Cloud- und Tonervertrieb Deutschland

Doppeldeutiger Öko-Toner als Türöffner für Fachhändler

10.12.2015 von Arnd Westerdorf
Das seit einem Jahr im Markt aktive Startup Cloud- und Tonervertrieb Deutschland irritiert Interessenten sowohl mit seinem Namen als auch mit dem inhaltlichen Konzept eines „Öko“-Toners. ChannelPartner ist den Aussagen auf den Grund gegangen, die mehr Handels- und Endkunden anlocken sollen.

Das Unternehmen Cloud- und Tonervertrieb Deutschland Krämer und Stadler GbR aus Speyer bewirbt sein Angebot „Öko-Toner“ in Kombination mit seiner „Öko-Box“ und sucht ausdrücklich weitere Vertriebspartner.

Tonerkartusche: "Öko-Toner" in einem etwas anderen Sinn.
Foto: Cloud- und Tonervertrieb Deutschland Krämer und Stadler GbR

Dabei irritiert das Vertriebsunternehmen erst einmal mit seinen zwei Kerngeschäften, die nicht direkt zusammenhängen, sondern sich aus den bisherigen IT-, Vertriebs- und Management-Kompetenzen der Inhaber Andreas Krämer und Jörg Stadler und der Partnerschaft mit dem Dienstleister cloud4you GmbH ergeben.

Start-Up aus Speyer: Mitinhaber Jörg Stadler bringt IT- und Management-Erfahrung ein.
Foto: Cloud- und Tonervertrieb Deutschland Krämer und Stadler GbR

Zudem bewerben die beiden geschäftsführenden Inhaber auf der Firmen-Website ihre Vision des „umweltfreundlichen Druckens“ und das damit verbundene Angebot eines „Öko-Toners“. Dieses besteht - zunächst ganz banal - aus dem Wiederbefüllen gebrauchter Tonerkartuschen von Originalherstellern durch einen Refill-Partner beziehungsweise Fremdhersteller.

Ersatztoner für fünf gängige Originalmarken

Auf Nachfrage von ChannelPartner erklären Krämer und Stadler, dass das Produktangebot „für alle gängigen Drucker der Hersteller HP, Lexmark, Kyocera, Brother und Samsung“ gilt und dass man sich von der Produktqualität her „auf Augenhöhe mit den Originalherstellern“ sieht. Demnach handelt es sich um „qualitativ hochwertigen Toner“, der „in vielfacher Weise getestet und regelmäßig kontrolliert“ und von einem „Qualitätshersteller aus Deutschland“ produziert werde. Dieser könne aus Wettbewerbsgründen nicht genannt werden, würde aber „eine gute Marktstellung und eine hohe Reputation in der Branche“ besitzen, heißt es beim rheinland-pfälzischen Vertriebspartner.

Öko-Toner: Recycling-Kreislauf spart Ressourcen und Kosten ein.
Foto: Cloud- und Tonervertrieb Deutschland Krämer und Stadler GbR

Der ungenannte Hersteller ist nicht nur als Refiller mit seinen nach den DIN-Normen 9001 und 33870-1/-2 produzierten Tonerfüllungen tätig, die allgemein das Qualitätsmanagement eines Unternehmens sowie die Aufbereitung von gebrauchten Tonermodulen regeln, sondern auch als Rebuilt-Anbieter: „Es wird ausschließlich das Originalgehäuse zur Herstellung unseres Öko-Toners benutzt. Die mechanischen Teile wie zum Beispiel Fotoleitertrommel, Kleinteile und das Tonerpulver werden durch qualitativ hochwertige Produkte ersetzt“, betonen Andreas Krämer und Jörg Stadler unisono und ergänzen: „Die hohen Qualitätsstandards in der Fertigung gewährleisten eine einwandfreie Funktionalität und ein sauberes Druckbild.“ Jede Kartusche durchlaufe vor der Auslieferung eine umfassende elektronische und mechanische Prüfung, und die Kompatibilität sei zu 100 Prozent gegeben, so die beiden Start-Up-Gründer vom Cloud- und Tonervertrieb Deutschland.

Der Bedarf an Tonerkartuschen wird - wie im Markt üblich - entweder größtenteils durch Aufkäufe bei Spezialanbietern und auch durch von Kunden zurückgeschickte Sammelboxen mit gebrauchten Tonerbehältern gedeckt. Letztere Variante wird nach Angaben des besagten Anbieters als „Öko-Box“ kostenlos zur Verfügung gestellt und durch den eigenen Abholservice oder eine beauftragte Spedition vor Ort mitgenommen.

Brother Toner-Recycling-Werk in Krupina / Slowakei

Im slowakischen Krupina hat Brother ein Werk zum Recycling von Tonerkartuschen aufgebaut.

Manažérske parkovisko! Zum Glück auch auf Englisch - damit ausländische Führungskräfte ihren Parkplatz finden.

Hier kommen die leeren Kartuschen an, die von Verbrauchern über das Rücknahmesystem zurückgeschickt werden.

Craig McCubbin, Managing Director der Brother-Tonerwerke in England und der Slowakei, erläutert den Arbeitsprozess.

Jede Kartusche wird erfasst...

... und mit einer Schutzleiste versehen.

Dann warten die leeren Tonerbehälter...

