Walmart bislang rund sieben Tage, um die Lieferkette eines Lebensmittelprodukts vom Ladengeschäft bis zum Bauernhof zurückzuverfolgen, erledigt die Blockchain diese Aufgabe in 2,2 Sekunden. Auch Nestlé und Unilever setzen die Blockchain-Plattform von IBM für eigene Technologien ein, zum Beispiel, um die Sicherheit zu verbessern.

Der Handelskonzern Walmart setzt IBMs Blockchain-Service ein, um seine Supply Chain transparenter zu machen.
Foto: IBM

IBM Blockchain Platform nutzt Funktionen, die aus dem Hyperledger-Fabric-Framework entstanden sind und das Hyperledger-Composer-Blockchain-Tool nutzen. Beide werden von der Linux Foundation als Open-Source-Software zur Verfügung gestellt. Es stehen APIs zur Verfügung, mit denen sich die Blockchain-Technologie auch in eigene Anwendungen des Unternehmens integrieren lassen. IBM verspricht, dass sich die eigene Blockchain-Technologie schnell und einfach integrieren lässt, auch von Entwicklern, die in diesem Bereich noch nicht spezialisiert sind.

IBM stellt auch die eigene Sicherheit seiner Blockchain Platform heraus. Die Plattform bietet die Sicherheitskategorie FIPS140-2 Level 4. Außerdem hat IBM keinerlei Zugriff auf die Blockchain-Daten.

Blockchain in Microsoft Azure mit Azure Blockchain Workbench

Microsoft bietet Blockchain als Dienst in Microsoft Azure an. Entwickler können in diesem Bereich mit modularen und vorkonfigurierten Netzwerken arbeiten. Microsoft nutzt Blockchain in Microsoft Azure selbst, um zum Beispiel die Lizenzierung für Xbox-Spiele zu optimieren.

In Microsoft Azure stehen über den Azure Marketplace auch verschiedene Blockchain-Dienste von Drittherstellern zur Verfügung.
Foto: Microsoft

Mit Azure Blockchain Workbench lassen sich Apps, die auf Blockchain setzen, schneller und einfacher erstellen. Die verschiedenen Szenarien, die Unternehmen mit Blockchain darstellen wollen, können mit Bordmitteln in Microsoft Azure erstellt und konfiguriert werden. Wer auf Blockchain in Microsoft Azure setzt, kann die verschiedenen Dienste in Microsoft Azure in die eigene Blockchain-as-a-Service-Infrastruktur mit einbinden.

Dazu gehören auch Dienste zur Bereitstellung von Big Data, virtuelle Server, leistungsstarke Speicherdienste und sichere Netzwerke, auch ins eigene Rechenzentrum. Zur Identitätsverwaltung kann auf Azure Active Directory gesetzt werden. Die Schlüssel für die Verschlüsselung können wiederum in Azure Key Vault gespeichert werden.

Im Azure Marketplace lassen sich dazu auch verschiedene Dienste von Drittanbietern dazu buchen. Dazu gehören Corda, Ethereum und Hyperledger Fabric. Einige große Unternehmen wie Nestlé und 3M setzen auf Technologien in Microsoft Azure Blockchain Workbench.

Azure Blockchain Workbench hilft dabei, eigene Blockchain-Anwendungen zu erstellen. Auch hier ergibt sich der Vorteil, dass durch die Assistenten in Azure Blockchain Workbench die notwendigen Ressourcen in Microsoft Azure automatisiert erstellt und konfiguriert werden können.

Google arbeitet an eigener Blockchain-Lösung

Auch Google arbeitet derzeit an einer eigenen Blockchain-Lösung, die vermutlich im eigenen Cloud-Dienst bereitgestellt werden soll. Google gehört zu den größten Investoren in Unternehmen, die sich mit Blockchain auseinandersetzen. Zu den Firmen, die Google unterstützt, gehören der dezentrale Cloudspeicher Storj und die Handelsplattform für Kryptowährungsderivate LedgerX. Auch Veen wird unterstützt. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das Blockchain vor allem für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Im Gegensatz den großen Konkurrenten IBM, Oracle und Microsoft hat Google derzeit aber noch kein Blockchain-as-a-Service-Angebot auf dem Markt.