... auf die Sortierung.

Hier werden die Kartuschen...

... nach Typ sortiert.

Nach Möglichkeit werden fast alle Bestandteile wiederverwertet.

Nur wenn die Kartusche beschädigt ist, wird sie geschreddert. Das Granulat wird dann zu neuen Kartuschen verschmolzen.

Die Tonerbehälter werden zerlegt und grob gereinigt.

Dabei wird das restliche Tonerpulver abgesaugt.

In verschiedenen Produktionsstraßen können unterschiedliche Toner produziert oder wiederverwertet werden.

Ein Großteil der Fertigung geschieht im Reinraum.

Wer in den Reinraum rein will, muss entsprechende Kleidung tragen!

Bevor die Kartuschen wiederbefüllt werden, werden sie gründlich geputzt.

Hier wird beispielsweise die Developer-Walze gereinigt.

Die Wiederaufbereitung ist sehr aufwändig.

Fehlende oder defekte Teile werden ersetzt.

Wer an der Farbtoner-Straße arbeitet, erkennt man an den Fingernägeln.

Neben wiederaufbereiteten Kartuschen werden auch neue Tonerbehälter assembliert.

Wieder aufbereitete und neu assemblierte Kartuschen werden wie bei einem "Y" zur Befüllung zusammengeführt.

So kommt das neue Tonerpulver in die Behälter.

Genug aufgefüllt? Die Waage gibt Aufschluss.

Ob Schwarzweiß-...

... oder Farbkartusche, ...

... jedes Produkt wird akribisch auf Funktionstüchtigkeit überprüft.

In Langzeittest werden haltbarkeit und Reichweite der Kartuschen untersucht.

Dazu werden tausende von Testbögen bedruckt.

Die fertig befüllten und getesteten Kartuschen werden verschweißt...

... und warten auf die Verpackung.

Hier kommt die Ware in die Kartons.

In der Sowakei legen die Hennen keine eckigen Eier - das ist die Umverpackung für die Kartuschen.

Die Packungen werden dann auf Paletten gestapelt...

... und mit Transportfolie umwickelt.

Hier warten die fertig gepackten Paletten auf die Abholung.

Vorsicht Gabelstapler!

Mit der Verladung auf LKWs verlassen die Kartuschen das Werk um in ganz Europa Brother-Druckern das Drucken zu ermöglichen.

Hier betonen Mitarbeiter, wie gerne sie für Brother in Krupina arbeiten.

Das sieht man auch an den Taschen im Umkleideraum.

Diese Handhabung ist nicht spektakulär, zumal sie zum Tagesgeschäft gehört - gleichermaßen von Originalherstellern wie etwa Brother mit dessen Wiederaufbereitungswerk im slowakischen Krupina, von OEM- und Drittherstellern sowie Händlern wie dem Memo-Versand. Außerdem täuscht der „Öko-Toner“ vom Cloud- und Tonervertrieb namentlich darüber hinweg, dass es sich beim beworbenen Produktangebot nicht um eine pflanzliche Alternative zum herkömmlichen Tonerpulver auf Erdöl-Basis handelt, wie sie unter anderem das US-Unternehmen PRC Technologies mit seinem Soja-Toner unter der Marke Soyprint anbietet.

Umwelt- und Kostengedanke steht im Fokus

Vielmehr geht es dem Cloud- und Tonervertrieb Deutschland um das Recycling der leeren Kartuschen, das die Ressourcen durch „Einsparungen von bis zu zehn Litern Rohöl pro wiederhergestellten Öko-Tonner“ schonen und aus dem auch „eine Kostenersparnis von bis zu 70 Prozent gegenüber dem Originaltoner“ resultieren würde. Laut dem Unternehmen werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 20 Millionen Tonerkartuschen verbraucht, wobei nur acht Prozent davon recycelt würden und der Rest über die Mülltonne auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen landen würde.

Vor diesem Hintergrund legt der Anbieter das Wort „Öko“ bei seinem Toner ausdrücklich als „ökologisch“ und „ökonomisch“ aus. Und formuliert daraus den Anspruch, eine Nische bedienen zu können, indem man die Produktqualität eines Originalherstellers zum Preis eines Fremdherstellers - übrigens mit einer offiziellen Rücklaufquote von unter 0,5 Prozent – anbieten kann.

Mitinhaber Andreas Krämer: Öko-Toner hat auch Türöffner-Qualität für andere Projekte.
Foto: Cloud- und Tonervertrieb Deutschland Krämer und Stadler GbR

Auf dieser Basis hat der Cloud- und Tonervertrieb Deutschland ein Vertriebsmodell entwickelt, dessen günstiges Produktangebot laut Andreas Krämer als „Türöffner für Nachfolgegeschäfte“ in den angestammten Bereichen des jeweiligen Fachhändlers oder Systemhauses dient und „bis zu 40 Prozent mehr Kundenkontakte“ verspricht.

Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen "eine Handvoll Mitarbeiter" und verfolgt eine "zweigleisige Vertriebsstrategie mit den zwei Vertriebswegen Direktvertrieb und Vertrieb über Vertriebspartner, die unseren Öko-Toner nach unseren Vorgaben Ihren Kunden anbieten". Das entsprechende Produktangebot wird bundesweit offeriert.