Im Juli 2018 kündigte der Blockchain-Spezialist Digital Assets an, künftig mit Google zusammenzuarbeiten. Die Plattform und die Entwickler-Tools von Digital Assets will Google in seine Cloud-Plattform integrieren und auf dieser Basis eigene Blockchain-Produkte entwickeln. Der Suchmaschinenkonzern will seine Blockchain-Kompetenzen insbesondere durch eine Zusammenarbeit mit Startups ausbauen.

SAP Leonardo Blockchain as a Service

SAP bietet mit SAP Leonardo Blockchain as a Service, auch SAP Cloud Platform Blockchain genannt, ebenfalls einen Cloud-Dienst an, mit dem sich Blockchain in der Cloud nutzen lässt. Auch hier kann der Zugriff von jedem Gerät aus erfolgen, ohne dass im eigenen Netzwerk Hardware notwendig ist.

SAP bietet mit Cloud Platform Blockchain die Blockchain-Technologie als Dienst in seiner Cloud-Plattform an.
Foto: SAP

Leornado baut auf Hyperledger auf, ähnlich wie die IBM Blockchain Platform. Genutzt werden kann Leornado über SAP Cloud Service. Der Dienst kann auch in Internet-of-Things-Infrastrukturen (IoT) eingesetzt werden, zum Beispiel für Micro-Payments. Hier können an das Internet angebundene Geräte Kaufaktionen ausführen, die über die Blockchain abgerechnet werden. Der Vorteil beim Einsatz der SAP Cloud Platform Blockchain besteht darin, dass in einem gemeinsamen Ökosystem verschiedene Dienste zusammengefasst werden können, also zum Beispiel Blockchain und Internet-of-Things-Geräte.

Ernst & Young: Blockchain auf der SAP-Plattform

Das Beratungshaus Ernst & Young hat mit "EY Ops Chain" (Operations and Supply Chain) eine eigene Blockchain-Lösung für das Supply Chain Management auf den Markt gebracht. Diese ist eng mit SAPs Leonardo-Plattform integriert. "Wir gehen zwar davon, dass BaaS-Plattformen nützlich sind und das Ausrollen und Verwalten von Blockchain-Anwendungen erleichtern", argumentiert Paul Brody, Global Innovation Leader für Blockchain-Technologie bei Ernst & Young. Das volle Potenzial der Technologie könnten Unternehmen aber nur ausschöpfen, wenn eine enge Integration mit ERP-Systemen geschaffen werde. Durch die Integration von OpsChain mit SAPs BaaS-Plattform könnten Anwender Einkaufsaktivitäten anhand der bereits bestehenden und hinterlegten Geschäftsregeln abwickeln und dabei trotzdem die Vorteile der Blockchain nutzen.

HPE R3 - Blockchain auf Corda-Basis

HPE bietet Blockchain-as-a-Service auf Basis von Corda an. Corda ist ein spezialisiertes Kontobuch für Finanzinstitute zur Abwicklung von Finanztransaktionen. Auch in Microsoft Azure kann Corda genutzt werden. Corda setzt auf die Mission Critical Server Services von HPE auf, um Unternehmen Stabilität und Skalierbarkeit zu bieten. So lassen sich verteilte Ledger-Anwendungen in die Produktion bringen.

Huawei bietet Blockchain-Service-Plattform auf Basis von Hyperledger

Der chinesische Telekommunikationsriese Huawei will ebenfalls Blockchain-as-a-Service zur Verfügung stellen. Auch dieses Angebot basiert auf Hyperledger, einem Open-Source-Blockchain-System, das seit 2015 von der Linux Foundation zur Verfügung gestellt wird. Als Basis für den neuen Dienst dient die Huawei-Cloud.